Krokusblüte in Husum : Blühen die Krokusse viel zu früh?

Anfang Januar zeigen sich die ersten lila Köpfchen: Ob dieser Krokus aber so schnell blühen wird, weiß man noch nicht.
Anfang Januar zeigen sich die ersten lila Köpfchen: Ob dieser Krokus aber so schnell blühen wird, weiß man noch nicht.

Der warme Winter treibt sie raus: Husum könnte die früheste Krokusblüte seit 1970 erleben.

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04. Januar 2018, 15:00 Uhr

Husum | Kennen Sie den? Fragt einer: „Was ist eigentlich die Mehrzahl von Krokus?“ „Na, Krokanten natürlich.“ Der kommt ins Grübeln: „Nicht Krokusse?“ – „Nein, man sagt ja auch nicht Atlasse, oder?“ Husums Krokusse scheren sich um solche babylonischen Sprachverwirrungen einen Kehricht. Sie führen ein Eigenleben, das weder auf gärtnerische Bedürfnisse noch auf die Begehrlichkeiten derer Rücksicht nimmt, die ihnen zu Ehren ein eigenes Fest ins Leben gerufen haben. Und in diesem Jahr sind die Vorboten der legendären Husumer Krokusblüte „besonders vorwitzig“, berichtet Dirk Dibbern, Teamleiter beim Kommunalen Service-Betrieb Husum (KSH) – und als solcher oberster Wächter der alljährlichen Blütenpracht.

Nein, unruhig mache es ihn nicht, dass die ersten Krokusse ihre Kelche bereits aus dem Boden schieben. Das habe noch gar nichts zu bedeuten, erklärt der Experte und ungekrönter Krokuskönig und führt als Grund für das frühe Aufleben einzelner Krokusse einen Winter an, „der keiner ist, und so schnell wohl auch keiner werden wird“. Tatsächlich legen die Daten einschlägiger Wetterportale die Vermutung nahe, dass ein massiver Temperatursturz in den kommenden zwei Wochen nicht zu erwarten ist. Das dürfte das Wachstum der Krokusse weiter befördern. Aber die feucht-milde Witterung hat eben auch eine Kehrseite, die Krokusse gar nicht schätzen. Die haben es lieber trocken und mild. Doch im Augenblick ist es – wie schon das ganze vergangene Jahr – extrem feucht.

Gleichwohl macht sich Dibbern über Zeitpunkt und Ausmaß der Blüte keine Gedanken. Da sei noch alles drin, sagt er nüchtern und lässt erahnen, dass es sich mit der Krokusblüte ähnlich verhält wie mit dem geflügelten Wort, wonach man vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand ist.

Natürlich habe sein Team im Frühjahr und Sommer vergangenen Jahres alles getan, um der Krokusblüte 2018 einen möglichst guten Start zu bereiten. Dazu gehört, dass die Rasenflächen nicht schnellstmöglich, sondern erst im Juli gemäht werden, „damit sich Krokus-Saat und Pflanzen erholen und optimal entwickeln können. „Außerdem überprüfen wir alle drei Jahre den PH-Wert des Bodens und führen gegebenenfalls Dünger zu“, sagt Dibbern. Das sei auch 2017 wieder gemacht worden. Den Rest aber muss die Natur selbst regeln. „Wir können dann nur noch dafür sorgen, dass die Wege in Ordnung sind.“ Aber dafür ist es – wie für die Krokusblüte selbst – noch zu früh. Und das nicht nur, weil das dazugehörige Fest erst am 24. und 25. März über die Bühne gehen wird.

Laut Dibberns Tabelle, die 1970 beginnt, geht die bisher früheste Blüte auf das Jahr 1990 zurück. Damals standen die Zeichen bereits Mitte Februar auf Lila. Die längste Wartezeit mussten Krokusblüten-Freunde 2013 erdulden. Damals überschwemmte das Blütenmeer den Schlossgarten erst am 11. April. Im vergangenen Jahr legte die Blüte dagegen eine Punktlandung hin und fiel fast auf den Tag genau mit dem nach ihm benannten Fest zusammen. „Und auch in diesem Jahr ist noch alles drin“, sagt Dibbern. Klar, die Vorboten seien schon extrem früh, „aber das Wetter kann sich auch schnell wieder ändern. Und dann sieht es wieder ganz anders aus.“ Sicher ist: Die Krokusblüte kommt, weniger sicher, wie lange sie bleibt. „Das schwankt zwischen zwei und sechs Wochen“ und erhöht natürlich die Chancen, dass Blüte und Fest am Ende doch zusammenfallen, selbst wenn erstere zwei Wochen früher einsetzt als gewünscht.

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