Lehrstellen-Rallye : Blicke hinter die Kulissen erwünscht

Mit anzupacken ist erlaubt –  wie in einer Autowerkstatt bei einer vergangenen Rallye.
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Mit anzupacken ist erlaubt – wie in einer Autowerkstatt bei einer vergangenen Rallye.

Am 10. Juli fällt der Startschuss für die 9. Lehrstellen-Rallye: Angesprochen sind Achtklässler aller Schularten aus Husum und dem Umland.

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01. Juli 2015, 12:00 Uhr

Sie habe immer Auszubildende über die Lehrstellen-Rallye gefunden. Dieses Lob einer Husumer Unternehmerin ist auf jeden Fall Motivation für Karin Christophersen-Becker. Die bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in der Geschäftsstelle Nordfriesland für Aus- und Weiterbildung zuständige Fachfrau hat die 9. Veranstaltung dieser Art in Zusammenarbeit mit dem Commerzium der Stadt Husum von 1738 organisiert.

Am Freitag, 10. Juli, stehen nun von 10 bis 15 Uhr bei 14 Betrieben die Türen für den potenziellen Nachwuchs offen: Und der wird von Mitarbeitern und Auszubildenden in Empfang genommen, die über ihre Berufe, die Ausbildungsinhalte, Aufstiegschancen und wenn möglich über ein duales Studium informieren, aber auch von ihren Erfahrungen berichten und Fragen beantworten. Der Termin ist bewusst vor die Ferien und auf einen Freitag gelegt worden, da dies bei den Schulen sofort Zustimmung fand, erklärte Karin Christophersen-Becker im Gespräch mit unserer Zeitung. Lehrkräfte hätten bereits angekündigt, ihre Schützlinge begleiten zu wollen.

Willkommen sind Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen aller Schularten aus Husum und dem Umland – so werden unter anderem Jugendliche aus Tönning, Bredstedt, Ohrstedt-Viöl und Friedrichstadt bei dieser Rallye ebenfalls dabei sein. Mit einem kostenfreien Bus-Shuttle unterstützt die Autokraft GmbH die Aktion. Denn neben den Einblicken vor Ort in verschiedene Berufsalltage bieten ergänzend im Nordsee-Congress-Centrum (NCC) die Agentur für Arbeit, die Kreishandwerkerschaft und die IHK zu Flensburg eine umfassende Beratung an. Die jungen Frauen und Männer erfahren dort Wissenswertes zu weiteren Ausbildungsberufen. Karin Christophersen-Becker rät, unbedingt eine Bewerbungsmappe mitzubringen, da diese dann gleich von Profis begutachtet werden kann. Die IHK-Mitarbeiterin freut sich, dass die Lehrstellen-Rallye ein Format ist, das auch auf Sylt, in Heide, Schleswig und Flensburg gut ankommt.

Ebenfalls im NCC findet von 15.30 Uhr an die Abschlussveranstaltung statt. Es werden attraktive Sachpreise verlost und der Lehrstellenkönig oder die Lehrstellenkönigin gekürt. Er oder sie darf den Hauptpreis, ein iPad, gleich in Empfang nehmen. Voraussetzungen für die Teilnahme an der Verlosung sind: der Besuch von vier verschiedenen Unternehmen – belegt durch die Abgabe einer Stempelkarte, für die es zudem im NCC eine Teilnahmebestätigung zur Vorlage in der Schule gibt – und natürlich die Anwesenheit beim Abschlussfest. Firmenvertreter werden demnächst mit Info-Faltplänen und den wichtigen Stempelkarten die Schulen versorgen.

Karin Christophersen-Becker wird in entsprechender Mission die Gymnasien besuchen. Sie wünscht sich, dass mehr Abiturienten vor einem Studium einen Ausflug in die Praxis wagen. Aus verschiedenen Firmen weiß die IHK-Mitarbeiterin, dass sich Personalchefs daran stören, wenn jemand bereits mit 21 Jahren seinen Bachelor in der Tasche hat, aber nicht in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen. An Menschenbildung auch in Bezug auf Reife ist bei „G8“ – dem Abitur nach acht Jahren – sicherlich nicht gedacht worden.

Christophersen-Becker: „Es können nicht alle studieren. Und wir wollen Fachkräfte in der Region halten.“ Deshalb begrüßt sie nachdrücklich Ausbildungsangebote, die einen Abschluss ermöglichen, der dem Bachelor gleichzusetzen ist. So wird beispielsweise jungen Menschen bei Topf-Baubeschläge in Husum offeriert, in 33 Monaten drei Abschlüsse zu erreichen: vom Groß- und Außenhandelskaufmann führt der Weg zum Handelsfachwirt und zur Ausbildereignung. Auch für die Hotelbranche gibt es über das Projekt „Astor“ diese Chance: Hotelfachleute werden zu Fachwirten im Gastgewerbe inklusive Ausbildereignung. Im nächsten Jahr plant Karin Christophersen-Becker, zusätzlich Hotel- und Gastronomiebetriebe einzubinden. Denn in dieser Branche wie auch im Handwerk sei es mit am schwierigsten, Lehrlinge zu finden. Grundsätzlich gelte aber für alle Arbeitgeber, dass der Fachkräftemangel Nordfriesland erreicht habe.

Für Hauptschüler hat sich nach ihren Worten der „Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs“ der Bundesregierung – geschlossen im Jahr 2004 – bewährt. Abgelöst worden ist dieser Ende 2014 durch die „Allianz für Aus- und Weiterbildung“. Partner bleibt wie bereits beim Ausbildungspakt das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die neue Allianz läuft bis Ende 2018. Karin Christophersen-Becker hebt hierbei die sogenannte Einstiegsqualifizierung hervor, die bedeutet, dass junge Menschen mit Lernschwierigkeiten bis zu einem Jahr ein Praktikum absolvieren dürfen. Und: „Viele Arbeitgeber gehen nicht mehr nach den Noten, sondern laden gleich dazu ein, ein Praktikum zu machen.“

Von Bankinstituten weiß sie, dass jemand mit einem guten Realschulabschluss einem Bewerber mit einem schlechten Abitur vorgezogen wird. Die Banken hätten selten Grund zur Klage, was die Zahl an potenziellen Auszubildenden betrifft – höchstens das Niveau bereite Kummer. Befragt nach „Lieblingsberufen“ nennt Karin Christophersen-Becker die Kauffrau für Büromanagement, weil es mit dieser Ausbildung möglich ist, sich später gut zu spezialisieren. Auch Versicherungen und der Einzelhandel sind wie Banken gefragt bei der Suche nach einer Lehrstelle.


Über die IHK ist im Internet eine Lehrstellenbörse zu finden: Dort pflegen Betriebe ihre Angebote selbst ein.

Sie haben offene Türen:

Ausbildungswerkstatt der Luftwaffe (Julius-Leber-Kaserne), C. G. Christiansen GmbH & Co. KG, CJ Schmidt GmbH, Finanzamt Nordfriesland (Außenstelle Husum), FTCAP GmbH, Hagebaumarkt Husum GmbH & Co. KG, Johannes Topf Baubeschlag GmbH, Klinikum Nordfriesland GmbH mit Bildungszentrum für Berufe im Gesundheitswesen gGmbH, Krämer SanitätshäuserGmbH & Co. KG, Mercedes Benz (Nord-Ostsee-Automobile GmbH & Co. KG), Nord-Ostsee-Sparkasse, Stadtschlachter Claußen GmbH & Co. KG, Stadtwerke Husum GmbH sowie thiesen + bremser (Ingenieurbüro für Bauwesen).

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