zur Navigation springen

Husum in der Fotografie zwischen 1920 und 1970 : Blick auf die Stadt – vom Opa zum Enkel

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Foto-Ausstellung „Von der Republik zur Republik“ im Nordsee-Museum ist für jeden Husumer interessant. Wir besuchten sie mit drei Generationen einer Familie.

von
erstellt am 25.Aug.2015 | 14:00 Uhr

Es herrscht Rätselraten vor den großen Schwarzweiß-Fotos, die den Eingang zur Sonderausstellung „Von der Republik zur Republik“ im Nordsee-Museum schmücken. Getreu deren Untertitel „Husum in der Fotografie zwischen 1920 und 1970“ zeigen sie die Storm-Stadt aus der Luft, wie sie vor mehr als einem halben Jahrhundert aussah – aber aus welcher Richtung? „Das ist doch der Marienhofweg“, sagt Peter Rumpf. Der 74-Jährige, der seit 1967 in der Storm-Stadt lebt, ist mit Schwiegertochter Silke Rumpf und den beiden elfjährigen Enkeln Niko und Finja ins Nissenhaus gekommen und hat sich der fachkundigen Führung von Hans-Jörg Hartmann anvertraut – doch der rätselt zunächst mit. Wer hat die abgebildete Dänische Schule aber auch schon aus dieser Perspektive gesehen. Nach ein paar Minuten jedoch ist die Orientierung wiederhergestellt und auch die anderen Bilder sind bewertet: „Die ,neue‘ Gewoba-Siedlung – die ist ja jetzt auch schon größtenteils abgerissen“, sagt Rumpf.

Weiter geht’s, und sobald die Fotos aus gewohntem Blickwinkel aufgenommen sind, fällt der Vergleich auch leichter. „Das Osterende – da fahren wir immer durch zur Stadt“, sagt Silke Rumpf. „Aber mit dem Auto“, ergänzt Niko mit Blick auf den groß abgebildeten Radfahrer. Irgendwie wirke die Straße auf dem Foto aus den 50er Jahren auch anders als heute, und das nicht nur wegen des ausgesprochen geringen Verkehrs, so die 42-Jährige weiter. „Ja, das Osterende ist später verbreitert worden“, bestätigt Hartmann. Und fragt die Zwillinge, während die Familie weiter durch die Ausstellung zieht: „Habt ihr überhaupt schon mal eine Litfaßsäule gesehen?“ Sie haben: „Klar, auf unserem Schulweg gegenüber der alten Post im Marienhofweg steht eine.“

Weiter geht es durch die Sonderschau, in der Schätze aus den Sammlungen des Nordsee-Museums, des Kreisarchivs Nordfriesland sowie aus Privatbesitz gezeigt werden – teilweise auch bislang unveröffentlichte Bilder. Ergänzt wird die fotografische Zeitreise durch kulturgeschichtliche Exponate wie alte Kinoplakate und Plattenspieler, zeittypisches Mobiliar oder auch die Rolleiflex-Kameras des 2002 verstorbenen Husumer Fotografen Hans Hoffmann, mit der nicht wenige der gezeigten Werke aufgenommen wurden. Und zu vielen alten Fotos fällt der Familie etwas ein. Etwa zum Bild der alten Stadtsparkasse, in der Peter Rumpf früher als Angestellter gearbeitet hat: „Da ist jetzt C. J. Schmidt. Ich hatte mein Büro auf der Seite an der Twiete“, erzählt er.

Vor dem wandhohen Bild eines Schulumzugs aus den 60er Jahren bleiben Finja und Niko staunend stehen. „ Solche Umzüge gibt es ja auch heute noch“, sagt Silke Rumpf. Nur eben nicht von allen Schülern der Storm-Stadt gleichzeitig: „Das macht jetzt jede Schule für sich.“ Die Bilder vom Brand des Altdeutschen Hauses in der Großstraße und Hartmanns Erzählungen dazu faszinieren besonders Niko, der seit fast zwei Jahren bei der Jugendfeuerwehr ist. Finja hingegen interessiert sich mehr für Pferde. Auch da ist der ehemalige Lehrer eine gute Quelle: „Früher war das Ringreiten auf der Alten Freiheit“, kommentiert Hartmann entsprechende Fotos, „vor der alten Turnhalle, wo jetzt das Klinikum Nordfriesland steht. Und Ringreiten gibt’s da jetzt auch wieder, nur ist das Gebiet jetzt bewachsen und gehört zum Schlosspark. Damals war die Alte Freiheit aber noch ein Schotterplatz.“ Daran erinnert sich der 68-Jährige noch gut, ebenso an den kalten Winter von 1963. „Da waren minus 25 Grad“, sagt er und blickt auf Bilder, die Husumer im Schnee zeigen. Sogar die Treene sei damals zugefroren gewesen. „Die jungen Leute sind mit ihren Autos auf dem Fluss Rennen gefahren.“ Ja, das wisse er auch noch, pflichtet Peter Rumpf ihm bei. Und wo geht der Nachwuchs jetzt seinem Wintervergnügen nach? „Wir rodeln am Dockkoog oder auf unserem Spielplatz in der Nähe der Ferdinand-Tönnies-Schule“, erzählt Niko.

Was die Technik angeht, hält es der Elfjährige auch eher mit der Gegenwart. Die Fotos von den heute in Sammlerkreisen so beliebten Autos der 50er und 60er Jahre machen auf ihn wenig Eindruck. Ihm gefällt der Ford Galaxy der Familie besser, Oldtimer sind eher nichts für ihn. Die beiden älteren Herren hingegen schwelgen in Erinnerungen – an den Renault, den Peter Rumpf 1964 als erstes eigenes Auto bewegte, oder die BMW Isetta von Hans-Jörg Hartmann aus demselben Jahr. „Nur durfte ich die eigentlich gar nicht fahren, ich hatte noch keinen Führerschein. Das war alles illegal“, gibt er lachend zu. Längst verjährt. Aber die Autozeiten von damals geben beiden heute noch zu denken: „Unvorstellbar, dass die ganze Familie in einem VW Käfer in Urlaub gefahren ist“, sagt Rumpf, und Hartmann ergänzt lachend: „Ja, vier Personen und eine Sportkarre fürs Kind!“

Zum Abschluss hat er noch eine Überraschung für die Rumpfs, nämlich das gleichnamige Büchlein zur Ausstellung, das er ihnen am Ausgang überreicht. Und wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist: Die Sonderschau ist noch bis zum 15. November zu sehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen