Baugrund in Husum : Bleibt die Mauer, geht der Investor

Der Wall (rechts im Bild) ist mittlerweile dicht bewachsen.
Der Wall (rechts im Bild) ist mittlerweile dicht bewachsen.

Eine politische Entscheidung blockiert das geplante Baugebiet an der Ostenfelder Straße. Die Mildstedter profitieren vom ehemaligen Lärmschutzwall, den der Investor unbedingt entfernt haben möchte. Und die angedachte Straßenbreite möchte er auch verringert wissen.

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01. November 2013, 12:00 Uhr

Verhindert ein rund fünf Meter hoher Wall ein neues Wohngebiet in Husum? Nur, wenn die Stadt dem Investor nicht entgegenkommt. Aber dazu später mehr.

Es geht um das Gebiet zwischen Ostenfelder Straße, Mauweg und Mildstedter Landstraße, das städtebaulich neu geordnet werden soll. Auf dem früheren Gelände der Firma Hansen & Detlefsen, das heute dem Unternehmen Lidl gehört, verfolgt die Stadt das Ziel, „Flächen zur gesteuerten Arrondierung des Nahversorgungszentrums und Flächen für den weiteren Bedarf an innerstädtischen Wohnraum bereitzustellen“. So hatte es der Umwelt- und Planungsausschuss am 3. Februar 2010 beschlossen und dafür den Bebauungsplan Nr. 76 aufgestellt.

Mehr als dreieinhalb Jahre später hat die Stadt die Chance, diesem Ziel näherzukommen – könnte diese aber auch wieder verspielen. Stand ist, dass sich mit der im nordrhein-westfälischen Herford sitzenden Werretal Urbanisations GmbH ein Investor gefunden hat, der seit mehr als acht Monaten zwischen sieben und neun Millionen Euro in die Hand nehmen möchte, um rund 60 Wohneinheiten zu schaffen – Wohnraum, den die Stadt erklärtermaßen dringend benötigt. In dem etwa drei Hektar großen Gebiet, das verkehrstechnisch von Norden über die Ostenfelder Straße erschlossen wird, ist eine Bebauung mit Einfamilien-, Doppel- oder auch kleinen Mehrfamilienhäusern mit bis zu zwei Vollgeschossen vorgesehen. Die Grundstücksgrößen sind variabel und richten sich nach den Wünschen der künftigen Eigentümer. Im Zentrum hält der Investor als Option seniorengerechte Mietwohnungen für denkbar.

An einem anderen Bestandteil der Planung scheiden sich allerdings die Geister, könnte das Projekt am Ende sogar scheitern: einen Rückbau des ehemaligen Sicht- und Lärmschutzwalls an der östlichen Grenze. Den möchte die überwiegende Mehrheit der Anlieger des Mauwegs, der sich auf dem Grund der Nachbargemeinde Mildstedt befindet, nicht missen. Dabei ist die Rede von einem Biotop und prägenden Landschaftsteil, der von einer Vielzahl von Tieren genutzt werde. Eine Argumentation, die sich zum Beispiel auch Umwelt- und Planungsausschuss-Mitglied Frank Hofeditz (Bündnis 90/Grüne) in seinem Plädoyer für den Erhalt des Walls zu eigen macht.

Bliebe das Bauwerk bestehen, gingen dem Investor etwa 7000 Quadratmeter verloren – rund ein Drittel der gesamten Wohnbaufläche. „Wir plädieren dafür, die Rechte des Grundstückseigentümers nicht dem Wunsch der Nachbarn unterzuordnen, die sich an den Wall, der zudem das eigene Grundstück vergrößert, gewöhnt haben“, sagt Udo R. Helling. Der Geschäftsführer der Werretal Urbanisations GmbH hat dies auch gegenüber Bürgermeister Uwe Schmitz und den Husumer Fraktionen so formuliert – in einem Brief, der am Ende für den Fall, dass der Wall bliebe, einen Rückzug aus dem Objekt ankündigt.

Der Investor hat dem Bauamt einen Abrissantrag vorgelegt und entsprechende Expertisen beigefügt. So kommt der „Artenschutzliche Fachbeitrag“ des Büros OLAF aus Wester-Ohrstedt vom 5. April diesen Jahres zu dem Schluss, dass die überwiegend mit Brombeeren, Weiden und Holunder bewachsene Mauer, an deren Ostseite einige Birken mit einem Stammdurchmesser von circa 30 Zentimetern stehen, nichts Schützenswertes darstellt. Zu der gleichen Ansicht kommt auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises, die für die mit einem Rückbau verbundene „Beseitigung eines nicht unerheblichen Grünbestands“ lediglich eine Kompensation im Verhältnis von mindestens 1 : 1 verlangt. „Wenn es keine Naturschutzgründe gibt, bleibt nur die Landesbauordnung, um Rechtssicherheit zu schaffen – etwa durch das Instrument der Veränderungssperre“, erklärte Bauamtsleiter Rudolf Hölscher in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses. Angesichts des vorliegenden Abrissantrags war das Gremium, das sich bereits am 28. August für den Erhalt des Bauwerks ausgesprochen hatte, gefordert (Hölscher: „Damit der Wall nicht über Nacht verschwindet!“). Am Ende wurde diese Entscheidung bestätigt – mit dem Protokoll-Zusatz, man sei einvernehmlich der Auffassung, „dass die genaue Begrenzung des Walls im Bebauungsplan-Verfahren festzulegen ist“.

Im Übrigen ist die begrünte Steinwand nicht der einzige Dorn im Auge des Investors. Der hält die geforderte Breite von achteinhalb Metern für die Erschließungsstraße – bei üblicher Kreisstraßen-Breite von sechs Metern – für überdimensioniert. Das treibe die Kosten für die Entwässerung in die Höhe. „Da stoßen wir an finanzielle Grenzen“, so Helling. „Das und die Nähe zum Gewerbegebiet, die erhebliche Kosten für Schallschutz-Maßnahmen nach sich zieht, machen dann eine wirtschaftliche Umsetzung des Plangebiets unmöglich.“

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