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Kontrollen angekündigt : Biotonne oder Kompost sind Pflicht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von Mai an werden die schwarzen Restmüllbehälter in Nordfriesland auf Gartenabfälle kontrolliert. In zu vielen Haushalten ist die Trennung organischen Abfalls noch nicht umgesetzt, obwohl der Gesetzgeber dies verlangt.

Die meisten Anrufer sind freundlich und haben nur Fragen – aber es melden sich auch einige, die nicht einsehen, dass sie sich eine Biotonne anschaffen oder kompostieren müssen. Zurzeit laufen bei der kreiseigenen Abfallwirtschaftsgesellschaft Nordfriesland mbH (AWNF) die Telefone heiß – als Reaktion auf eine Aufklärungskampagne: An ihren schwarzen Restmülltonnen finden Nordfriesen zurzeit Anhänger mit Informationen zum Müll für die braune Tonne vor („Achtung – wo lassen Sie Ihre Bioabfälle?“), der jedem vor Augen führt, dass er, falls noch nicht geschehen, tätig werden sollte.

In Nordfriesland ist die braune Biotonne 1997 eingeführt worden – „sehr früh und freiwillig“, wie AWNF-Geschäftsführer Hans-Joachim Alfeld in einem Pressegespräch betont. Nun ist die getrennte Sammlung von Bioabfällen seit dem 1. Januar jedoch Pflicht in Deutschland. Die Bundesbürger hatten allerdings fast drei Jahre Zeit, sich mit diesem Thema zu befassen. Denn bereits am 1. Juni 2012 war das Kreislaufwirtschaftsgesetz in Kraft getreten, mit dem die flächendeckende Erfassung des organischen Abfalls dann bis spätestens 1. Januar 2015 Pflicht geworden ist. Damit hat Deutschland die bereits 2008 verabschiedete EU-Abfallrahmenrichtlinie umgesetzt. „Wir haben uns für ein bürgerfreundliches System entschieden“, erklärt Alfeld. „Wer selbst kompostiert, braucht sich keine Biotonne anzuschaffen und darf Essensreste mit im Restmüll entsorgen.“

Und bei diesem Modell soll es bleiben. Denn die bundesweit vorgeschriebene flächendeckende Erfassung bedeutet nicht, dass alle eine Biotonne haben müssen. In diesem Fall geht für das Team der AWNF und seinen Chef Bürgerfreundlichkeit sogar vor Effektivität. „Wir wissen, dass es durch die Erlaubnis für Kompostierer, Nahrungsabfall in die schwarze Tonne zu werfen, keine 100-prozentige Lösung geben kann. Aber wir wollen jemanden, der kompostiert, nicht nur deswegen zwingen, sich eine Biotonne anzuschaffen.“

In Nordfriesland haben 30 Prozent der rund 60.000 Haushalte eine braune Tonne. Im nördlichsten Kreis werden pro Einwohner im Jahr nur 25 Kilogramm organische Abfälle über die Biotonne erfasst. In den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Dithmarschen sind es 100 bis zu 140 Kilogramm.

Eine Analyse des Restmülls hat nun deutlich gemacht, dass eine korrekte Mülltrennung schwierig zu sein scheint – oder vielleicht zu leicht genommen wird. Sowohl bei Nutzern einer Biotonne – „das hat uns überrascht“– als auch bei Eigenkompostierern enthielt ein Drittel des Abfalls organische Bestandteile. Hans-Joachim Alfeld: „Bundesweit gibt es viele Kreise mit ähnlichen Ergebnissen.“ In Nordfriesland fallen nach seinen Angaben jährlich 6000 bis 7000 Tonnen Bioabfall und 35.000 Tonnen Restmüll an – „das ist ein Missverhältnis“. So dürfe es nicht weitergehen. „Im Mai fangen wir an zu kontrollieren“, kündigte Alfeld an.

Müllfahrer haben Order, im nächsten Monat in die schwarzen Tonnen zu schauen, ob darin verbotenerweise Gartenabfälle entsorgt worden sind. „Dann wird nicht geleert. Wir verfolgen nicht jede Kartoffelschale – im Zweifelsfall wird natürlich gekippt.“ Essensreste interessieren ohnehin nicht, da es ja einen Kompost geben kann.

Den Einwand von Vermietern von Feriendomizilen, dass Gäste nicht bereit seien, Müll zu trennen, lässt der AWNF-Chef nicht gelten. „Es muss nur ein entsprechendes System vorgehalten und informiert werden. Aufkleber für Mülleimer und Sortierungsanweisungen sind bei uns erhältlich.“

Sonderregelungen gibt es für Pellworm und Föhr. Auf beiden Inseln wird der Bioabfall in sogenannten Mieten (aufgeschichtete Haufen) selbst kompostiert. „Essensreste dürfen grundsätzlich in die schwarze Tonne, damit kein Rattenproblem entsteht.“ Da auf Amrum nicht im großen Stil kompostiert wird, landet dort alles im Restmüll.

Nordfrieslands Restabfall wird in Neumünster verbrannt – der Biomüll seit Januar 2014 in Ahrenshöft verwertet. Dort steht eine Trockenvergärungsanlage der Firma NordIng. Kompost GmbH. Zunächst wird Biogas gewonnen, dass in einem Blockheizkraftwerk zur Erzeugung von Strom und Wärme eingesetzt wird. Ist der vergorene Bioabfall kompostiert, steht er Landwirten und Gärtnern zur Verfügung.

 

 

Zweiwöchige Leerung

 

Die kleinste Biotonne hat die Größe 40 Liter – die größte umfasst 660 Liter. Die Behälter gibt es im Handel oder bei Entsorgern zu kaufen. Die Anmeldung erfolgt wie bei den Restmülltonnen über die Ämter. Biotonnen werden alle 14 Tage geleert, können aber auch als Saisongefäß behandelt werden. Eine zweiwöchige Leerung der 40-Liter-Biotonne kostet im Jahr 36 Euro.

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erstellt am 14.Apr.2015 | 11:00 Uhr

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