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Husumer Nachrichten

17. Dezember 2017 | 09:46 Uhr

Nordfriesland : Bio-Abfall: Keine Zwangs-Tonne

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Es bleibt bei der freien Wahl: Wer seine Abfälle selbst kompostiert, muss in Nordfriesland auch in Zukunft keine Biotonne nutzen. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft kündigt aber Kontrollen der grauen Restmüll-Behälter an.

von
erstellt am 16.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Eine Pflichttonne für Bio-Abfall wird es nicht geben. Im Gegensatz zu anderen Regionen sollen die Nordfriesen auch in Zukunft die freie Wahl haben: Wer selbst kompostiert, und das machen mehr als zwei Drittel aller rund 66.000 Haushalte im Kreisgebiet, darf weiterhin auf die braune Kompost-Tonne verzichten. Alle anderen müssen sich wie bisher eine Bio-Tonne anschaffen. Allerdings soll von 2015 an deutlich mehr Bio-Abfall verwertet werden. Derzeit landet noch viel zu viel in den grauen Restmüll-Tonnen. Deshalb wird es künftig Kontrollen geben.

Dass es allerorten Unruhe um das Für und Wider einer Bio-Pflichttonne gibt, hängt mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes zusammen. Dieses schreibt vom nächsten Jahr an verbindlich vor, dass Biomüll getrennt erfasst und verwertet werden muss. Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 bundesweit eine Verwertungsquote von mindestens 65 Prozent zu erreichen. Während es angesichts dieser Vorgabe andernorts vielfach Probleme gibt, sieht die Situation im nördlichsten Kreis der Republik völlig anders aus: Die kreiseigene Abfallwirtschaftsgesellschaft Nordfriesland (AWNF) hatte das braune Gefäß schließlich schon vor 17 Jahren in ihr Tonnen-Sortiment aufgenommen und seitdem Bio-Abfälle verwerten lassen. „Nordfriesland ist 1997 weit voraus gewesen“, sagt AWNF-Geschäftsführer Hans-Joachim Alfeld rückblickend.

Dabei wurden laut Alfeld zwei Aspekte klar vorgegeben: Wer selbst kompostiert, braucht in Nordfriesland keine Biotonne und soll dafür auch nicht indirekt bestraft werden durch Mehrkosten für die graue Restmülltonne. Dieses Modell hatte jüngst in Rendsburg-Eckernförde zu Protesten vieler Bürger geführt, weil für Eigenkompostierer die Gebühren der Reststofftonne erhöht worden waren (wir berichteten).

In Nordfriesland läuft es anders: Hier muss sich das Bioabfall-System selbst tragen. Und wer kompostiert, darf kleinere Mengen an Essensresten, Schalen von gespritzten Orangen oder auch giftige Pflanzenreste weiterhin in die grauen Restmüll-Behälter werfen. „An diesen Prinzipien wird sich in Zukunft auch nichts ändern“, kündigte Alfeld im Gespräch mit unserer Zeitung an. Statt Zwangsmaßnahmen gibt es eine Lösung mit Augenmaß: „Das System ist ziemlich bürgerfreundlich“, sagt der AWNF-Chef.

Allerdings muss auch in Nordfriesland nachjustiert werden. Denn Kontrollen der Restmüll-Behälter haben in den vergangenen Jahren ergeben, dass nach wie vor noch zu viele Bioabfälle in den grauen Tonnen landen, und zwar unabhängig davon ob in einem Haushalt die Bio-Tonne genutzt oder dort selbst kompostiert wird. Im Durchschnitt der Haushalte, so wird geschätzt, könnte durchaus rund ein Drittel der Stoffe aus der Festmülltonne via Kompostierung, Biogasanlagen, Strom- und Wärmenutzung als Bioabfall verwertet werden. Denn darunter befinden sich vor allem während der Gartensaison viel Rasen- und Strauchschnitt, aber auch nennenswerte Mengen an Küchenabfällen.

Für 2015 kündigt die Abfallwirtschaftsgesellschaft deshalb eine Informationskampagne, aber auch Kontrollen im Zuge der Müllabfuhr an. Gibt es wiederholt Beanstandungen, werden graue Tonnen – nach entsprechenden Hinweisen – dann sogar stehen gelassen und nicht mehr geleert. „Das System muss effektiver werden im nächsten Jahr“, bekräftigt Alfeld mit Blick auf die Anforderungen des Gesetzgebers. 7000 Tonnen Bioabfälle werden pro Jahr eingesammelt – „10.000 bis 12.000 Tonnen mehr könnten es sein“, glaubt er. Dass die Nordfriesen ihre Abfälle künftig sauberer trennen, wird allerdings wahrscheinlich wohl wirklich nur mit sanftem Druck zu erreichen sein.

Deutlich größere Mengen an Bioabfällen könnten problemlos direkt in Nordfriesland verwertet werden. Das jedenfalls signalisiert Broder Schütt, Geschäftsführer der „NordIng. Kompost GmbH“. Diese betreibt an mehreren Orten im Kreisgebiet Kompostplätze und -Anlagen sowie das Biomassekontor Nordfriesland in Ahrenshöft. Allerdings klagt er bereits über die mangelnde Qualität der mittels Biotonne eingesammelten Abfälle: „Die Leute schmeißen da einfach alles rein“, schimpft der Diplom-Ingenieur für Umwelttechnik. Dabei bilden Kartoffelschäler oder gar Heckenscheren noch die Ausnahme. Große Probleme bereitet vielmehr der relativ hohe Anteil an Glas und Kunststoffen in Nordfrieslands Biotonnen, der die Qualität des Komposts mindert. Aber, so Schütt: „Auch das ist eine Frage der Erziehung.“

Nordfrieslands Müllberge

Neben rund 4000 Tonnen Sperrmüll und 10.000 Tonnen Gewerbeabfällen fallen im Kreis Nordfriesland jährlich rund 36.000 Tonnen Restmüll aus den grauen Behältern der Haushalte an. Über die Biotonnen werden zurzeit pro Jahr rund 7000 Tonnen Abfälle abgefahren und verwertet. Die sogenannte Anschlussquote liegt hier nicht einmal bei 30 Prozent, weil  die meisten Nordfriesen nach wie vor einen Komposthaufen im eigenen Garten bevorzugen.

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