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Nutzbare Hallen vor dem Abriss : Binnendüne sorgt für Unmut

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ehemalige Bundeswehr-Gebäude in Enge-Sande sollen aus Naturschutzgründen verschwinden. Doch es gibt Firmen, die sich für eine Weiternutzung interessieren.

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erstellt am 06.Aug.2014 | 07:30 Uhr

15 mal 23 Meter groß und 5,50 Meter tief ist das maritime Trainingsbecken der OffTEC-Base GmbH & Co. KG: Bis zu zwei Meter hohe Wellen können darin simuliert werden. Dies sei europaweit einmalig, versichert das Unternehmen. In diesem Monat soll das Millionenprojekt auf dem ehemaligen Marinemunitionsdepot als letztes Element für ein Trainingszentrum, vor allem für Windkraft-Servicetechniker in Betrieb genommen werden.

„Wir wollen sichere Energie, da muss auch die Sicherheit bei der Herstellung garantiert sein“, hob der geschäftsführende Gesellschafter Marten Jensen die Bedeutung des Offshore-Trainings- und Entwicklungs-Clusters für die Windkraft-Branche hervor. Dafür sollen für Sicherheitsschulungen von Technikern, die auf Anlagen im Meer oder an Land arbeiten, in Enge-Sande optimale Voraussetzungen geboten werden. Es gibt Schulungsräume, einen Trainingsturm, ein Flugkörper-Test-Gebäude sowie einen acht Hektar großen Trainings-Windpark für die Rettung per Helikopter von den hohen Anlagen.

Geübt wird einerseits, sich aus einem unter Wasser geratenen Helikopter zu befreien, andererseits das Retten von Verunglückten aus den Wellen durch eine Helikopter-Simulation an der Decke der Halle. Besucher bekommen am 20. September bei einem Tag der Offenen Tür einen Eindruck von den Herausforderungen für die Mannschaften.

Das zweite Standbein auf der 127 Hektar großen Liegenschaft ist der branchenspezifische Gewerbepark, der von der hundertprozentigen OffTEC-Tocher GreenTEC-Campus GmbH betrieben wird. Einige Firmen haben sich schon angesiedelt. „35 Arbeitsplätze sind entstanden“, sagt Geschäftsführer Matthias Volmari. „Wir sind mittendrin in der Vermarktung. Es gibt weitere Nachfragen und Angebote.“ Ziel sei es, unterschiedliche Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien auf das Gelände zu holen, die auch das OffTEC-Angebot nutzen.

26 ehemalige Bundeswehr-Gebäude gehören zu GreenTEC und dürfen gewerblich vermietet werden. Für zehn von ihnen ist die Nutzung allerdings zeitlich beschränkt. Das Landesnaturschutzgesetz gibt vor, dass diese Objekte spätestens zehn Jahre nach Inkrafttreten des Bebauungsplanes abgerissen werden müssen – dies ist Ende 2023 so weit. „In diesem Bereich gibt es sensible Biotope, darunter auch Binnendünen“, erklärt Lars Erik Bethge, Pressesprecher der Landesplanung in Kiel. Zudem lägen die Gebäude im Außenbereich, der laut Baugesetz vor einer Zersiedelung geschützt werden müsse. Da es sich um ein Bundeswehrgelände handelte, war damals für den Bau der Hallen keine Genehmigung erforderlich gewesen.

„Für uns ist das ein dickes Brett“, ärgert sich Volmari. „Die Hallen sind gut nutzbar, es gibt Interessenten. Aber wir zögern natürlich, die Versorgung mit Breitband, Strom, Wasser et cetera herzustellen.“ Die potenziellen Mieter seien an einer langfristigen Nutzung interessiert. „Statt viel Geld für den Rückbau zu zahlen, möchten wir lieber in die Sanierung der Gebäude investieren.“

Rund sechs Millionen Euro haben die Eigentümer bisher in das Großprojekt gesteckt – vor allem für den Erwerb der Liegenschaft, Ausgleichsmaßnahmen – etwa für Baumfällungen – und die Erschließung. „Aufgrund zum Teil maroder Strom-, Wasser- und Abwasserversorgung sind auch unvorhersehbare Kosten entstanden“, erklärt Marten Jensen. Die wirtschaftliche Nachnutzung des ehemaligen Depotgeländes solle dabei keineswegs zu Lasten der Natur gehen. Der Großteil bleibt Naturschutz- und Ausgleichsfläche. „Durch die jahrzehntelange Umzäunung hat sich eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt“, weiß auch Jensen. Er denkt sogar über eine touristische Nutzung des Geländes nach.

Auf Nachfrage gibt Pressesprecher Lars Erik Bethge an, dass einer erneuten Prüfung der Sachlage grundsätzlich nichts im Weg steht. „Voraussetzung hierfür ist ein aktualisiertes, konkretes Nutzungskonzept für den betroffenen Planbereich“, stellt der Pressesprecher klar.

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