zur Navigation springen

Unterricht im Kino-Center : Bilder sagen mehr als abstrakte Zahlen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Rahmen der ersten „Green Screen“-Schulkinowoche sahen Husumer Gymnasiasten und Gemeinschaftsschüler den Film „Plastik – Fluch der Meere“. Das Thema hatte sie bereits im ersten Schulhalbjahr beschäftigt.

von
erstellt am 11.Apr.2014 | 07:00 Uhr

Malerisch umspielen zarte Wolken die untergehende Sonne. Ein Paar läuft über den in rotes Licht getauchten hawaiianischen Sandstrand. Doch der Schein trügt, denn was der Betrachter nicht sieht, offenbart sich wenige Kilometer weiter – am Kamilo-Beach, den die Einheimischen nur Müll-Strand nennen, weil dort täglich große Mengen Treibgut angeschwemmt werden. Meeresströmungen tragen sie her und spucken vor der Trauminsel aus, was ihnen andernorts – als Abfallprodukt menschlicher Zivilisation – aufgebürdet wurde.

Es ist still im Kino-Center, obgleich das „Hollywood“ voller Schüler ist. Und die haben doch eigentlich immer etwas zu schnötern. Aber nicht an diesem Morgen, der ganz im Zeichen der ersten Schulkino-Woche des Internationalen Naturfilm-Festivals „Green Screen“ steht. Nur ab und an ist ein Knacken zu hören. Ursache sind mexikanische Tacos, die sich die Schüler noch schnell geholt haben, bevor es losgeht. Gegessen werden die – na, klar – aus Plastikschalen.

Warum es an diesem Morgen ruhiger ist als sonst, weiß Michael Mölck, der an der Gemeinschaftsschule Mildstedt Geographie, Mathematik und Sport unterrichtet: „Im ersten Halbjahr haben wir über den blauen Planeten und unsere Lebensgrundlagen gesprochen“, sagt er. Da ging es um die Gefährdungen der Meere. „Aber selbst so ein Erweiterungskurs für die neunten Klassen ist am Ende sehr abstrakt: Es fehlt an Veranschaulichungen.“ Die Schüler wissen, dass jährlich rund sechs Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane gelangen, aber es betrifft sie nicht. „Da kam das Angebot der Schulkinowoche gerade recht, auch wenn der Kurs schon abgeschlossen war.“

Die Reaktionen der Schüler scheinen Mölck Recht zu geben. Gebannt schauen auch sie auf die Leinwand. Dort schwenken Filmemacher Max Mönch und Friedemann Hottenbacher gerade von Hawaii auf den Pazifischen Ozean hinaus, zeigen, wie Wissenschaftler aus aller Welt die fortschreitende „Plastifizierung“ des Planeten und ihre Folgen zu ergründen versuchen. „Hier gibt es nicht nur Zahlen, hier sehen die Schüler, was da alles treibt“, sagt Mölck. Und so erhält das Eingangsmotiv nach und nach eine zweite Dimension. Ein Foto zeigt sie: Plastikmüll vor Sonnenuntergang am Meer.

Plastik bleibt immerzu da und zersetzt sich nur langsam. Lebewesen nutzen es als Transportmittel und damit zur globalen Verbreitung ihrer Art – mit teilweise verheerenden Folgen. Plastik reichert sich in der Nahrungskette an und wirkt wie ein Magnet auf Giftstoffe. Eigentlich – und wie der Titel schon sagt – ein „Fluch“. Dass am Ende der Doku dennoch gejubelt wird, zeigt aber auch, dass die Botschaft verstanden wurde. Nachfragen bestätigen das: „Wir haben ja schon im Unterricht gelernt, dass die Welt voller Plastik ist. Aber der Film macht deutlich, dass wir daran etwas ändern müssen“, sagt die 16-jährige Joline Heintz. Wie Melf Rönn (15) will sie künftig auf Plastiktüten verzichten und „stärker darauf achten, was ich kaufe“.

Gefallen hat den Schülern auch eine Bemerkung von Dr. Karen von Juterzenko. Die Meereskundlerin vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (Geomar) hatte erklärt, dass dem Problem dauerhaft wohl nur beizukommen sei, wenn wir uns bemühen, Plastikmüll zu vermeiden. Von Juterzenko war eigens aus Kiel angereist, um den Schülern Rede und Antwort zu stehen. „Das mache ich gern“, sagt sie, „weil solche Veranstaltungen extrem wichtig sind.“ Auch Michael van Bürk, Pressereferent von „Green Screen“, freut sich über den Erfolg. In fünf Städten hätten rund 2500 Schüler acht Natur-Filme gesehen. „Und in Husum war das Interesse besonders groß“, sagt er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen