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Rückkehrer Momme Boe : Bigband-Leiter durch Zufall

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der studierte Schlagzeuger Momme Boe wollte eigentlich nur nach Husum zurück. Jetzt leitet er die Nordic Bigband und hat auch sonst noch einiges vor. Unter anderem will er in seiner Music Academy Konzerte veranstalten.

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erstellt am 17.Sep.2017 | 16:00 Uhr

„Das war reiner Zufall“, sagt Momme Boe und lacht. 15 Jahre lang hat der gebürtige Husumer in Hannover gearbeitet. Jetzt wollte er in seine Geburtsstadt zurückkehren. „Meine Freundin und ich wünschen uns Kinder, und die sollen nicht in der Großstadt, sondern an der Nordsee aufwachsen“, berichtet der studierte Schlagzeuger und legt – wie zur Bekräftigung – ein Handtuch über einen Stuhl der Music Academy. „Ich war grad’ noch mal baden“, sagt er und hat wieder dieses Lächeln im Gesicht.

Aber was tun – noch dazu in Husum? Diese Frage beschäftigte das Paar einige Monate lang. Momme arbeitete als Dozent an der Musikhochschule und am Music-College in Hannover, seine Freundin ist Verwaltungsfachangestellte. Und dass beide – mir nichts, dir nichts – ihre Jobs hinschmeißen, um den Traum vom Leben am Meer zu verwirklichen, war nicht drin. Am Ende kam ein Kompromiss heraus: Momme geht schon mal vor, die Freundin kommt nach.

Aber Vorgehen allein bringt noch kein Geld in die Kasse, und so entschloss sich der Rückkehrer, seine Erfahrungen aus mehr als 1000 Konzerten rund um den Globus und 15.000 Unterrichtsstunden für diverse Hochschulen an Dritte weiterzugeben. Von dort bis zur Idee, die Music Academy zu gründen, war es dann nur noch ein kurzer Schritt. Aber wo? Bei dieser Frage konnte Onkel Dieter helfen. Der leitet die Gemeinschaftsschule Nord und wusste, dass nebenan – im Heckenweg – womöglich ein geeigneter Raum zu finden ist. Der gehört der Husumer Schützengilde von 1586 und wird eigentlich nur einmal im Jahr zu deren Schützenfest genutzt. Momme Boe nahm Kontakt auf und am Ende stand, was man Neudeutsch eine „Win-Win-Situation“ nennt.

Und wie der Zufall es wollte, traf Boe, nachdem er sich mit der Schützengilde einig geworden war, beim Verteilen seiner Academy-Flyer auf ein Mitglied der Nordic Bigband, die zuletzt von Josef Antoš, einem alten Bekannten des Spielmannszuges Rödemis, Mommes musikalischer Wiege, geleitet wurde. Inzwischen ist Antoš Musiklehrer auf Föhr, und das erschwert die Teilnahme an den wöchentlichen Probenarbeiten in Husum natürlich ungemein. Ob er sich vorstellen könne, diesen Job zu übernehmen, fragte die Bekannte. Ein Angebot, „über das ich nicht lange nachdenken musste“, erinnert sich der Alt-Neu-Husumer. Denn erstens ist er Vollblutmusiker und zweitens „einschlägig vorbelastet“. Als sein damaliger Musiklehrer an der Theodor-Storm-Schule ein Sabbatjahr einlegte, übernahm Boe die Leitung der schuleigenen Bigband. Jetzt geht es also mit der Nordic Bigband in die nächste Runde.

Die Rahmenbedingungen sind ideal. Gemeinsam mit seinem Bruder, der Veranstaltungstechniker ist, hat Boe im sogenannten Hanseatensaal eine professionelle Bühne eingerichtet – mit allem, was dazugehört. Hier will er neben seinen Unterrichtsstunden und den Probenarbeiten mit der Bigband in kleinem Rahmen auch Konzerte veranstalten – nicht zuletzt mit seinen eigenen Formationen „Soul Control“ und „Ignore the Sign“. Mit letzterer arbeitet er gerade an der dritten CD – übrigens der ersten mit Plattenvertrag.

Doch im Mittelpunkt steht natürlich die Academy-Arbeit. Wer die näher kennenlernen möchte, sollte sich am heutigen Sonnabend im Heckenweg einfinden. Von 11 bis 16 Uhr veranstaltet Momme Boe dort einen Tag der offenen Tür. Und ab 20 Uhr erwartet die Besucher Live-Musik mit der Gruppe „Augenblick“. Die spielt moderne Schlager – „und ich spiel’ mit, zumindest beim ersten Stück“, sagt Boe. Er ist halt vielseitig – so wie man das als Musiker heute sein muss. Karrieren wie vor 30, 40 Jahren gebe es nur noch selten, sagt er. Aber Qualität setzt sich noch immer durch. Das beweist nicht zuletzt sein eigenes Vorbild als Schlagzeuger: Phil Collins.

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