Honigsammler in der Stadt : Bienen reisen zur Lindenblüte an

Die gestutzten Linden am Mittelburggraben. Dort finden die Bienen nicht mehr genügend Nektar für den Honig.
Die gestutzten Linden am Mittelburggraben. Dort finden die Bienen nicht mehr genügend Nektar für den Honig.

Ein Imker stellt Körbe mit Bienenvölkern in Friedrichstadt auf, um Lindenblütenhonig zu ernten. Die vielen gekappten und gefällten Bäume bereiten ihm Sorgen, denn es könnte zu wenig mit Nektar gefüllte Blüten geben.

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25. Mai 2015, 14:00 Uhr

„Das war bislang ein ganz schrecklicher Mai, viel zu kalt und vor allem zu windig“, klagt Jan Uwe Kraft aus Galmsbüll. Damit ist er sicherlich nicht allein, aber er hat einen gewichtigen Grund zu schimpfen, denn schließlich trägt er Verantwortung für 30 Völker – Bienenvölker. Bei der Kälte und dem starken Wind habe es zwar viele Blüten, beispielsweise an den Obstbäumen gegeben, doch die kleinen Brummer fühlen sich erst ab etwa 20 Grad richtig wohl. Zudem mögen sie den starken Wind nicht. Kraft rechnet daher mit einer eher geringeren Obsternte 2015. Und Kraft weiß, wovon er spricht, schließlich hat der 50-Jährige schon als kleiner Junge von seinem Vater, der ebenfalls Imker war, sein erstes Volk anvertraut bekommen.

Jetzt ist er aus Afrika zurück, wo er als Entwicklungshelfer tätig war. Seit zwei Jahren frönt er wieder seinem Hobby, der Imkerei. In dieser kurzen Zeit hat er bereits festgestellt, dass sich die Honigproduktion seit seinem Weggang aus Deutschland erheblich verändert hat. Früher, so sagt er, sei sein Vater mit den Völkern herumgezogen und habe eigentlich überall gute Honigernten erzielt. Das hat sich geändert, die Landwirtschaft hat für die Bienen kein Herz, mittlerweile sei es in den Städten besser für die Tiere, als auf dem Land, weil dort eine größere Vielfalt herrsche.

Im vergangenen Jahr war Jan Uwe Kraft erstmals mit zehn Völkern nach Friedrichstadt gekommen, um eine Spezialität zu ernten, den Lindenblütenhonig. Noch weiß er aber nicht, wie es in diesem Jahr aussehen wird, denn erst im Juni beginnen die Bäume zu blühen. Diesmal bringt er aber nur fünf Völker in das Holländerstädtchen. „Dort wurden ja fast 120 Bäume, darunter auch ganz viele alte Linden gefällt, beziehungsweise wurden ihre Kronen radikal zurückgeschnitten. Daher weiß ich nicht, wie viel Honig meine Tiere produzieren können.“ Alte Linden, wie sie auf dem Marktplatz von Friedrichstadt gestanden haben, können im Regelfall mit einer gesunden Krone und den vielen Blüten bis zu 30 Kilogramm Nektar erzeugen. Das Ergebnis im Vorjahr: Jedes der zehn Völker hat rund 30 Pfund Lindenblütenhonig gebracht. Das entspricht 30 Gläsern Honig. Der wird dann von Kraft in Gläsern des Deutschen Imkerbundes gefüllt und an Liebhaber abgegeben. Die Vereinigung der Imker habe dabei wesentliche strengere Qualitätskontrollen und -kriterien als die Deutsche Honigverordnung vorschreibe. Nach der könne nämlich Honig aus ganz Europa gemischt werden. Die Imker legen hingegen Wert darauf, dass ihr Honig ausschließlich in der Bundesrepublik Deutschland erzeugt worden sein muss. Dies ist auch durch eine Pollenanalyse nachweisbar.

Und noch eine weitere Spezialität lässt der Galmsbüller Imker von seinen Völkern in der unmittelbaren Nachbarschaft von Friedrichstadt erzeugen: Weißkleehonig. Heute eine ganz seltene Spezialität, denn die wenigsten Landwirte betreiben noch die klassische Grünlandwirtschaft, Kraft selbst ist nur der alte Staatshof in Koldenbüttel bekannt, auf dem es noch ganze Felder mit dieser Futterpflanze gebe. Und darum bringt er Anfang Juni auch 15 Körbe mit jeweils einem Volk dorthin, um sie ausfliegen zu lassen. Im vergangen Jahr allerdings brachte der Weißklee keinen Erfolg. „Meine Bienen sind fast verhungert, es war einfach zu trocken. Doch wenn die Witterung für die Pflanzen und Bienen optimal verläuft“, dann, so sagt Kraft, „könnten es durchaus auch schon mal 80 Pfund je Volk werden.“ Diese Menge habe zumindest sein Vater in Spitzenjahren durchaus erzielen können.

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