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Invasion der Insekten : Bienen in 30 Metern Höhe gerettet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Riesiger Schwarm am Wohnheim des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerks in Husum: Imker Fritz Raabe fing das Insektenvolk mit Hilfe eines Freundes ein und siedelte die verirrten Tiere auf ein Rapsfeld um.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2014 | 13:00 Uhr

Mehr als 20.000 Bienen auf einen Streich, das hatte Fritz Raabe in seiner 60-jährigen Erfahrung als Imker noch nicht erlebt. Der 75-Jährige war zu einem ausgeflogenen Bienenschwarm gerufen worden, der sich an einer äußerst schwierig zu erreichenden Stelle niedergelassen hatte: An der Außenwand des Wohnheims am Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk hingen die Honig produzierenden Tierchen in mehr als 30 Metern Höhe. „Eine derart große Bienentraube habe ich noch nie gesehen“, musste er zu seiner Verblüffung feststellen.

Das beeindruckende Gebilde war für die Bewohner des obersten Stockwerks allerdings ein handfestes Problem. An den warmen Tagen ließen sie die Fenster zu ihren Schlafzimmern offen stehen, was zu Hausbesuchen der Insekten führte – doch ein Jugendlicher hatte eine Bienenallergie, und das erforderte sofortiges Handeln. „Als Allererstes mussten die Zimmer von den Bienen gesäubert werden“, erzählt Fritz Raabe. Das habe er auch sofort gemacht. Doch das war der einfachere Teil, der schwierigere Part sollte noch folgen: das Einholen des Bienenschwarms. Bei dieser Höhe konnte nur noch die Feuerwehr mit ihrer Drehleiter helfen.

„Ich wollte noch einen weiteren Imker dabei haben, doch ich bekam nur Absagen“, so Raabe enttäuscht. Also holte er sich seinen Freund Walter Franzen zu Hilfe, der prompt zusagte. Und das, obwohl er noch nie etwas mit Bienen zu tun gehabt hatte: „Das war für mich absolutes Neuland.“ Zunächst legten die beiden dichte Schutzanzüge an. „Ohne die ist eine derartige Aktion unmöglich“, sagt Raabe. Man würde von oben bis unten gestochen. Mit einem etwas flauen Gefühl in der Magengegend ließ sich Franzen dann zusammen mit dem Bienenfachmann in luftiger Höhe zum Schwarm bugsieren. „Die Nähe zu den Tausenden Bienen war für mich im ersten Moment erschreckend und überwältigend zugleich.“

Beim Einholen von Bienen werde nur mit natürlichen Mitteln gearbeitet, erläutert der erfahrene Imker Raabe. So wurden die Bienen zuerst mit Wasser besprüht, um ihre Flugfähigkeit zu beeinträchtigen. Ziel war es, an die Bienenkönigin heranzukommen und den Schwarm mit deren Hilfe in einen speziellen Bienenkasten zu bringen. Keine leichte Aufgabe, wie beide trotz Schutzanzugs schmerzhaft erfahren mussten. Aber Raabe nahm die Stiche gelassen: „Das gehört zum Geschäft, jeder einzelne Stich ist ein Gruß.“ Beim Einholen des Schwarms stellte er jedoch fest, dass die kleinen Tiere bereits damit begonnen hatten, ihr neues Zuause aufzubauen: „Man konnte deutlich die ersten Wachsstellen erkennen.“ Also mussten diese mit einem Spray behandelt werden. „Die Sprayflüssigkeit ist biologisch abbaubar und für die Bienen ungefährlich. Es geht nur darum, den Wachsgeruch zu neutralisieren, damit die Bienen von dem Geruch nicht mehr angezogen werden.“ Nach gut zwei Stunden war die Arbeit getan und der Großteil des Schwarms in die Bienenkiste verfrachtet worden. „Die Kiste kommt auf mein Rapsfeld, wo bereits mehrere Bienenvölker stehen.“

Doch wie kommt es, dass ein Bienenschwarm seine vertraute Heimat schlagartig verlässt? „Wenn in einem Volk eine neue Königin geboren und gepflegt wird, dann stellt sie klar, dass von nun an sie das Sagen hat, und vertreibt die bisherige Königin“, erklärt Rabe. Die wiederum fliege dann mit ihrem ganzen Volk davon. „Der Imker verliert dabei nicht nur ein fleißiges Bienenvolk, sondern auch eine große Menge Nektar“, sagt er. „Denn das flüchtige Volk nimmt genug Nektar als Nahrung für mindestens drei Tage mit.“ Zeit genug, um in fremder Umgebung nach neuen nektargefüllten Blütenfeldern Ausschau zu halten. Bevor Raabe die wertvolle Fracht in sein Auto stellt, gibt er noch eine Warnung: „Das Einholen eines Bienenschwarms ist nichts für Abenteurer.“ Wer einen Schwarm entdeckt, sollte umgehend einen Imker verständigen oder die Polizei informieren.


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