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Kreis Nordfriesland: 25 Jahre Betreuungsrecht : Betreute sind froh über ihr neues selbstbestimmtes Leben

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Betroffene beschreiben bei einer Jubiläumsfeier mit Betreuungsvereinen im nordfriesischen Kreishaus das völlig neue Gefühl, selbstbestimmt für sich entscheiden zu dürfen – im Gegensatz zur Entmündigung von früher.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 15:24 Uhr

„Plötzlich wurde alles ganz anders. Vorher wurde mir alles vorgeschrieben und abgenommen – und jetzt wurde ich nach meinem Willen gefragt. Das war ich gar nicht gewohnt, doch es veränderte mein Leben nachhaltig.“ Diese Zeilen zitierte Wolfgang Wittek, Richter am Betreuungsgericht in Bad Segeberg, im Kreishaus in Husum aus Aufzeichnungen eines Menschen, der rechtlich betreut wird. Mit dieser Lebensbeschreibung wollte Wittek auf die Veränderungen aufmerksam machen, die das vor 25 Jahren geschaffene Betreuungsrecht für alle Betroffenen gebracht hat. „Bevor es eingeführt wurde, hatten viele Menschen einen Vormund, der über das Leben des Patienten zu entscheiden hatte.“ Selbstbestimmung sei damals ein Fremdwort gewesen, das erst durch das neue Recht mit Leben gefüllt wurde. Und er fuhr fort mit Zitaten: „Ich bekam mein Leben wieder zurück, und das Lachen kehrte wieder in meinen Alltag ein.“

25 Jahre Betreuungsrecht – zur Feier dieses Jubiläums hatten Erich Jacobsen, Leiter des Betreuungsamtes im Kreis Nordfriesland, und Patrick Plößer, Geschäftsführer des Vereins für Betreuung und Selbstbestimmung Nordfriesland sowie Alke Leverenz vom Betreuungsverein Föhr-Amrum eingeladen.

„Mit dem Betreuungsrecht ist die Selbstbestimmung gestärkt und die Entmündung abgeschafft worden“, betonte Landrat Dieter Harrsen in seiner Rede zur Begrüßung der Festgäste. In Nordfriesland sei die starke Allianz der Ehrenamtler im Betreuungswesen bekannt. „Wir als Behörde könnten die Betreuungsarbeit gar nicht leisten, daher sind wir den Vereinen und Verbänden unendlich dankbar für ihre ehrenamtliche Tätigkeit, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.“

Udo Ferdinand Petersen, Vorsitzender des Verein für Betreuung und Selbstbestimmung in Nordfriesland, betonte, dass viele Ehrenamtler diese verantwortliche Aufgabe als Betreuer neben ihrer beruflichen Tätigkeit ausführten. Ausgangslage dieser Arbeit sei eine wichtige Einstellung zu den Mitmenschen. „Mir ist mein Mitmensch nicht gleichgültig“. Doch wer nicht Rücksicht auf seinen Nächsten nehme, könne nicht ehrenamtlich als Betreuer tätig sein, betonte Petersen, was von Andreas Creutzberg von der Interessengemeinschaft Betreuungsvereine in Schleswig-Holstein (IGB) unterstrichen wurde. „Betreuung heißt, dem Menschen dienen und ihn in seiner Selbstbestimmung unterstützen.“ Dabei stellte er klar: „Es geht nicht darum, für den Klienten stellvertretend Entscheidungen zu fällen.“ Vielmehr gehe es darum, ihn bei seiner selbstbestimmenden Suche nach einer Entscheidung zu unterstützen.

Im Anschluss an die Jubiläumsfeier wurden alle anwesenden Betreuer für ihren ehrenamtlichen Einsatz geehrt und ausgezeichnet. „Wir bedanken uns für ihre uneigennützige Hilfestellung für Mitmenschen, die auf diese Hilfe unbedingt angewiesen sind“, so Erich Jacobsen. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement bildeten sie das Rückgrat zum Funktionieren des Betreuungsrechts. „Ihr unermüdlicher Einsatz ist eine der Königsdisziplinen ehrenamtlichen Engagements.“

2126 Betreuungsfälle werden aktuell in Nordfriesland bearbeitet. Ehrenamtlich tätig sind 1249 Familienangehörige und andere Menschen aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen sowie 216 ehrenamtliche Betreuer aus den Vereinen. Um 560 Fälle kümmern sich weitere 13 Berufsbetreuer.

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