Flugabwehrraketengeschwader unter der Lupe : Bessere Balance im Dienstbetrieb

Setzt auf internationale Zusammenarbeit: Oberst Bernd Stöckmann (2. v. l.) im Gespräch mit französischen Flugabwehrraketen-Offizieren während  einer Übung.
Setzt auf internationale Zusammenarbeit: Oberst Bernd Stöckmann (2. v. l.) im Gespräch mit französischen Flugabwehrraketen-Offizieren während einer Übung.

Seit vier Monaten ist Oberst Bernd Stöckmann Kommodore des Husumer Flugabwehrraketengeschwaders 1 – jetzt zieht er erste Bilanz. Mit der Arbeit der auf viele Orte verteilten Einheiten seines Verbandes ist er zufrieden.

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25. Juli 2014, 07:30 Uhr

Es ist ein weitläufiges Reich, über das Bernd Stöckmann jetzt herrscht, und die meisten Teile davon hat er schon inspiziert: In Schleswig-Hostein, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern sind Angehörige des Husumer Flugabwehrraketengeschwaders 1 (FlaRakG 1) „Schleswig-Holstein“ stationiert, dazu noch in den USA und im Einsatz in der Türkei, wo sie mit ihren Patriot-Raketen die Großstadt Kahramanmaras im Grenzgebiet zu Syrien vor Luftangriffen schützen. „Dort war ich aber noch nicht“, sagt der Oberst, der am 24. März das Kommando über den Großverband übernommen hat, „ich will die Belastung durch Besuche nicht noch weiter steigern.“ Stöckmann weiß, wovon er redet, war er vor seiner Amtsübernahme in der Storm-Stadt doch selbst sechs Monate lang Kontingentführer in der Türkei.

Einen tadellosen Eindruck habe er von dem Geschwader gewonnen, in dem nach der Strukturreform der Bundeswehr alle bodengebundenen Luftverteidigungskräfte zusammengefasst sind. Besonders beeindruckt hat ihn die Flugabwehrraketengruppe 61, die mit dem neu eingeführten System Mantis – einer Schnellfeuerkanone, die sogar anfliegende Artilleriegeschosse abfangen kann – „ausgezeichnete Aufbauarbeit“ leiste: „Mantis funktioniert zuverlässig und könnte jederzeit in den Einsatz gehen“, lobt Stöckmann. Das habe die Gruppe, die in Todendorf an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste beheimatet ist und neben Mantis über das leiche Flugabwehrsystem Ozelot und das Luftraumüberwachungsradar verfügt, schon mehrfach durch gute Ergebnisse beim Übungsschießen nachgewiesen.

„Ich will den von meinem Vorgänger eingeschlagenen erfolgreichen Weg der Konsolidierung fortsetzen, damit dieses aus vielen Komponenten zusammengesetzte Geschwader ein einzelner, festgefügter Verband wird“, umreißt Stöckmann seine Pläne. Alle sollen sich „als Teil der Familie“ fühlen. „Und ich will den normalen Übungs- und Ausbildungsbetrieb wieder stärken.“ In den ersten Monaten des Türkei-Einsatzes sei der Schwerpunkt darauf gelegt worden, Personal und Material dafür fit zu machen und vor Ort zu etablieren. Das sei vollzogen: „Das Verhältnis zu den türkischen Dienststellen ist ausgezeichnet, die Infrastruktur auf einem guten Stand und wir halten auch planerisch für eine Mandatsverlängerung über Januar 2015 hinaus vor.“ Nun sei es nötig, für die drei Patriot-Flugabwehrraketengruppen 21 (Sanitz), 24 (Bad Sülze) und 26 (Husum) eine Balance zwischen Einsatzvorbereitung und normalem Dienstbetrieb zu schaffen.

Der findet für FlaRak-Soldaten auch fern der Heimat in den Vereinigten Staaten statt. Im US-Army-Stützpunkt Fort Sill in Oklahoma werden unter anderem die Wartungsfeldwebel für die Patriot-Systeme ausgebildet. „Unsere Präsenz dort wollen wir verstärken“, sagt Stöckmann. Dagegen werde die Patriot-Schulung im texanischen Fort Bliss Zug um Zug eingestellt und ins neue Ausbildungszentrum nach Husum verlagert. „Aber dazu muss hier erst die infrastrukturelle Voraussetzung geschaffen werden – und der Bau hat noch nicht einmal begonnen“, so der Oberst.

Ohnehin will er das Geschwader international stärker vernetzen, besonders mit Nationen, die auch das Waffensystem Patriot nutzen: „Die FlaRak-Gruppe 21 hat in der Türkei sehr gut mit den US-Kräften aus dem Raum Kaiserslautern sowie den entsprechenden niederländischen Partnern zusammengearbeitet. Wir wollen diese Verbindung erhalten und intensivieren.“ Mit den Niederländern gebe es schon ein Austauschprogramm: „Die sind sehr interessiert an einem Ausbau der Kooperation.“

Der Standort Husum selbst ist für Oberst Stöckmann ein ganz besonderer Glücksfall: „Ein Miteinander von Zivilbevölkerung und Bundeswehr auf so hohem Niveau habe ich noch nirgendwo anders erlebt“, sagt der Kommodore begeistert. Dennoch will er zwei weitere Jahre zwischen der Storm-Stadt und seinem derzeitigen Wohnort Ahrweiler pendeln, bis seine Tochter dort Abitur gemacht hat. „Wenn ich dann noch einige Zeit hierbleiben darf, ziehe ich um. Meine ganze Familie – meine Frau, meine Tochter und mein Sohn – kommen schon regelmäßig zu Besuch und sind höchst angetan vom Norden.“

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