Kunstakademie vor Gründung : Besser spät als nie zum Pinsel greifen

Gibt allen Malern in spe, für die „Lebenslanges Lernen“ nicht nur eine Floskel ist, ein Forum: Anja Pletowski in ihrem Atelier.
Gibt allen Malern in spe, für die „Lebenslanges Lernen“ nicht nur eine Floskel ist, ein Forum: Anja Pletowski in ihrem Atelier.

Ein Angebot für alle, die sich ihre Leidenschaft – das Malen – bislang verkniffen haben: Anja Pletowski gründet in Husum Deutschlands erste Kunstakademie für Spätberufene. Der Startschuss fällt am 1. Februar.

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13. Januar 2015, 14:00 Uhr

Es dauerte 58 Jahre, bis sich ein erfolgreicher Anwalt aus New York entschied, eine Auszeit zu nehmen, um einen Roman zu schreiben. In dem Buch arbeitete er das dunkelste Kapitel der eigenen Familiengeschichte auf: Gemeinsam mit seiner Mutter hatte Louis Begley das Warschauer Ghetto überlebt; den Grund der Verfolgung, seine jüdische Herkunft, aber auch nach Kriegsende noch lange verschwiegen. In „Lügen in Zeiten des Krieges“ wurde sie dann öffentlich – und Begley quasi über Nacht berühmt.

Wie dem US-Amerikaner geht es vielen Menschen – auch wenn nicht alle so bekannt werden wie er. Jahre, manchmal Jahrzehnte lang gab es Wichtigeres als der eigenen, oft heimlichen Passion zu folgen. Beruf und Karriere, Frau und Kinder – die Liste ließe sich beliebig ergänzen. Und doch bleibt immer etwas hängen, drängt spät, aber unweigerlich nach außen: der Wunsch, ein Instrument zu spielen, einen Roman zu schreiben oder auch zu malen.

Zumindest Letzteres muss nicht länger ins Reich der Fantasie gehören – jedenfalls wenn es nach Anja Pletowski geht. Seit vielen Jahren schon lässt die Absolventin der Hochschule für Bildende Künste in Dresden Menschen, die malen wollen, professionelle Unterstützung angedeihen. Doch jetzt will die freischaffende Malerin noch einen Schritt weiter gehen und in ihrer Heimatstadt Deutschlands erste Private Kunstakademie für Spätberufene eröffnen.

Und weil so eine Akademie mehr ist als ein Malkreis, möchte Pletowski es nicht mit ein paar „Fingerübungen“ bewenden lassen. „Die Idee ist, meinen Schülern in Theorie und Praxis die ganze Bandbreite der Malerei zu präsentieren“, sagt sie und hat zu diesem Zweck ein umfangreiches Studienprogramm ausgearbeitet. Die Grundlagen der Malerei haben darin ebenso ihren Platz wie kunsthistorische Exkurse und praktische Übungseinheiten. Und natürlich beschränkt sich auch der praktische Teil nicht auf die Malerei mit Öl- und Acrylfarben. Zeichen-Techniken mit Pastell und Kohle und experimentelle Druckverfahren finden ebenfalls Berücksichtigung.

Das Angebot, das durch Pletowskis Umzug in die großzügigen frühen Firmenräume von Fischer & Tausche im Nedderweg erst möglich wurde, richtet sich an Menschen aller Altersklassen, für die „Lebenslanges Lernen“ keine bloße Formel ist. Aber auch an solche, die nachholen möchten, was ihnen während des Arbeitslebens verwehrt blieb oder an Hausfrauen und Mütter, deren Kinder inzwischen auf eigenen Füßen stehen. Pro Semester sind 18 Maltage vorgesehen. Einmal in der Woche ist Vorlesung. Auch offene Atelier-Tage soll es geben – so wie später Basis- und Fachklassen. Obgleich sie ihre Idee noch nicht „sehr offensiv beworben“ habe, gebe es schon jetzt ermutigende Rückmeldungen, sagt Pletowski. Der offizielle Startschuss fällt am 1. Februar. Weitere Informationen und Anmeldungen unter info@akademie.anjapletowski.de.

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