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Austauschprogramm zwischen Husum und Nantes : Berufspraktikum in fremder Sprache

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Französische Schüler arbeiteten zwei Wochen lang in nordfriesischen Betrieben und besuchten einen Tag lang die Hermann-Tast-Schule mit ihren Austauschpartnern. Die waren bereits im Januar in Frankreich.

shz.de von
erstellt am 08.Mär.2015 | 08:00 Uhr

Schüleraustausch im Klassenverband – das kennen und schätzen viele, ermöglicht es doch einen kleinen Einblick in Familie, Schule und Kultur des jeweiligen Gastlandes. Einen großen Schritt weiter geht das Projekt Praktikum in Nantes/Stage Pratique à Kiel oder auch kurz: PiN/SPAK. Inzwischen gibt es in Schleswig-Holstein fünf feste Schulpartnerschaften mit PiN/SPAK. Und eine davon besteht zwischen dem Lycée Saint-Félix in Nantes und der Hermann-Tast-Schule in Husum. Aber worum handelt es sich dabei eigentlich?

Seit mehr als 20 Jahren bemühen sich die Regionen Schleswig-Holstein und Pays de la Loire in Frankreich um eine Vernetzung in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Kultur. Im September 2013 wurde zum zweiten Mal ein Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Regionen unterzeichnet. Dabei geht es um die Zusammenarbeit bei sehr unterschiedlichen Projekten. Besonders im Fokus steht der Austausch von Schülern, Lehrlingen und Berufsanfängern. Seit 2013 wird auch das Thema Inklusion durch ein trilaterales Projekt (Italien, Frankreich, Deutschland) mit Leben gefüllt.

Die Hermann-Tast-Schule beteiligt sich seit 2010 an einem dieser Projekte, dem Pilotprojekt PiN/SPAK. Es ermöglicht Schülern im jeweiligen Partnerland die Teilnahme an einem zweiwöchigen Wirtschaftspraktikum. Dabei geht es vor allem darum, individuelle Erfahrungen in jeweils einem Betrieb im Ausland zu sammeln, inklusive der damit verbundenen kulturellen Besonderheiten und sprachlichen Herausforderungen. Während der zwei Wochen leben die jungen Menschen bei ihrem Austauschpartner in der Familie. Positiver Nebeneffekt: Dies hält die Kosten für Interessierte niedrig. Außerdem bezuschusst das Deutsch-Französische Jugendwerk das Projekt.

Im Januar waren bereits sechs nordfriesische Schüler und Schülerinnen in Nantes. Acht französische Austauschpartner weilten dafür jetzt zu einem zweiwöchigen Praktikum in Nordfriesland. Ein bunter Fächer an Betrieben – vom Windkraft-Unternehmen über Fitnessclub, Therapiezentrum, Fachhandel und Apotheke bis hin zum Kunstgewerbe – hatte sich bereit erklärt, die Praktikanten aufzunehmen. Auch bei den drei Besuchen in den Vorjahren waren die Organisatoren auf eine erfreuliche Offenheit bei den Firmen in Nordfriesland gestoßen. Insgesamt haben sich seit Beginn des Projektes 17 Betriebe im Kreis engagiert, einige davon schon zum wiederholten Male.

Einen Tag ihres Aufenthaltes verbringen die französischen Schüler stets in der Schule. In diesem Jahr begann dieser „Schultag“ für die sieben Französinnen und einen Franzosen mit einem Frühstück mit der Schulleitung, betreuenden Lehrern und Austauschpartnern in der Schule. Im Anschluss ging es mit den deutschen Schülern in den Unterricht. Die Gruppe der 16 beteiligten Schülerinnen und Schüler hatte sich dabei schnell zusammengefunden und nach der Arbeit, vor allem aber am Wochenende, gab es auch allerhand gemeinsame Unternehmungen.

Für die Franzosen waren es zwei aufregende Wochen und am Abend waren sie müde nach so viel „Deutsch-Input“, zumal die Schüler in Frankreich nur zwei Wochenstunden Deutsch-Unterricht haben. Für die Betreuer in den Betrieben bedeutet das natürlich, sich immer wieder auf notwendige Erklärungen, Übersetzungsversuche und Missverständnisse einzustellen.

Bei dem Programm geht es nicht darum, am Ende eine Prüfung abzulegen. Vielmehr ist es schon ein großer Schritt, sich in den zwei Wochen in einem Betrieb im Ausland zurechtzufinden, sprachlich und menschlich neue Situationen zu bewältigen und die anfängliche Unsicherheit zu überwinden. Besonders stolz durfte dann die Französin sein, die am Ende zu hören bekam, besser als so mancher deutsche Praktikant gearbeitet zu haben. Und einige ehemalige Austauschschüler sind schon später zurückgekehrt nach Nantes oder Nordfriesland – nicht nur, um Freunde zu besuchen, sondern auch, um weitere berufliche Erfahrungen zu sammeln.

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