zur Navigation springen
Husumer Nachrichten

19. Oktober 2017 | 06:30 Uhr

Ehrenamt : Beratung in Gebärdensprache

vom

Ehrenamtliche rechtliche Betreuer helfen Menschen in Not - und lernen dafür ganz neue Arten der Kommunikation.

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2013 | 07:51 Uhr

Husum | Es ist ungewöhnlich ruhig in dem kleinen Raum. Dennoch wird hier im ersten Stock des Werkstatt-Gebäudes auf dem Gelände des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerkes (TSBW) eifrig kommuniziert. Nämlich mit Hilfe von Handzeichen der Gebärdensprache. Und dass die meisten Erwachsenen hier noch eher radebrechen als fließend "sprechen", merkt der neutrale Beobachter keinesfalls. Aber Tatsache ist: Hier wird noch gelernt. "Das ist schwieriger als man meint", sagt die mitübende Ute Petersen. "Da muss man sich erst reindenken." Petersen ist als rechtliche Betreuerin für den Verein für Betreuung und Selbstbestimmung in Nordfriesland (VBS) unterwegs und gemeinsam mit Kollegin Ingrid Sievers in dem Gebärdensprachen-Kurs.

Der VBS stellt Menschen in Not rechtliche Vertreter an die Seite. Wer sich nicht mehr um seine eigenen Angelegenheiten kümmern kann und auch keine Verwandten hat, die helfen können, bekommt vom Gesetzgeber einen rechtlichen Betreuer. "Sie ahnen nicht, wie viele Menschen auch bei uns in Husum aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls hilflos zurückbleiben", sagt VBS-Geschäftsführer Thorsten Weiland. Er hat für diese Arbeit bereits mehr als 250 Vereinsmitglieder an seiner Seite, die alle ehrenamtlich im Einsatz sind.

Ute Petersen und Ingrid Sievers nutzen mit dem Gebärdensprachen-Kurs eine der vielen Fortbildungsmöglichkeiten des VBS. "Wir haben auch einige Gehörlose, die wir begleiten. Mit der Gebärdensprache sind wir besser vorbereitet und können uns mehr auf die Menschen einlassen."

Zugleich räumen die beiden aber ein, dass es mit den auf eineinhalb Jahre verteilten 40 Stunden des Lernens nicht getan sei. Trainer Marcus Tonat - selbst gehörlos - hat Verständnis für die Schwierigkeiten seiner Schülerinnen: "Es geht ja nicht nur um die richtigen Handzeichen, sondern auch um die Grammatik der Gebärdensprache. Am besten helfen zusätzlich zu unseren Kursen echte Gespräche, um alles zu verinnerlichen." Eines der größten Probleme dabei sei, so Tonat, "die eigene Stimme ausschalten und sich ganz auf die Gebärdensprache einlassen zu können". Zustimmung erhält er von Ute Petersen: "In der Stille zu lernen, ist neu für mich und eine tolle Erfahrung. Es zwingt mich auch dazu, langsam zu sprechen, damit mich alle verstehen können."

Seit 1992 - mit Einführung des aktuellen Betreuungsrechts - helfen Petersen und ihre vielen Kollegen betroffenen Nordfriesen bei deren Bankgeschäften, korrespondieren mit Ärzten, Kranken- oder Rentenkassen. "Wir versetzen diese Mitbürger in die Lage, auch angesichts ihrer Einschränkungen am rechtsgeschäftlichen Leben weiterhin teilzuhaben", erklärt VBS-Geschäftsführer Weiland. In Vorträgen oder Einzelgesprächen informieren die Experten vom Betreuungsverein aber auch öffentlich über Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügungen und den rechtlichen Teil der Patientenverfügungen.

Stolz ist Weiland auf die mehr als 250 Vereinsmitglieder: "In keinem anderen Landkreis in Schleswig-Holstein gelingt es, so viele Ehrenamtliche für ein Betreueramt zu begeistern und zu befähigen wie in Nordfriesland." Dennoch suche der Verein weiterhin Menschen, die bereit seien, einen "kleinen Teil ihrer freien Zeit" dieser Aufgabe zu widmen. Informationsnachmittage gibt es an jedem zweiten, dritten und vierten Mittwoch in der Husumer Vereinsgeschäftsstelle am Zingel 3 und künftig auch an jedem ersten Mittwoch in Tönning.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen