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film-Projekt mit Hindernissen : Bei der Musik hörte der Spaß auf

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für sein Projekt „Ich bin“ wollte ein junges Husumer Filmteam eigentlich Musik aus dem Blockbuster „Gravity“ verwenden, doch Urheberrechte verhinderten dies. Künftig wollen die kreativen Jugendlichen selbst komponieren.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2014 | 11:45 Uhr

Zehn Tage vor der Premiere des Filmprojekts „Ich bin“ öffnet Regisseurin Helga Lütjens einen Brief von der Gema. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte teilt ihr mit, dass sie den Antrag auf Genehmigung der in dem Film verwendeten Musikstücke direkt zu Warner Brothers schicken möge. Wenige Tage später flattert ihr die ernüchternde Antwort der US-amerikanischen Film- und Fernsehgesellschaft ins Haus: Der Soundtrack von „Gravity“ dürfe auf keinen Fall verwertet werden.

Damit beginnt nicht nur die Suche nach einer Alternative, es muss auch der Auftrag des Vereins bei der in Bayern sitzenden Firma Hofa-Media storniert werden, die den Streifen „Ich bin“ auf die bedruckten Datenträger brennen sollte. Die Gründerin des Vereins Tabu-Filmprojekte fragt bei dem ihr bekannten Marburger Filmkomponisten Claus Bantzer an, der ihr sofort das Okay für seine Eigenkompositionen gibt.

Die erste Hürde scheint genommen, doch schon bahnt sich die nächste Schwierigkeit an: Hofa-Media hat die Datenträger mit Bild- und Tonmaterial in der Originalfassung bereits gebrannt und anschließend vernichtet, sodass der Verein trotz nicht verschickter Ware das Brennen und Bedrucken der Datenträger bezahlen muss. „Es ist Gang und Gäbe, dass der Auftrag umgesetzt wird, auch wenn wir die DVDs nicht rausschicken dürfen“, erklärt die Leiterin der Rechtsabteilung des Unternehmens, Sabine Härtel, dazu auf Anfrage unserer Zeitung. Lütjens erhält auf Wunsch eine Lieferung mit 50 bedruckten DVD-Rohlingen samt Cover, die sie nun selbst bis zur Premiere am 5. Oktober bei den Husumer Filmtagen brennen muss. Dazu erscheint der Verein schließlich mit 40 gebrannten DVDs, von denen 20 verkauft werden.

Aus dem ganzen Durcheinander zieht Lütjens Konsequenzen: In Zukunft soll jegliche Musik für eigene Filmprojekte von den Mitwirkenden selbst komponiert und umgesetzt werden. Dazu arbeitet Tabu von nun an mit der Kreismusikschule zusammen, in deren Räumen außerdem die Treffen stattfinden sollen, bei denen es um die Filmmusik für das nächste Projekt geht.

Um die methodischen Details macht sich Lütjens wenig Sorgen. „Bei meinen Theaterprojekten in Uelzen haben meine Kollegen und ich immer in den Ferien in zwei Wochen ein ganzes Stück auf die Bühne gebracht. Jeder soll seine Ideen einbringen und das wird dann demokratisch in der Gruppe koordiniert. So sind auch große Teile unserer vorherigen Projekte entstanden.“

Das neue Projekt, das sie mit den Jugendlichen unmittelbar nach den Herbstferien in Angriff nehmen will, beschäftigt sich mit dem Thema „Trauer“. Zentrale Fragen, die sich die jungen Filmemacher dabei stellen, sind: Wie trauert der Mensch? Wie nimmt er Abschied? Wie funktioniert Trost? Wie entstehen Depressionen? Dabei befassen sich die Mitwirkenden auch und besonders mit den Trauer-Kulturen verschiedener Völker. Außerdem wird das Projekt auf verschiedene Workshops ausgeweitet, in denen die einzelnen Produktionsschritte erarbeitet werden – von der Idee bis zum fertigen Film.

Das Casting für Musiker und andere mögliche Teilnehmer zwischen 13 und 18 Jahren findet am Sonnabend, 22. November, ab 11 Uhr im Bestattungsinstitut Dawartz am Plan 25 statt. Anmeldungen nimmt Helga Lütjens unter Telefon 0171/236422 entgegen.

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