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Nach drei Wochen ist Schluss : Behörde beendet Praktikum vorzeitig

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Friedrichstadt müssen drei iranische Flüchtlinge vorzeitig ein Brufspraktikum abbrechen, weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen Integrationskursus anbietet.

Der Friedrichstädter Unternehmer Simon Christiansen ist empört. Nun hat er sich bereit erklärt, drei iranische Flüchtlinge als Praktikanten aufzunehmen, da machen ihm die Behörden schon einen Strich durch die Rechnung. Sechs Wochen sollten die im Januar über Boostedt und Seeth nach Friedrichstadt gekommenen Iraner bei Christiansen W & F Heizung-Sanitär-Elektroinstallation GmbH arbeiten, um den deutschen Arbeitsmarkt kennen zu lernen. „Und das klappt bisher ganz prima“, sagt Christiansen. Doch am Montag (13.) werden Sa Lah Pire, Farhad Kasai und Mohdi Fesi nicht mehr mit einem der 54 Mitarbeiter unterwegs sein. Der Grund: Sie müssen ihr Praktikum abbrechen, weil eine Integrationsmaßnahme ansteht.

„Was aber ist eine bessere Integration, als täglich am Arbeitsleben teilzunehmen“, fragen der Unternehmer und Uwe Plöhn, ehrenamtlicher Kümmerer, der im Januar die drei unter seine Fittiche nahm. „Ich verstehe das nicht“, sagt auch Christiansen, der nach Gesprächen mit Plöhn die Praktikumsstellen zur Verfügung gestellt hat. „Damit verdienen wir kein Geld, wenn sie als Helfer mit den Mon teuren unterwegs sind“, sagt er, „ganz im Gegenteil, wir müssen uns ja um die drei kümmern.“ Dabei passen die Iraner gut in das Anforderungsprofil des Unternehmens, denn sie sind von Hause aus Fliesenleger, Schweißer und Elektriker.

Montag beginnt der Integrationskursus des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge in Friedrichstadt. 600 Stunden lang steht dabei das Erlernen der deutschen Sprache im Vordergrund. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Husum geht es aber auch um das Zurechtfinden im neuen Land. Der Kursus sei, so erläutert Plöhn, mit einer allgemeinen Anleitung zum Leben in Deutschland vergleichbar. Es folge dann auch noch ein zweiter Kursus über 200 Stunden.

In der Zusammenarbeit der Institutionen untereinander klappt es nicht immer wie erhofft. Diese Erfahrungen musste auch Kümmerer Plöhn mit seinen drei Iranern machen. Denn weil Simon Christiansen Plöhns neues Haus mit der notwendigen Technik ausgestattet hatte, fragte Plöhn nach, ob die Möglichkeit eines Praktikums bestehe. Christiansen willigte ein. Gespräche, unter anderem mit dem Kreis folgten. Und, so schildert Plöhn, die Iraner sollten auch vernünftig eingekleidet werden, zumindest mit den nötigsten Dingen, wie beispielsweise Sicherheitsschuhe. „Beim zuständigen Arbeitsamt in Tönning sah man dafür aber keinen Grund, es gab keine solchen Schuhe“, schildert Plöhn die Ergebnisse seiner Rundreise mit den drei Flüchtlingen. Schließlich fanden sich im Friedrichstädter Unternehmen noch drei Schuhpaare, so dass einem Praktikum nichts mehr im Wege stand.

„Die Erfahrungen, die wir gemacht haben, sind gut“, sagt Christiansen. „Ich würde auch meinen Kollegen empfehlen, es einmal mit solchen Praktikanten zu versuchen.“ Allerdings habe er festgestellt, dass es gerade im Bereich der Sicherheit erhebliche Defizite bei den Iranern gab. „Da muss ordentlich geschult werden.“ Wenn man sie übernehmen würde, müssten sie allerdings eine Ausbildung absolvieren, über eine Verkürzung der Lehrzeit wegen der Vorbildung könne dann immer gesprochen werden. Denn gerade in der Ausbildungszeit würden die grundlegenden Dinge der Sicherheitstechnik vermittelt. In der Schulung und späteren Einstellung von Flüchtlingen sieht Christiansen auch ein probates Mittel, um dem Mangel an Fachkräften zu begegnen. „Denn auch wir suchen noch qualifizierte Mitarbeiter“, sagt der Friedrichstädter Unternehmer.

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erstellt am 11.Jun.2016 | 06:00 Uhr

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