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Kampf gegen Schädlinge : Beherzt zupacken, wo andere flüchten

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nadja Friedrichsen ist Deutschlands bester Azubi der Branche Schädlingsbekämpfung. Heute, am 14. Dezember, wird sie dafür in Berlin geehrt.

Niemand teilt sein Haus gern mit ungebetenen tierischen Gästen, auch Nadja Friedrichsen nicht. Spinnen zum Beispiel mag sie überhaupt nicht. Da sie aber weiß, dass es sehr nützliche Tierchen sind, arrangiert sie sich mit ihnen. Kein Pardon hingegen kennt sie bei Schädlingen wie Ameisen, Mäusen oder Ratten im Haus. Genauso beherzt geht sie gegen Flöhe, Schaben oder Bettwanzen vor. Und da macht der jungen Husumerin, die im März ihre Ausbildung zur Schädlingsbekämpferin beendet hat, so schnell keiner etwas vor: Heute fährt die 22-Jährige, die bereits kreis- und landesweit ausgezeichnet wurde, nach Berlin zur nationalen Besten-Ehrung 2015.

Mehr als 300.000 Auszubildende legen jährlich ihre Abschlussprüfung vor einer Industrie- und Handelskammer ab. Zu den 200 Spitzen-Azubis zu gehören, die in Berlin von Arbeitsministerin Andrea Nahles für ihre überragenden Leistungen ausgezeichnet werden, darauf ist Nadja stolz. Auch deshalb, weil sie das Pensum in nur zwei statt drei Jahren absolviert und zudem die große Prüfung mit Bravour gemeistert hat. Die umfasst drei Schwerpunkte: Pflanzenschutz, Holz- und Bautenschutz sowie Gesundheits- und Vorratsschutz. Und damit nicht genug: Mit dem Stipendium, das sie als kreisweit beste Auszubildende bekam, beginnt sie 2016 in Plön eine Fortbildung zum Desinfektor, um künftig auch im Gesundheits- und Rettungsdienst aktiv werden zu können.

Dass sie Schädlingsbekämpferin werden wollte, wusste Nadja Friedrichsen schon als Kind: Ihr Vater Ernst-Adolf Friedrichsen war das Beispiel. Schon früh war sie fasziniert von den vielfältigen Aufgaben. „Da ist man Detektiv, Forscher und Biologe in einer Person“, so ihre Erkenntnis. Nach dem Fachabitur begann sie mit der Ausbildung im Betrieb des Vaters in der Adolf-Menge-Straße. Der war anfangs nicht so angetan von der Berufswahl seiner Tochter, wusste er doch nur zu gut, welchen oft recht unangenehmen Herausforderungen sie sich würde stellen müssen. Davon ließ sich Nadja aber nicht beirren. Motiviert hat sie die Erfahrung, dass die Kunden immer häufiger konkret nach ihr verlangen – „wahrscheinlich, weil ich als Frau an die Probleme besonders sensibel herangehe und Fingerspitzengefühl mitbringe“.

Und gerade das ist oft vom ersten Moment an gefragt, denn wenn sie zum Beispiel in einem Restaurant tätig werden muss – und sei es auch nur wegen einer Routine-Kontrolle –, „kommt es nicht gut an, wenn man dort zur Mittagszeit auftaucht, den Firmenwagen zwischen den Gäste-Autos abstellt und sich beim Betreten lautstark Gehör verschafft“, so Nadja, der bewusst ist, wie schnell ein Image-Schaden entstehen kann. Und gerade den gelte es zu vermeiden, denn die Ursachen, weshalb in einem Betrieb plötzlich Ungeziefer auftaucht, sind selten auf mangelnde Hygiene zurückzuführen und oft schon mit einfachen Mitteln zu beheben. „Ich stelle Schlagfallen oder Köderkästen auf und setze Kontaktschaum zum Abdichten ein“, zählt sie einige ihrer Lösungsmöglichkeiten auf.

Woran es liegt und was zu tun ist, sieht sie häufig auf den ersten Blick. „In Supermärkten werden die Lagertüren oft von Rauchern mit einem Stein ein Stück offen gehalten. Das reicht zum Durchschlüpfen. Manchmal fehlen an den Außentüren unten die Türbesen, die ein Eindringen verhindern“, sagt sie. Mit geschultem Blick sieht sie jedes Huschen in dunklen Ecken, sie weiß Kot- und Fraßspuren zu unterschieden, entdeckt kaum sichtbare Laufwege und Löcher in den Wänden und ihre Nase reagiert sofort sensibel auf Verwesungsgeruch.

Zum praktischen Teil ihrer Prüfung gehörte die Untersuchung eines Hotelzimmers, in dem Bettwanzen vermutet wurden. „Man muss wissen, wo man sucht“, sagt Nadja und beschreibt als Fundstellen Reißverschlüsse, dünne Spalten im Bettgestell und die Fläche unter der Nachttischlampe. Bettwanzen in den Griff zu bekommen, gehört zu den größten Herausforderungen eines Schädlingsbekämpfers, der dafür nicht selten das ganze Zimmer zerlegen muss.

Die meiste Überwindung kostet sie das Entrümpeln und Desinfizieren von Messie-Häusern und Wohnungen, in denen jemand gestorben ist. „Nicht wegen der Gerüche oder der Tierchen, auf die wir treffen, sondern weil einen die Geschichte des Menschen, der hier gelebt hat, nicht so schnell loslässt“, beschreibt Nadja ihr persönliches Kopfkino. Was dagegen hilft? „Die Gespräche mit meinem Papa“, sagt sie, dankbar dafür, dass er das Erlebte mit ihr aufarbeitet.




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