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Tönninger Schule plant Einrichtung einer Oberstufe : Beginnt der Kampf um Gymnasiasten?

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Gemeinschaftsschule Tönning möchte eine gymnasiale Oberstufe etablieren. Der Kreistag befürchtet dadurch gravierende Auswirkungen auf die nordfriesische Schullandschaft und möchte vom Bildungsministerium dazu gehört werden.

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erstellt am 14.Jan.2014 | 07:00 Uhr

Die Planungen der Stadt Tönning, an ihrer Gemeinschaftsschule eine Oberstufe einzurichten, beschäftigte den Kreistag in seiner jüngsten Sitzung. Das Vorhaben rief die Fraktionen von CDU, Bündnis 90/Grüne und FDP auf den Plan, die gravierende Auswirkungen auf die Schullandschaft Eiderstedts befürchten. „Der Kreis muss in die Planungen eingebunden werden“, forderte Angelika Strenge. Die Grünen-Politikerin geht davon aus, dass es einen Verteilungskampf unter den Schulen geben wird, und dass Husum und St. Peter-Ording in Mitleidenschaft gezogen werden.

„Wem nützen zwei halbleere Oberstufen?“, fragte Angelika Strenge. CDU-Fraktionsmitglied Friedrich Busch plauderte derweil aus dem Nähkästchen. „Auf Eiderstedt schüttelt man über dieses Vorhaben den Kopf“, sagte Busch, selbst Mitglied der Tönninger Stadtvertretung. Zwei Hauptgründe führten die Tönninger Kollegen ins Feld, erzählte er. So gehe es in der Hauptsache darum, den Schulstandort zu stärken und die Stadt attraktiver zu machen. Zudem werde angeführt, dass es für die Schüler unzumutbar sei, die langen Anfahrtswege nach St. Peter-Ording und Husum in Kauf zu nehmen. „Letzteres kann jedoch nicht wirklich ein Grund sein“, betonte Busch. Er befürchtet, dass mit der Einrichtung einer Oberstufe in Tönning das Gymnasium in St. Peter-Ording „eingehen“ wird. Er zitierte aus einer Erhebung wonach 120 Schüler nach Tönning wechseln könnten. Wie sich die Änderung des Schulsystems auf die Region auswirken könnte, machte Busch am Beispiel der Gardinger Theodor-Mommsen-Schule fest, die nur noch als Grundschule („Ein trauriger Anblick“) geführt wird – Mädchen und Jungen der höheren Klassenstufen werden in Tönning, Husum und St. Peter-Ording beschult.

Susanne Rignanese (SSW) wertete die Darstellung des CDU-Mitglieds als „Überdramatisierung“. Ihrer Ansicht nach würde die Gemeinschaftsschule durch die Einrichtung einer Oberstufe als Schulform gestärkt und zudem zu einer Vielfalt an Bildungsmöglichkeiten beitragen. Und genau dies ist vom Bildungsministerium so gewollt, betonte Rignanese. Matthias Illgen (SPD) hingegen kann den Weg der Tönninger nachvollziehen. Schließlich stärke die Oberstufe die Schule und steigere zugleich den Wert der Stadt an der Eider als Wohn-, Arbeits- und Lebenstandort. Da die Husumer Gymnasien an ihre Grenzen stoßen würden, wäre Tönning eine Alternative, so Illgen weiter.

Das sah Tim Hanke (CDU) völlig anders. „Das Vorhaben zerschießt unsere Schullandschaft“, wetterte der CDU-Fraktionsvorsitzende. Welche Schulstandorte würden dem Tönninger Beispiel als nächstes folgen, fragte er in die Runde. „Bredstedt? Viöl?“ Hanke forderte deshalb vom Ministerium ein Recht auf Anhörung ein. Ullrich Stellfeld-Petersen (SSW) betrachtet die Angelegenheit eher nüchtern. Er verwies jedoch auf die 120 Schüler, die von dem Tönninger Angebot Gebrauch machen würden. „Demnach gibt es offenbar einen Bedarf.“

Ob eine Oberstufe in Tönning nun eingerichtet wird oder nicht, das hat der Kreistag letztlich nicht zu entscheiden. Allerdings besteht er darauf, dass die Kreisverwaltung bei der Schulentwicklungsplanung einzubeziehen ist. Einem entsprechenden Antrag von CDU, Grünen und FDP stimmten die Abgeordneten mehrheitlich zu. Das letzte Wort wird nun das Kieler Ministerium haben, dessen Entscheidung in diesem Monat erwartet wird.

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