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Husumer Nachrichten

14. Dezember 2017 | 20:15 Uhr

Begegnungen im Wasser

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Roma Spring und Volker Todt berichten in der Volkshochschule über ihr Walforschungsprojekt auf Teneriffa

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2013 | 21:00 Uhr

Es ist ein Grindwal, der da unter Roma Spring und zwei weiteren Schnorchlern hindurchtaucht. Gleichmäßig wiegt die atlantische Dünung die drei hin und her. Unter ihnen tut sich eine Wassersäule von mehr als 1000 Metern auf. Und auch die nahen Felsen im Nordwesten Teneriffas, die nicht von ungefähr Los Gigantes (die Giganten) heißen, scheinen unendlich weit entfernt.

Für kurze Zeit war der Wal aus dem tiefblauen Blickfeld der Schnorchler verschwunden. Jetzt ist er wieder da. Mit einem fast unmerklichen Flukenschlag legt er sich auf die Seite, beäugt die Menschen mit neugierigem, aber keineswegs feindlichem Blick und schwimmt ein Stück des Weges mit ihnen. Es ist sein Weg, denn die Schwimmer sind gekommen, um ihn in seinem Element zu begegnen.

Und dann geschieht es: Eine akustische Welle erfasst die drei Frauen, durchläuft ihre Körper. Der Wal hat sie ausgesendet, Kontakt aufgenommen. Wieder an Bord der „Empathie“ (Einfühlsamkeit), des kleinen Schlauchbootes, dass sie herausgebracht hat, verstummen die Passagiere, hängen ihren Gedanken nach. Die Begegnung hat Eindruck hinterlassen.

Seit 1998 betreiben der gebürtige Nordfriese Volker Todt und seine Partnerin Roma Spring auf Teneriffa ein Walforschungsprojekt. HDR, das Human-Dolphin-Relationship-Project, versucht den Beziehungen zwischen Menschen und Walen auf den Grund zu gehen. Erkenntnisse aus der Hirnforschung haben gezeigt, dass sich Wale und Delfine – anders als Menschen – ihre Fähigkeit zur Empathie (Einfühlsamkeit) ein Leben lang erhalten. Dies hat vor allem in den USA zu einer Welle von Delphin-Therapien geführt und einen schwunghaften Handel mit den Meeressäugern nach sich gezogen.

Genau hier setzen Spring und Todt mit ihrer Arbeit an. Ausgehend von der Frage, wie ausgerechnet kranke, also in Gefangenschaft gehaltene Tiere, kranken Menschen helfen soll, lehnen sie Therapien in Aquarien kategorisch ab. Stattdessen fahren sie auf den Atlantik hinaus und suchen dort Kontakt zu den Freigeistern des Meeres. Zeigen die Tiere Interesse, steigt Roma Spring zu ihnen ins Wasser. Wenn nicht, lässt sie es sein. Manchmal ist ein autistisches Kind mit an Bord, manchmal eine Gruppe von Therapeuten, die mit kranken Kindern und/oder Erwachsenen arbeiten.

Die Ergebnisse ihrer Studien haben längst Eingang in die internationale Walforschung gefunden. Am Freitag, 6. September, ab 19.30 Uhr berichten Spring und Todt in der Aula der Volkshochschule, Schobüller Straße 38, über ihre 15-jährige Erfahrung mit Walen und Delfinen. Infos und Karten Telefon 04841/83590.

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