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Netzwerk Westküste : Begabung nicht verkümmern lassen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Neun Schulen aus Nordfriesland und Dithmarschen arbeiten im Netzwerk Westküste zusammen, um leistungsstarke Kinder besser zu fördern.

Sprachen, Zahlen, Musik oder Kunst – alle Kinder haben Stärken oder sogar besondere Begabungen. Häufig werden diese Talente jedoch nicht auf Anhieb oder im schlimmsten Fall sogar überhaupt nicht erkannt und gefördert. Genau da setzt das Netzwerk Westküste an, ein wachsender Kreis von Schulen – darunter sechs in Nordfriesland – , die sich mit Unterstützung des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) intensiv und kreativ der Begabungs- und Begabtenförderung annehmen. „Super engagiert“, wie die fürs Institut tätige Koordinatorin und Beraterin Dr. Sabine Küster zu berichten weiß.

Während in der öffentlichen Wahrnehmung meist Hilfsangebote für leistungsschwächere oder benachteiligte Kinder im Fokus stehen, sind seit einiger Zeit auch die leistungsstarken und potenziell besonders leistungsfähigen Schüler stärker in den Blickpunkt gerückt. Für zusätzliche Impulse sorgte 2016 eine gemeinsame Initiative von Bund und Ländern. Das mit vielen Millionen unterfütterte Programm mit einer Laufzeit von zunächst zehn Jahren soll helfen, allen Schülern unabhängig von Herkunft, Geschlecht und sozialem Status so zu fördern, dass ein bestmöglicher Lern- und Bildungserfolg möglich wird. „Das ist die erste systematische und langfristige Strategie in diesem Bereich“, lobt Küster.

Wichtig ist ihr die Einordnung, dass nicht nur Schüler im Fokus stehen, die aus sich selbst heraus Höchstleistungen erbringen: „Wir machen keine Elitenförderung für drei Prozent der Schüler, sondern fördern größere Gruppen.“ Und nach dem Motto „A rising tide lifts all ships“ profitieren alle davon: „Wenn sich eine Schule für die Begabtenförderung öffnet, verändert sich die ganze Schule.“ So werden Kinder aus verschiedenen Klassen gemeinsam ihrem Niveau gemäß unterrichtet, es gibt AG’s, Patenmodelle und Angebote zum selbstständigen Arbeiten.

„Früher hat man immer gesagt, die Guten können sich selbst helfen, aber sie haben andere, spezielle Probleme“, erläutert die Schleswigerin, die zum Thema Intelligenzforschung promoviert hat. Ohne Hilfestellungen könnten viele begabte Kinder, die oft hochsensibel sind, ihr Lernpotenzial nicht heben oder zeigen und plagten sich mit Lernblockaden. Das fange häufig schon im Kindergarten an, setze sich in der Schule fort und könne mitunter gar mit einem abgebrochenen Studium enden.

Um den Betroffenen zu helfen, so Sabine Küster, „braucht es sehr viel Geduld und Fachwissen, um Lernbedürfnisse und -potenziale zu erkennen und zu fördern“. Das ist in den neun beteiligten Schulen des offenen Netzwerks Westküste vorhanden – ebenso wie es speziell fortgebildete Lehrkräfte sind, die sich der Aufgabe mit Freude und Idealismus widmen. „Es gibt auch Lehrer, die vor allem für schwierige Fälle brennen“, sagt Küster anerkennend.

In Schleswig-Holstein sind es in verschiedenen Netzwerken bereits 66 Schulen, die sich mit dem Prädikat „SHiB – Grundschule inklusive Begabtenförderung“ oder als Kompetenzzentrum haben zertifizieren lassen. Ziel des Schneeball-Systems mit gegenseitiger Hilfe ist es, dass irgendwann alle Schulen aktiv Begabtenförderung in eigener Regie leisten.

Die halbjährlichen Netzwerktreffen – das jüngste fand in der Husumer Theodor-Storm-Schule (TSS) statt, das nächste läuft auf Sylt – dienen dem offenen Austausch und der gegenseitigen Hilfe in Einzelfällen. Auch gibt es Fortbildungen und Workshops. „Das öffnet den Blick für Lösungen“, sagt Sabine Küster über die fruchtbare Zusammenarbeit.

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