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Unmut in Tating : Baurecht bedroht das Ortsbild

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Tatinger Planungsausschuss bringt den Bebauungsplan für den Dorfkern auf den Weg. Die markante historische Häuseranordnung kann nicht festgeschrieben werden, weil das das Baurecht nicht zulässt.

Ganz zufrieden waren die Mitglieder des Planungsausschusses von Tating nicht. Um aber keine Zeit zu verlieren und den Bürgern weitere Gelegenheit für Einwendungen zu geben, segneten sie einstimmig den Entwurfs- und Auslegungsbeschluss für den B-Plan Nr. 12 als Empfehlung für den Gemeinderat ab. Er umfasst den historischen Dorfkern. Dieser wird im Norden durch die Grundstücke am Rendsburger Weg, Twiete sowie Dorfstraße bis zum Haus Nr. 10 begrenzt, im Osten durch die Koog- und die Bahnhofstraße, im Süden durch die südlichen Grenzen der Grundstücke an der Dorfstraße und die nördliche Grenze Klintum sowie Düsternbrook 15, im Westen durch die Straße Düsternbrook sowie das Kirchengrundstücks.

Ausschussvorsitzender Jürgen Reimers ermutigte jeden nicht zufriedenen Betroffenen zur später vier Wochen im Amt ausliegenden Beschlussvorlage Stellung zu nehmen oder Widerspruch zu erheben. Auf jeden Fall – da waren sich alle einig – werde es auf Vorschlag von Bürgermeister Hans Jacob Peters in Kürze noch einmal eine Ortsbesichtigung geben, zu denen Anlieger willkommen sind. Vor Ort sollen Bauvoranfragen besprochen werden.

Dem Vorsitzenden des Gremiums stieß insbesondere sauer auf, dass die Festsetzung der typischen Seitenfenster an den Häusern der Dorfstraße, die für das so genannte neugierigen Dorf typisch sind, aus bauordnungsrechtlichen Gründen, vor allem brandschutztechnischen, nun plötzlich nicht mehr erfolgen soll. Bei einer Ortsbegehung im November 2013 mit Vertretern der Bauaufsicht des Kreises Nordfriesland sei man sich einig gewesen, dass gerade diese seit dem 18. Jahrhundert existierende Eigenheit ortsbildprägend sei und die Identität des Dorfes spiegeln würde. Bauherren müssten künftig Anträge stellen, wenn sie der Historie folgen wollen. „Das wollten wir so eigentlich nicht“, betonte Reimers. Der Planer Sven Methner erläuterte, dass der Kreis nach nochmaliger Prüfung festgestellt habe, dass das Baurecht dem ursprünglich Gewollten tatsächlich entgegensteht. „Ich gehe aber davon aus, dass der Kreis gegenüber Anträgen offen wäre“, so Methner. Sie sind zumindest nicht ausgeschlossen worden, wenn die Brandschutzbestimmungen und die Belange des Nachbarn dem nicht entgegenstehen. Unterstützung sei jedenfalls zugesagt worden. Man sei sich bewusst, dass die Gemeinde die charakteristische Eigenheit des Ortskerns erhalten möchte. „Wenn Sie das nicht beschließen, fallen die Fenster in Zukunft ganz weg“, warnte Methner.

Die weiteren wesentlichen Eckpunkte erläuterte er ebenfalls. Der überplante Bereich wird als allgemeines Baugebiet eingestuft. Der Wohngebiets-Charakter bleibt erhalten. Nicht störende Gewerbebetriebe werden zugelassen. Generell sollen keine Häuser mit Holzfassaden entstehen. Sattel-, Walm- und Krüppelwalmdächer mit einer Mindestneigung von 30 Grad sind erlaubt und mit roten, schwarzen oder grauen Dachpfannen oder Schiefer einzudecken. Fassaden sind nur in rotem Mauerwerk oder weiß geschlämmt möglich. Solaranlagen oder Satelliten-Schüsseln dürfen nur hinter dem Dachfirst oder zurückgesetzt an den Hausseiten angebracht werden. Solaranlagen können in die Dachfläche integriert werden. Einfriedigungen sind bis zur Höhe von 0,90 Metern zulässig.

Der Bürgermeister verkündete: „Ich hoffe, dass der Bau der Umgehungsstraße bald startet.“ Nach seiner Kenntnis liege das letzte Gutachten vor. Er habe noch einmal an das Ministerium geschrieben.

Weiter votierte das Gremium dafür, die westliche Seite der Schutzhütte Süderdeich von totem Gestrüpp zu befreien und im Frühjahr mit einem neuen Anstrich zu versehen.

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