Ambitionierte Stadt : Bauprojekte für 200 Millionen

Da reicht auch das Sparschwein nicht mehr: Husums Neuverschuldung wird in den kommenden Jahren massiv ansteigen.
Da reicht auch das Sparschwein nicht mehr: Husums Neuverschuldung wird in den kommenden Jahren massiv ansteigen.

Neues Hallenbad, neue Kita, Schulsanierungen, Neugestaltung des Dockkoogs: Die Stadt Husum hat viele kostspielige Projekte in Planung.

shz.de von
12. Februar 2018, 10:00 Uhr

Husum | Ein neues Hallenbad, eine neue Kita, Schulsanierungen, die Neugestaltung des Dockkoogs: Husum will in den kommenden Jahren eine ganze Reihe von Projekten angehen, die eine Stange Geld kosten. Kämmerer Dirk Pohlmann erklärt im Interview, warum ihm das zwar keine Freudentränen entlockt, ein Blick auf den Investitionsplan ihn aber auch nicht in tiefe Verzweiflung stürzt.

Wir schreiben ja haushaltstechnisch ein Jahr der Rekorde. Die Stadtvertretung will bis einschließlich 2021 63 Millionen Euro in verschiedene Projekte investieren. Kriegt man angesichts solcher Pläne als Kämmerer kalte Füße?
Grundsätzlich sorgt ein derart üppig dimensionierter Investitionsplan bei mir natürlich nicht nur für Freudentränen. Ich halte diese Entscheidung aber für vertretbar. Zum einen können wir die Zinsen und Tilgungen für die zur Finanzierung erforderlichen Kredite weiter bezahlen. Zum anderen investieren wir in Infrastruktur, von der die Stadt langfristig einen Mehrwert hat. Wir gehen zudem davon aus, dass wir für viele der anstehenden Projekte Fördermittel erhalten werden.


Investitionen 2018-2021

Neubau Bad:

22 Millionen
Grunderwerb für neue Gewerbeflächen und Badneubau:

11,2 Millionen
Neubau Kita auf dem Klinikumsgelände:

4,5 Millionen
Umgestaltung Dockkoog:

3 Millionen
Neubau Campingplatz am Dockkoog:

3 Millionen
Umgestaltung Kleikuhle:

1,5 Millionen
Buswartehäuschen:

1,25 Millionen
Sanierung städtische Wohnungen:

1,2 Millionen
Erschließung B-Plan Ostenfelder Straße:

0,84 Millionen
Neubau Kreisel Bredstedter Straße / Adolf-Brütt-Straße:

0,51 Millionen


Ganz schön viele Bauprojekte …
In der Tat. Und man darf nicht vergessen: Die Stadt Husum wird ja in den kommenden Jahren nicht die einzige sein, die große Bauprojekte beginnen will. Der Kreis plant, die Klinik Husum und das Kreishaus zu erweitern, mehrere Wohnanlagen und das Shopping-Center werden gebaut, und die Stadt wird in diesem Jahr die Bauplätze aus zwei kompletten Wohngebieten verkaufen und in die Bebauung bringen. Insgesamt werden dadurch innerhalb von wenigen Jahren Aufträge von mehr als 200 Millionen Euro in die Bauwirtschaft gegeben. Wir müssen hoffen, dass für alle Projekte die nötigen Baukapazitäten vorhanden sind. Und nicht nur in der Bauwirtschaft sind die Personalressourcen ja endlich – auch innerhalb der Verwaltung. Wenn dort bisher ein Investitionsplan von ungefähr sechs Millionen Euro jährlich abgewickelt worden ist, verdoppelt sich das in den kommenden Jahren. Im Bauamt hat die Politik das Personal deshalb auch aufgestockt.

Hinsichtlich dieser regen Investitionstätigkeit steigt auch die Neuverschuldung – nach jetzigem Stand der Dinge zwischen 2019 und 2021 um 25 Millionen Euro. Das heißt, Ende 2021 werden wir einen Schuldenstand von knapp 42 Millionen haben. Einen ähnlich sprunghaften Anstieg der Verschuldung hatten wir zuletzt, als wir in sehr kurzer Zeit das Sanierungsprogramm für die Schulen durchgezogen haben. Damals lag der Schuldenstand am Ende bei ungefähr 31 Millionen Euro.


Neuverschuldung

2018: 0 Millionen

2019: 6,8 Millionen

2020: 11,9 Millionen

2021: 6,3 Millionen

Das heißt, nach 2021 darf Husum nur noch ganz kleine Brötchen backen?
Nein, aber nach 2021 sollten wir die Investitionen wieder auf ein normales Maß herunterschrauben.

Gibt es noch weitere Besonderheiten, die der Haushalt 2018 aufweist?
Die Gewerbesteuer-Einnahmen sicherlich, die in den Vorjahren bei 12 Millionen Euro lagen. 2016 hatten wir aufgrund von unvorhergesehenen Nachzahlungen Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 25,2 Millionen Euro, 2017 waren es noch einmal 19,1 Millionen. Diese Mehreinnahmen müssen wir in diesem und im kommenden Jahr zum größten Teil an den Kreis und das Land durchreichen, was zu negativen Jahresergebnissen im Haushalt führen wird. Kummer bereitet mir das aber nicht, da das Geld dafür aus den Vorjahren auf der hohen Kante liegt.

Aus den Reihen der Politik wurde im Rahmen der Haushaltsberatungen immer wieder recht allgemein angemerkt, dass man hinsichtlich der steigenden Ausgaben, die Husum zu stemmen hat, auch schauen müsste, wie die Einnahmen steigen können. Eine Erhöhung von Grund- und Gewerbesteuer beispielsweise ist im Moment aber nicht im Gespräch, oder?
Nein, Steuererhöhungen sind im Moment nicht geplant. Wenn die freiwilligen Ausgaben aber weiter erhöht werden sollen, wäre dies eine von mehreren Möglichkeiten
zur Gegenfinanzierung. Husum liegt mit seinen Steuersätzen von 350 Prozent bei der Gewerbesteuer und 370 Prozent bei der Grundsteuer B derzeit eher am unteren Ende der Skala vergleichbarer Städte.


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