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Sanierung mit Hindernissen : Baupanne im Alten Rathaus

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Böse Überraschung in Husums Altem Rathaus: Die Holzdielen im Obergeschoss waren beim Einbau zu feucht. Es haben sich große Fugen gebildet. Um die Schäden auszubessern, muss die Tourismus- und Stadtmarketing-Gesellschaft nun kurzfristig umziehen.

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erstellt am 14.Feb.2014 | 13:00 Uhr

Der Dielenboden sah top aus, als die Handwerker ihn im alten Ratssaal verlegt hatten. Doch nach ein paar Wochen zeigte dieses schöne Bild Risse – im übertragenen Sinn. Damit konnte bei der 1,15 Millionen Euro teuren Sanierung des Alten Rathauses in der Großstraße nun wirklich niemand rechnen, wie Rudolf Hölscher versichert. „Holz arbeitet, da ist eine gewisse Fugenbildung normal“, so der Bauamtsleiter. Doch das, was sich im Obergeschoss auf einer Fläche von rund 150 Quadratmetern offenbart, hat mit der üblichen Bewegung eines natürlichen Baustoffs nichts mehr zu tun: Zu groß sind die Spalten, die sich an den Lärchenbrettern aufgetan haben.

Ein großes Ärgernis. Für die Tourismus- und Stadtmarketing-Gesellschaft, die am 22. Oktober nach zwei Jahren in ihr angestammtes Domizil zurückkehren konnte – und nun noch einmal für etwa zwei Wochen ausgelagert werden muss. Und für die Stadt, die als Eigentümerin des historischen Gebäudes für die TSMH kurzfristig eine Bleibe finden muss, damit der Boden ausgebessert werden kann.

Wie konnte es überhaupt dazu kommen? „Das angelieferte Holz war zu feucht“, sagt der Bauamtsleiter kurz und trocken. Und jetzt wird es wissenschaftlich: Als Holzfeuchte – eine der wichtigsten Kenngrößen der Holzbearbeitung – bezeichnet man den Wasseranteil von Holz in Prozent. Beim Alten Rathaus lag dieser Wert nach Angaben von Hölscher bei zehn bis zwölf Prozent. „Acht bis neun Prozent wären richtig gewesen.“ Ein Prozentpunkt mehr vergrößere die Fuge gleich um jeweils drei Millimeter. Im Winter werden Böden aus Holz Heizungsluft ausgesetzt, im Sommer wird gelüftet – der Feuchtigkeitsgrad orientiert sich am Raumklima. Da sich Lärchenholz, das in diesem Fall aus Bayern stammt, nicht beliebig heruntertrocknen lässt, reißen die Dielen in Längsrichtung auf.

Warum verlegt man eigentlich zu feuchtes Holz, obwohl es üblicherweise auf der Baustelle nachgemessen wird? „Hätte man es vor Ort ausgebreitet liegen lassen, wäre alles gut“, erklärt Hölscher: „Eine Holzfeuchte-Probe am Rand hilft nicht, es braucht auch eine aus der Mitte.“

Und wie geht es nun weiter? Die Bohlen haben mittlerweile die optimale Holzfeuchte erreicht, sich also so „aklimatisiert“, dass sie „nur noch“ neu verlegt werden müssen. Und das geschieht auf die gleiche Weise wie beim ersten Mal: Die einzelnen Dielen werden an- und ineinandergeschlagen, sodass nur eine minimale Fuge bleibt. Da passt dann gerade mal eine Scheckkarte zwischen. Die sogenannten Bewegungs-Spannungen des Bodens werden durch eine breite Randfuge aufgenommen und diese wird wiederum durch eine liegende Sockelleiste abgedeckt. Die gesamte Nachbesserung fällt unter die übliche Gewährleistung, dem Stadtsäckel also nicht zur Last.

Auf den Rohbau zurückgehen, alles aufnehmen und schön sauber wieder zusammenschieben – das macht natürlich noch einmal Lärm und Dreck im Alten Rathaus. Für die TSMH, die im Obergeschoss ein halbes Dutzend Arbeitsplätze hat, eine unzumutbare Störung im Geschäftsbetrieb. Deshalb basteln alle Beteiligten derzeit an einer einigermaßen verträglichen Übergangslösung.

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