Alte Blutbuche in Husum : Baumschutz ohne Garantie

Inzwischen sind die 200 Jahre alte Blutbuche und die Baustelle eingezäunt und der Bodenaushub hat begonnen.
Inzwischen sind die 200 Jahre alte Blutbuche und die Baustelle eingezäunt und der Bodenaushub hat begonnen.

Die Häuser auf dem Grundstück Asmussenstraße 17 werden nicht versetzt gebaut – auch wenn die Husumer Politik das gerne wollte.

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04. Juli 2018, 14:15 Uhr

Die Sorge um den Baum – ganz konnte sie nicht ausgeräumt werden. Obwohl der B-Plan eigentlich längst in trockenen Tüchern war, hatte der Umwelt- und Planungsausschuss auf seiner vorigen Sitzung einstimmig entschieden: „Das Bauamt wird beauftragt, mit dem Vorhabenträger der Neubebauung auf dem Grundstück Asmussenstraße 17 Gespräche zu führen mit dem Ziel, den vorderen der beiden geplanten Baukörper um einige Meter nach Süden in Richtung der Asmussenstraße zu verschieben, damit der Standort der Blutbuche in der Lücke zwischen den beiden Gebäuden zu liegen kommt.“ Auch wenn dadurch neue Planungen nötig werden, die die Errichtung der beiden Häuser dort maßgeblich verzögern können. „Was wäre schon ein Jahr, um einen mehr als 200 Jahre alten Baum zu retten“, so Grünen-Fraktionschef Frank Hofeditz. Seine Fraktion hatte den Antrag eingebracht.

Auch die Einwände von Bauamtsleiter Jörg Schlindwein hatten damals nichts gefruchtet. „Der Bauherr hat vor Erteilung der Baugenehmigung zugesichert, alle erforderlichen Maßnahmen zum Erhalt des Baumes zu treffen“, so Schlindwein vor dem Plenum. „Er hat doch selbst Interesse daran. Das wird dadurch belegt, dass der Baum die Abbruchphase ohne Beschädigungen überlebt hat.“ Tatsächlich habe der Bauherr den von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises empfohlenen Baumpfleger Sönke Christiansen aus Risum-Lindholm damit beauftragt, eine Expertise zu erstellen. Der kam zu dem Ergebnis, dass der der aktuelle Zustand der Buche „sehr gut“ und „wenig Totholz“ vorhanden sei. Da der Boden der Baustelle „sehr lehmhaltig ist und beim Ausheben nicht nachrutscht, wird es auch keine Verletzungen des Baumes geben“, so der Experte. Er empfahl vor oder nach dem Ausheben der Baugrube dennoch das Setzen einer Spundwand und das Verfüllen des Zwischenraums mit lockerem Mutterboden.

Die Grünen-Fraktion erkannte in dem positiven Bericht allerdings einen „entscheidenden Mangel“: Die Beurteilung behandele nur das Thema Wurzeln und gehe nicht auf die Krone ein. Nach Ansicht der Grünen ist bei der ursprünglichen Planung ein starker Rückschnitt auf der Westseite nötig. „Große Äste müssten abgesägt werden, in deren breite Schnittstellen leicht Pilze eindringen können, die den Baum schwächen und mit der Zeit zum Absterben bringen könnten“, fürchten sie.

Mit diesen Bedenken konnte Hofeditz damals den Ausschuss überzeugen. Allerdings, warnte Schlindwein: „Rechtlich hat der Bauherr einen Anspruch auf die Erteilung einer Baugenehmigung in der aktuellen Form.“

Und die nimmt er wahr: Inzwischen sind Baum wie Baustelle eingezäunt und der erste Bagger ist angerückt. „Wir haben mit ihm gesprochen. Aber eine Umplanung ist nicht mehr möglich, sagt er“, informierte der Bauamtsleiter die Ausschussmitglieder gestern. Doch habe der Bauherr erneut versichert, alles Mögliche zu tun, um den Baum zu erhalten. „Darauf müssen wir uns jetzt verlassen und davon ausgehen, dass er auch so handelt“, schloss Peter Empen (SPD), der Vorsitzende des Gremiums. „Aber eine Garantie haben wir natürlich nicht.“

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