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Entfernen der Astgabeln : Baumkletterer sollen Krähen verjagen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Großen Garten in Friedrichstadt haben auf einem Baum bislang schon 14 Krähen ihre Nester gebaut. Versuche mit einem Falkner sind dort fehlgeschlagen. Im Allgäu kommen High-Tech-Drohnen zum Einsatz .

„Der Wüstenbussard Frodo sitzt in einem Baum in Flensburg und soll einen Schwarm von Saatkrähen davon abhalten, dort Nester zu bauen und demnächst zu brüten. Der dreijährige Frodo gehört Jörg Johannsen. Für den 46-jährigen Bollingstedter ist die Falknerei eine Berufung. Das Technische Betriebszentrum der Stadt hat ihn beauftragt, die Krähen zu vergrämen.

„Das wird nichts nützen“, sagt dazu Friedrichstadts Bürgermeister Eggert Vogt. Schon vor einigen Jahren hatte die Stadt einen Falkner beauftragt, gegen das Krähenproblem in dem kleinen Holländerstädtchen vorzugehen. „Der Falkner hat seinerzeit nach einem halben Tag abgebrochen und gesagt, dass es nichts bringen wird, es sind einfach zu viele Krähen“, berichtet Vogt. Nochmals einen Falkner bestellen kommt für ihn daher nicht in Betracht. Stattdessen setzt er auf die Kooperation der Verwaltungen im Kampf gegen die Krähen.

Im Großen Garten, direkt im Bereich des dortigen ADS-Kindergartens haben auf einem mächtigen Baum bislang schon 14 Krähen ihre Nester gebaut, noch aber nicht mit der Brut begonnen. Am vergangenen Freitag hat die Stadt um eine Sondergenehmigung nachgesucht, dort einen Baumkletterer einsetzen zu dürfen, denn eigentlich endete der Termin für Baumschnittarbeiten am 15. März. „Doch die Nester wurden uns erst später gemeldet“ begründet Vogt den späten Antrag. „Wenn alles klappt, dann könnten wir noch dieser Tage den Kletterer in den Baum schicken. Dort soll er nicht nur die Nester entfernen, sondern vor allem die für deren Bau benötigten dreifachen Astgabeln absägen. Das alleinige Entfernen der Nester bringt nämlich nichts, wie im vergangenen Jahr die Aktion der Feuerwehr gezeigt hat. Nachdem die Bauwerke aus den Baumkronen herausgespritzt worden waren, hatten die intelligenten Vögel sie bereits einen Tag später neu errichtet.

Im Innenstadtbereich von Friedrichstadt haben sich die Krähen eigentlich nur noch im Stadtfeld und im Großen Garten wieder angesiedelt. Die anderen beliebten Nistbäume sind durch die Baumpflegemaßnahmen des vergangenen Jahres verloren gegangen. Stattdessen brüten die unter Schutz stehenden Singvögel nun unter anderem außerhalb des Zentrums an der B 202 , in Höhe der Zufahrt zum Wohnmobilstellplatz und auf den Bäumen in Richtung Bahnhof.

„Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Methoden“, sagt der Bürgermeister und weist daraufhin, dass auch an eine Schallvergrämungsanlage gedacht wird. In Elmshorn startet nämlich in dieser Woche ein landesweit einmaliges Pilotprojekt: Die Stadt will mit einer speziellen Methode die Saatkrähen vergrämen. Über Lautsprecher sollen Panikschreie von Artgenossen, die während einer Beringungsaktion aufgenommen wurden, sowie Rufe von Greifvögeln die Rabenvögel verscheuchen. Nun soll das unscheinbare Gerät einer Firma aus Bosau (Kreis Ostholstein) zum Einsatz kommen. Auf Sylt und Helgoland wurde es bereits erfolgreich gegen Möwen eingesetzt. Rund 3000 Euro kostet die Anschaffung samt Montage. Die Vogelschreie werden in willkürlichen Intervallen abgespielt, damit kein Gewöhnungseffekt eintritt. Denn wie der Einsatz von Schreckschusspistolen gezeigt hat, merken die hochintelligenten Tiere rasch, wenn keine unmittelbare Gefahr besteht.

Im Allgäu, besser in der Stadt Kempten, kommen in diesem Frühjahr High-Tech-Geräte zum Einsatz. Ferngesteuerte Drohnen sollen über den Brutbäumen kreisen, um so die Krähen zu einem Standortwechsel zu bewegen.

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erstellt am 20.Mär.2015 | 12:00 Uhr

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