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Landwirtschaft : Bauern in Not - wohin mit der Gülle?

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zwei Landwirte diskutieren über die Notlösung des Umweltministeriums und berichten von ihrer Situation.

von
erstellt am 07.Dez.2017 | 11:00 Uhr

Ostenfeld | Die Felder sind völlig durchnässt und nicht befahrbar – und das seit Monaten. Für die Bauern in Nordfriesland – vor allem in der Geestregion – ist das ein großes Problem. Sie können die Gülle nicht ausbringen – die schweren Trecker und Anhänger würden im matschigen Boden einsinken. Nicht wenige haben sich schon ihre Koppeln kaputtgefahren. Hinzu kommt, dass sich die Situation sobald nicht entspannen wird, weil Gülle nur zu bestimmten Zeiten ausgebracht werden darf – und aktuell ist Sperrzeit. Deshalb erlaubt das Umweltministerium in Kiel nun eine Notlösung. Bauern dürfen in den kommenden Monaten unter strengen Auflagen provisorische Lagerbecken für Gülle errichten.

„Es war ein furchtbares Erntejahr. Nasser geht es kaum“, sagt ein Landwirt aus der Umgebung von Viöl, der in vierter Generation einen Betrieb mit rund 200 Rindern bewirtschaftet. Er habe Glück gehabt, weil er im August den dritten Grasschnitt machen und gleich darauf seine Gülletanks so gut wie leer fahren konnte. Doch viele seiner Kollegen hätten das eben nicht mehr geschafft. Und nicht nur die Güllemenge an sich ist ein Problem, sondern auch das ständig hinzukommende Regenwasser, das die Lagerkapazitäten mindert. „Die Güllebehälter sind oben offen. Die Niederschlagsmenge liegt in diesem Jahr durchschnittlich bei rund 1200 Millimetern pro Quadratmeter. Normal sind 800 Millimeter. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen vier Meter hohen Behälter. Davon sind dann 1,2 Meter nur mit Wasser belegt“, erklärt er und fügt nach einem Blick auf den Wetterbericht hinzu: „Und in den nächsten Tagen soll es regnerisch bleiben.“ Die Notlösung, die jetzt angeboten wird, sieht der Landwirt allerdings auch kritisch. „Ein Loch zu baggern und eine Folie einzulegen sehe ich als nicht sehr sinnvoll, da eine zugelassene, stabile Folie sehr teuer ist und bei unserem derzeitigen hohen Grundwasserstand das Loch gleich voll stehen würde.“ Dann könne man keine Gülle mehr einfüllen.

Hans-Christian Kühl aus Ostenfeld bewirtschaftet einen Hof mit rund 650 Rindern. Auf die Frage, ob die Notlösung denn auch wirklich genutzt wird, antwortet er: „Das denke ich schon, die Not ist momentan groß. Mit dieser Möglichkeit kommt uns das Landwirtschaftsministerium einen großen Schritt entgegen. Ich schätze, dass das Robert Habeck hoch angerechnet wird.“ Zwar habe auch er den dritten Grasschnitt machen können, doch wenn sich das Wetter nicht ändert und er im Frühjahr nicht fahren kann, sehe es für ihn ebenfalls düster aus. „Dann kann es sehr gut sein, dass wir auf die Notlösung zurückgreifen müssen.“





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