Zugverkehr : Barrierefreiheit hat Grenzen

In Husum gelangt Heiko Köppen problemlos auf den Bahnsteig und in den Zug. Foto: djs
In Husum gelangt Heiko Köppen problemlos auf den Bahnsteig und in den Zug. Foto: djs

Rollstuhlfahrer können zwischen Husum und St. Peter-Ording nur mit Voranmeldung aussteigen.

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26. Februar 2013, 08:06 Uhr

Husum | Spontane Ausflüge mit der Bahn nach Eiderstedt sind für Heiko Köppen nicht drin. Der 35-jährige Husumer leidet seit 1999 an einer Halbseitenlähmung, ist deshalb auf den Rollstuhl angewiesen. Doch auf der Strecke zwischen Husum und St. Peter-Ording sind nur die beiden Endbahnhöfe (Husum und Ording) barrierefrei ausgebaut. Das Bahnhofs- und Zugpersonal hat die Anweisung, Rollstuhlfahrer, die zwischen der Stormstadt und dem Badeort, bespielsweise in Tönning oder Garding, aussteigen wollen, nicht zu befördern.

Doch damit will sich Köppen nicht zufrieden geben. Er engagiert sich im Sozialverband, hat auch dort zu vielen Leidensgenossen Kontakt. Und er ist jemand, der "den Mund aufmacht". Köppen hat die Bahn in dieser Angelegenheit schon "ein paar Mal angeschrieben", zuletzt im November vergangenen Jahres, wie er sagt. Eine Antwort erhielt er bislang nicht. Er fordert, "dass auf dieser Strecke eine Lösung angeboten wird". Im Moment werde für ihn die Strecke mit Nein verkauft.

"Klar, kostet es Geld, mal eben auf sechs bis sieben Bahnhöfen die Bahnsteige zu erhöhen oder mehr Personal einzusetzen", weiß er. Doch in Zeiten, in denen der Tourismus wächst und Barrierefreiheit mehr und mehr zur Normalität werde, müsse die Bahn gerade auf dieser Strecke Taten folgen lassen. Schließlich gebe es auch Rollstuhltaxis und mobile Hebebühnen. Doch die Hublifte, mit denen der große Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Wagon ausgeglichen werden könnte, die zudem längst nicht auf allen Bahnhöfen vorhanden sind, dürfen auch nur von speziell geschulten Mitarbeitern bedient werden. "Es dreht sich nicht nur schwerpunktmäßig um mich, aber es sind an mich Beschwerden herangetragen worden, deshalb wollte ich etwas tun", betont der 35-Jährige, der Zuhause einen Rollstuhl, den er mit Muskelkraft bewegt, benutzt. Wenn er das Haus verlässt, hilft Elek trokraft.

"Bis auf Weiteres können wir aus Sicherheitsgründen keine Rollstuhlfahrer in den Zügen des Typs LINT befördern, da an vielen Bahnhöfen die Bahnsteighöhe zum Einstieg nicht gegeben ist", bestätigt Angelika Theidig aus der Hamburger Pressestelle der DB Mobility Logistics. Derzeit werde seitens der Regionalbahn Schleswig-Holstein - die auch die Strecke von Husum nach St. Peter betreibt - an einer Lösung für einen ungehinderten Ein- und Ausstieg gearbeitet. Einen Zeitrahmen könne sie jedoch nicht nennen. Heiko Köppen darf also nicht hoffen, dass sich an der Misere in absehbarer Zeit etwas ändert. Theidig: "Derzeit gibt es seitens des Landes und der DB keine Pläne zum barrierefreien Ausbau."

Die Bahn-Pressesprecherin betont zudem, dass an rund 300 Bahnhöfen Mitarbeiter für die Begleitung und Hilfe beim Ein-, Um- und Aussteigen verantwortlich seien. Allerdings gehören die betroffenen Stationen zu den Bahnhöfen des sogenannten Flächenpräsenzmodells. Dort sei eine vorherige telefonische Anmeldung unter der kostenpflichtigen Nummer 01805/512512 bis zum Vortag der Reise möglich.

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