zur Navigation springen

200 Meter hohe Giganten : Bargum als Testfeld für Windanlagen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Heute (18.) entscheidet der Bargumer Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung über die Genehmigung von vier 200 Meter hohen Siemens-Anlagen. Die Kommune würde jährlich je Megawatt 15.000 Euro Gewerbesteuer kassieren.

92 Bargumer kamen zur zweiten Einwohnerversammlung zum Thema Windkraft ins Gemeindehaus – für den stellvertretenden Bürgermeister Sönke Heinrich Paulsen nicht genug, um eine Abstimmung durchzuführen.

Bereits vor knapp zwei Monaten hatte eine erste Zusammenkunft kein eindeutiges Meinungsbild und somit kein konkretes Ergebnis erbracht (wir berichteten). Es stellt sich die Frage, ob die Gemeinde einen Bürgerwindpark planen oder einen Investor einspringen lassen will.

Paulsen begrüßte unter anderem den Planer und Mitgeschäftsführer der OffTEC Base, Marten Jensen. „Es geht um einen Bürgerwindpark für Bargum, nichts anderes. Das kam bisher nicht deutlich rüber“, erklärte Jensen einleitend. Jeder Bürger werde sich mit bis zu 40.000 Euro beteiligen können, wenn das Projekt zustande käme. Voraussetzung sei grünes Licht von Seiten der Gemeinde. Das werde bis Ende August benötigt. Ansonsten sei alles schon abgeklärt. Wegen der zu erwartenden hohen Renditen von bis zu 400 Prozent nach 20 Betriebsjahren hätten die Banken der Region bereits signalisiert, Kredite vergeben zu wollen.

Vier Mühlen sind im Bereich nordwestlich Bargums – in der Gemarkung Scheinmark – geplant. Sie sollen in Quadratform aufgestellt werden. Die Firma Siemens will dort zum bereits in Enge-Sande vorhandenen Testgelände ein zweites einrichten. Dort sollen ebenfalls Monteure für den Offshore-Betrieb ausgebildet werden. Dazu gehören Trainingseinheiten, wie Abseilen, Retten und Bergen mit Helikoptern. Der Vorteil des Standortes sei die Nähe zur B  5 in rund einem Kilometer. Die in Richtung Bargum stehenden beiden Anlagen werden knapp 200 Meter hoch und sollen im Abstand von zwei Kilometern parallel zur Dorfstraße stehen. Die beiden weiteren werden Enge-Sande deutlich näher „auf die Pelle rücken“. Dort bestehe aber Akzeptanz bei den Bürgern. Der gesetzlich vorgeschriebene Schalldruckpegel von 45 Dezibel für die Nacht, werde laut Gutachten unterschritten. Auch das Immissionsgutachten spreche eine positive Sprache. Schattenwurf sei kein Thema. Ob eine bedarfsgerechte Befeuerung an den beiden Mühlen installiert werden sollte, müsse geklärt werden. Wirtschaftlich sei das bei einem Anschaffungspreis von 650.000 Euro pro Stück nicht. Allein, so erläuterte Jensen weiter, weil es sich um ein Industrieprojekt handelt, konnte die ansonsten auf Rot stehende Ampel „charakteristischer Landschaftsraum“ deswegen ausgeschaltet werden. Das hätten bisher alle befragten Träger öffentlicher Belange (TöB) sowie das Ministerium nach diversen Gesprächen bestätigt. Das Naturschutzgutachten hat Dr. Walther Petersen-Andresen erstellt.

Eine Bürgerin warnte davor, die Landschaft noch mehr mit Windkraftwerken wie beispielsweise in Langenhorn zu bepflastern. Die Anlagen seien wesentlich höher als die landschaftstypischen Kirchtürme. Die Sache mit dem Schall sei Augenwischerei. Man höre die Geräusche durchaus. „Wenn Sie sich beteiligen, sehen Sie das anders“, konterte jemand aus der Runde. „Wir müssen nur wissen, ob wir mit Bargum rechnen können. Wenn keine Akzeptanz von Bürgerseite und vom Gemeinderat besteht, ziehen wir uns zurück. Alternativen sind vorhanden. Bargum wird von Siemens favorisiert. Die Chance für Ihr Dorf wäre dann aber vertan“, betonte Jensen. Die Kommune würde sich um etwa 15.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen pro Megawatt jährlich bringen. Den Vorschlag eines Bürgers, eine spontane Abstimmung zu machen, lehnte Paulsen mit der Begründung ab, dass nicht alle der gut 200 Einwohner erschienen waren. Er bot an, dass jeder Bürger den Gemeindevertretern oder ihm seine Meinung vortragen könne. Das würde die Entscheidung in der nicht-öffentlichen Gemeinderats-Sitzung erleichtern. Das Gremium tagt heute, 18. August.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Aug.2015 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen