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Husum : Bangen um Lösung für Senvion-Standort

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Wirtschaftsminister mahnt die Arbeitnehmer-Vertreter zu raschen Verhandlungen um ein Service-Zentrum in Husum.

von
erstellt am 06.Jun.2017 | 13:00 Uhr

Der Hammer ist gefallen, und das nicht nur sinnbildlich: Der Windkraftanlagen-Hersteller Senvion hat – wie angekündigt – die Produktion in seinem Husumer Betrieb Ende vergangener Woche eingestellt. Die rund 100 von der Werkschließung betroffenen Arbeitnehmer sind nach Gewerkschafts-Angaben zurzeit größtenteils bei vollen Bezügen freigestellt, da betriebsbedingte Kündigungen erst möglich sind, wenn es einen Sozialplan gibt. Alle Hoffnungen knüpfen sich nun daran, auf dem Betriebsgelände in der nordfriesischen Kreisstadt ein Service-, Wartungs- und Reparaturzentrum zu etablieren. Ein Konzept dafür haben die Betriebsräte ausgearbeitet (wir berichteten).

Während innerbetrieblich um einen Interessenausgleich gerungen wird, ist hingegen über das Husum-Konzept mit der Geschäftsführung des Verluste schreibenden Anlagenbauers offensichtlich noch nicht verhandelt worden. Das liegt auch daran, dass es nicht nur um den Standort in Nordfriesland geht, sondern auch Werke im brandenburgischen Trampe und in Bremerhaven geschlossen und insgesamt rund 730 Stellen abgebaut werden sollen.

Und diese komplexe Situation ist es auch, die den scheidenden Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) umtreibt. Er sorgt sich, dass seitens der Arbeitnehmer-Vertreter eine Gesamtstrategie für alle vom Aus bedrohten Senvion-Standorte verfolgt wird und dadurch womöglich das Zeitfenster für eine Lösung in Husum zugeht. Für diesen Standort gebe es ein Alternativ-Konzept, das auch Reinhard Meyer für sehr gut hält und das den Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive eröffne. Seine Botschaft: „Je schneller man dieses Konzept der Senvion-Geschäftsführung nahe bringt, desto höher sind die Chancen, für den Standort Husum etwas zu erhalten. Wenn man diese Chance jetzt nicht ergreift, dann wird es eher schwierig“, mahnt er.

Reinhard Meyer hatte nach eigenen Aussagen zuletzt am 19. Mai mit dem Betriebsrat und der IG Metall zusammengesessen und danach in Hamburg gegenüber der Senvion-Geschäftsführung deren Konzept für den Standort Husum angekündigt. Dort sei ihm auch bedeutet worden, dass die Zeit drängt. Nachdem bereits zwei Wochen ins Land gegangen sind, sagte Meyer nun gegenüber unserer Zeitung: „Mein Gefühl ist es, dass seitens der Belegschaften jetzt sehr schnell etwas für Husum getan werden muss.“

Martin Bitter, Geschäftsführer der IG Metall Rendsburg, kann Meyers Argumentation zwar nachvollziehen. Er hält aber viel davon, „die betroffenen Standorte im Zusammenspiel zu betrachten“ – auch damit diese aus Arbeitnehmersicht nicht gegeneinander ausgespielt werden könnten. Fragen der strategischen Ausrichtung ließen sich nicht einzeln regeln, machte er deutlich. Sowohl die IG Metall als auch der Arbeitgeber Senvion hätte bei drei betroffenen Bundesländern ein Interesse daran, sich auf Konzernebene mit Lösungen zu befassen. Auf dieses Verfahren habe man sich denn auch verständigt.

Bitter verwies auf Anfrage darauf, dass Senvion nur sehr schleppend Informationen zur Verfügung stelle, dass es dieser aber bedürfe, um das Alternativ-Konzept für Husum mit weiteren Fakten zu unterlegen. Gleichwohl erwartet er, dass es in der nächsten Woche zu konkreten Gesprächen über das geplante Service-, Wartungs- und Reparaturzentrum kommen könnte. „Denn dafür bietet sich Husum nach wie vor an“, bekräftigte Bitter. Der Arbeitgeber wäre aus seiner Sicht gut beraten, sich ernsthaft mit dem plausiblen und glaubwürdigen Vorschlag zu beschäftigen. Allerdings, so räumt er ein: „Alle Signale bisher gehen in eine andere Richtung.“

Weil das so ist, hatte sich auch Nordfrieslands Kreistag zuletzt mit einer einstimmigen Resolution an die Senvion-Konzernspitze gewandt. Die gemeinsame Botschaft der sieben Fraktionen: Dem wirtschaftlich überzeugenden Alternativkonzept der Betriebsräte müsse „eine wirkliche Chance auf Umsetzung“ gegeben werden.

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