Bildungsministerin in Bredstedt : Bangen um die Existenz der Grundschulen

Auf dem Podium diskutierten Britta Ernst, Daniel Thomsen und Siegfried Puschmann (v. l.).
Auf dem Podium diskutierten Britta Ernst, Daniel Thomsen und Siegfried Puschmann (v. l.).

Bei der Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft für Bildung diskutierte Schleswig-Holsteins Schulministerin Britta Ernst über den Entwicklungsplan des Kreises Nordfriesland.

shz.de von
13. Mai 2015, 11:30 Uhr

Aufgrund sinkender Schülerzahlen droht mehreren Grundschulen nicht nur in Nordfriesland das Aus. „Die Diskussion über den gegenwärtigen Schulentwicklungsplan des Kreises Nordfriesland ist ein heißes Thema“, berichtete der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB), Thomas Löwenbrück, zur Jahresversammlung in der Bredstedter Gemeinschaftsschule. „Wir haben im Moment keine Ressourcen, um Standorte zu erhalten, die unter die Mindestgröße von 80 Schülern rutschen“, betonte Schleswig-Holsteins Schulministerin Britta Ernst. Hintergrund sei, dass dann an anderen Schulen Lehrer fehlen. „Die Unterrichtsversorgung würde sich dort verschlechtern, um kleine Standorte zu sichern.“

Für Außenstellen von Grundschulen ist die Mindestgröße von 44 auf 27 Schüler heruntergesetzt worden, signalisierte die Ministerin entgegenkommend. Im Gegenzug wird ein Konzept für den jahrgangsübergreifenden Unterricht der Klassen eins bis vier und die Verlässlichkeit der Grundschule erwartet.

Ob eine kleine Schule qualitativ wirklich das richtige Angebot ist, solle vor Ort überlegt werden. „Nutzen Sie die Zeit, um zu diskutieren, konzeptionell zu überlegen und sich nicht zu zerstreiten. Der demographische Wandel ist eine objektive gesellschaftliche Entwicklung, auf die wir klug reagieren müssen und an der niemand Schuld hat“, appellierte Ministerin Britta Ernst eindringlich an die Schulleiter, Lehrkräfte und Eltern. Begleitet werde dieser Prozess nicht durch mehr Lehrerstellen, wohl aber durch investive Mittel aus einem Europäischen Programm des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. So sei es beispielsweise möglich, für ein neues Bildungszentrum, für die Vernetzung mehrerer Schulen und für die Integration einer Kita Gelder zu bekommen.

Der Schulentwicklungsplan belege, dass „die Zahl der Schüler an sehr, sehr vielen Schulen dramatisch zurückgeht, wenn sich nichts verändert“, erklärte Daniel Thomsen, Fachbereichsleiter für Jugend, Familie und Bildung beim Kreis Nordfriesland: „Bei vier bis fünf Grundschulen wird die Mindestzahl unterschritten.“ Durch Kooperationen entwickelt der Kreis eine Bildungslandschaft, womit Standortfragen der Grundschulen gelöst werden könnten.

Siegfried Puschmann, schulpolitischer Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion und Vorsitzender des Schulausschusses der Gemeinde Bordelum, berichtete von Konfrontationen im Hinblick auf einen gefassten Beschluss der Schulrätin und des früheren Schulverbandsvorstehers über den Verlust der Eigenständigkeit und der Schließung der Grundschule Bordelum. Puschmann betonte in Anwesenheit der Schulministerin: „Wenn wir uns allein in die Abhängigkeit der unteren Schulbehörde und Schulrätin begeben, dann haben wir schon verloren.“

Eine Moderation der Prozesse zur Entwicklung von Schulstandorten, wünscht sich Ulf Daude, AfB-Landesvorsitzender und AfB-Bundesvorstand. Aus seinen Erfahrungen als stellvertretender Grundschulleiter weiß er, dass die Betroffenheit in den Gemeinden sehr groß ist, wenn es um die Zusammenlegung oder Schließung geht: „Das Wichtigste ist, aufeinander zuzugehen und in den Dialog zu treten.“
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