Platzhalter aus Husum : Band mit Hang zum Perfektionismus

In der Ruhe liegt die Kraft: Die kreativen Köpfe von Platzhalter glauben, endlich ihren eigenen Stil gefunden zu haben.
In der Ruhe liegt die Kraft: Die kreativen Köpfe von Platzhalter glauben, endlich ihren eigenen Stil gefunden zu haben.

Fünf Theodor-Storm-Schüler machen als Platzhalter zusammen Musik – und stellen ihren ersten Tonträger am 15. Mai im Husumer Speicher vor.

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08. Mai 2015, 16:00 Uhr

Mathematiker sehen darin eine Rechengröße, Informatik-Freaks das Jokerzeichen und in der Typografie redet man vom Blindtext. Der Begriff Platzhalter hat viele Bedeutungen. Fünf Theodor-Storm-Schüler haben ihm eine neue hinzugefügt – eine klangvolle. Als „namenlose Band“, so plaudert Bassist Simon Carstensen (17) aus dem Nähkästchen, sei das Quintett vor seinem ersten Auftritt beim Schulfest im Sommer 2012 verzweifelt darum bemüht gewesen, diesen Missstand zu beheben. „Wir haben dann ,Platzhalter‘ eingesetzt, um ihn irgendwann mal zu ersetzen“, erklärt sein zwei Jahre älterer Bruder Jonas, der in der Gruppe Gitarren-Sound und zweite Stimme beisteuert: „Das ist dann nicht passiert!“

Beim Treffen mit Platzhalter wird schnell deutlich, dass die Kreativität – von der die fünf eine Menge in die Waagschale zu werfen haben – denn auch lieber in die eigene Musik gesteckt wird als in die Suche nach einem passenden Namen. Ausbund dieser Kreativität ist die erste EP (Extended Play: Tonträger zwischen Single, also Short Play, und Album, respektive Long Play; Anm. d. Red). Die nennt sich „Augen auf“ und soll am Freitag, 15. Mai, veröffentlicht werden. Dazu laden neben den bereits erwähnten Geschwistern aus Norstedt Daniel Hötker (19-jähriger Synthesizer-Spieler aus Husum), Sascha Schulz (der 18-jährige Husumer ist Sänger und Gitarrist) sowie Eddy Sonnenschein (17 Jahre alt, kommt aus Bordelum und sitzt am Schlagzeug) in den Speicher ein. Die Release-Party in der Hafenstraße beginnt um 20.30 Uhr. Als Support konnte Days of Dinosauriers gewonnen werden.

Mit der Vorgruppe aus Dänemark hat Platzhalter einiges gemein. Beide Bands gründeten sich 2012 und stecken sich selbst in die ausladende Schublade mit dem Etikett „Indie-Rock“. Während die befreundeten Musiker aus dem nördlichen Nachbarland auf dieser Grundlage harmonische Gesangs-Stimmen und massive Gitarren-Sounds zu einer vielschichtigen Performance vereinigen, liebäugeln die Husumer am ehesten mit der Beschreibung „tanzbar“. Das lässt eine Menge Raum für Interpretationen und wird auch nicht konkreter, wenn sich die Jungs auf die Verlautbarung verständigen, „in unserer jüngsten Serie selbst geschriebener Songs schließlich unseren einzigartigen Stil- und Sound-Vorstellungen gerecht geworden zu sein“. Hört sich erstmal danach an, dass sich fünf Nachwuchs-Musiker die Latte freiwillig ziemlich hoch gelegt haben.

In der Tat warten die sechs Stücke „Augen auf“, „Durch Raum und Zeit“, „Für die Ewigkeit“, „Nichts Hinter Uns“, „Pfadfinder“ und „Sturm Auf Bastille“ mit einer sehr individuellen Note auf. Experimentierfreudig rollt Platzhalter einen Klangteppich aus, der ob seiner Melodiösität und der zum Teil psychedelisch anmutenden Versatzstücke wie eine komplexe Einladung zur Entschleunigung daherkommt. Sascha Schulz wagt sich dabei mit seinen Texten auf jenes dünne Eis, auf dem schon so manch ein Sänger als reiner Phrasendrescher eingebrochen ist. Am Ende bleibt er auch deshalb standhaft, weil Sätze wie „Für die Ewigkeit bestimmt, für den Moment nur verborgen“ und „Die Jahre vergehen, die Liebe bleibt stehen“ im Kontext des jeweiligen Liedes durchaus Sinn machen, ja manchmal sogar Charme haben. „Ich singe nie über abgehobene Themen, beschreibe vielmehr Alltags-Situationen und Gefühle, die ich wahrnehme – mit einem sehr künstlerischen Anspruch“, erklärt der 18-Jährige mit der angenehmen Stimme, die alles andere als ein Platzhalter ist.

Da ist er wieder, der Hang zur Vollkommenheit, der der Band mitunter selbst im Weg zu stehen scheint. „Wir arbeiten sehr akribisch, brauchen lange für ein Stück, bis es in unseren Augen perfekt ist“, gibt Jonas Carstensen denn auch zu. Entsprechend eng wurde es im Hamburger Tonstudio Yeah! Yeah! Yeah!, wo das halbe Dutzend Songs in vier Tagen abgemixt werden musste. Das gelang Platzhalter nur mit Hilfe von Betreiber Dennis Rux. Der professionellen Vorarbeit des Produzenten gab mit Luca Krahnen zu Hause „ein erfahrener Kumpel“ den Feinschliff.

Die Hälfte der EP erarbeitete sich die Band, die in ihrer Anfangszeit noch Lieder der Red Hot Chili Peppers nachgespielt hat, im vergangenen Sommer eine Woche lang in einer leeren Lagerhalle in Leipzig. Geprobt wird jeden Sonntag für vier Stunden in der Aula der Theodor-Storm-Schule. „Wir haben dafür die Schlüssel und können die gesamte Schultechnik nutzen“, bedankt sich die Gruppe bei Jens Wielert, dem Leiter der Fachschaft Musik am Gymnasium, für dieses freundliche Entgegenkommen. Vorbildlich.

Doch selbst hat man keinerlei Vorbilder. „Wir orientieren uns an niemandem“, sagt Jonas Carstensen: „Wir versuchen, unseren eigenen Stil und Sound zu finden!“ Ob ihnen das wirklich gelungen ist, mag das Speicher-Publikum am 15. Mai selbst entscheiden.

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