Tragisches Unglück bei Garding : Bahnunfall: Ursache noch nicht geklärt

Nach gut einer Stunde konnten die unverletzten Fahrgäste den Zug verlassen. Sie wurden über eine Wiese geführt, damit sie nicht am Autowrack vorbeigehen mussten.
Nach gut einer Stunde konnten die unverletzten Fahrgäste den Zug verlassen. Sie wurden über eine Wiese geführt, damit sie nicht am Autowrack vorbeigehen mussten.

Am Tag nach dem Unfall bei Garding waren weder Autofahrer, Beifahrerinnen noch Lokführer ansprechbar. Die Bahn bezeichnet zusätzliche Sicherungstechnik an der Strecke als unverhältnismäßig.

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13. Mai 2015, 07:00 Uhr

Den 11. Mai 2015 werden Gardings Wehrführer Matthias Trapp, die 72 Feuerwehrmänner und die weiteren gut 70 Rettungskräfte wohl nie vergessen. Am späten Montagnachmittag waren sie zu dem tragischen Unfall an einem unbeschrankten Bahnübergang in Kirchspiel Garding gerufen worden (wir berichteten). Bei dem Zusammenstoß von Auto und Regionalbahn war ein fünfjähriger Junge ums Leben gekommen. Seine Großeltern (66 und 64 Jahre alt), seine Mutter (36) und seine Schwester (1) waren schwerverletzt worden. Die Familie aus Hamburg machte Urlaub auf Eiderstedt. Nur noch 200 Meter und der Bahnübergang trennten sie von ihrem Quartier auf einem Ferienhof. Drei der 49 Fahrgäste und der Lokführer erlitten einen Schock, zwölf ein Schleuder-Trauma.

Matthias Trapp, der die Einsatzleitung hatte, ist sichtlich bewegt von den Ereignissen des Vortages: „Wir hatten langen keinen Einsatz mehr, der die Kameraden so betroffen hat. Weil Kinder beteiligt waren. Das ist immer noch etwas anderes.“ Die Gardinger Wehr war mit 43 Mitgliedern schnell vor Ort. Da hatten schon Ersthelfer die Kinder, die Mutter und die Oma aus dem völlig zerstörten Audi gezogen. Der Großvater, der am Lenkrad gesessen hatte, musste von der Feuerwehr befreit werden, da sich die Fahrertür nicht öffnen ließ. „Insofern hatte die Familie sehr viel Glück in ihrem Unglück, dass ihr gleich Erste Hilfe geleistet wurde“, so Trapp. Unter den Ersthelfern war ein Feuerwehrmann aus Tating, der den Knall des Zusammenpralls gehört hatte und gleich zur Unfallstelle geeilt war. Einer der Zugfahrgäste war ein THW-Mitglied, der den Verletzten ebenfalls sofort zur Hilfe kam.

Was zu dem Unfall geführt hat, konnte bislang noch nicht ermittelt werden, wie die Bundespolizei mitteilt, da der 66-jährige Fahrer noch in Lebensgefahr schwebt. Auch seine Frau, die Mutter der Kinder sowie der Lokführer konnten noch nicht vernommen werden. Er hatte den Wagen bemerkt, die Kollision trotz Hupens und Vollbremsung aber nicht mehr verhindern können. Das Unfallauto wurde von der Staatsanwaltschaft zur weiteren Untersuchung sichergestellt. Der Bahnübergang ist nur mit einem Andreaskreuz gesichert, die Strecke aber in beide Richtung gut einsehbar. Es gilt für Fahrzeuge Tempo 20. Niemand kann sich bislang die Unfallursache erklären.

Fakt ist aber, dass es auf der Strecke Husum-St. Peter-Ording in den vergangenen Jahren immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Zug und Pkw an unbeschrankten Übergängen gekommen ist, von denen es einige auf der Halbinsel gibt. Das Archiv der Husumer Nachrichten weist zwischen 2003 und 2013 zwölf Unfälle aus. Oft hatten die Autofahrer Glück und blieben unverletzt. Aber es hat auch Tote gegeben, wie im November 2003 bei Ingwershörn, im September 2005 bei Witzwort, 2007 bei St. Peter-Ording und zuletzt im April 2012 am selben Bahnübergang.

So wurden immer wieder Stimmen laut, die nur mit Andreaskreuz gesicherten Übergänge auf Eiderstedt mit einem Blinklicht zu versehen. Auf Anfrage weist die Deutsche Bahn als Streckenbetreiberin auf die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) hin. Demnach sind an eingleisigen Nebenstrecken wie auf Eiderstedt, die mit Geschwindigkeiten von maximal Tempo 80 befahren werden, nicht technisch gesicherte Bahnübergänge zulässig. Dort ist also die Aufmerksamkeit des Fahrzeuglenkers gefragt. Auf Eiderstedt gibt es laut Bahn insgesamt 73 Übergänge, von denen einige auch an kleineren Straßen oder Feldwegen liegen. Etliche von ihnen sind nur mit Andreaskreuz gesichert. Der Einbau von weiterer Technik wäre unverhältnismäßig, so die Bahn. Über 90 Prozent der Kollisionen bundesweit seien auf das Fehlverhalten von Verkehrsteilnehmern zurückzuführen. Im Jahr 2012 wurden laut Statistik in Deutschland 193 Unfälle an Bahnübergängen gezählt, bei denen 44 Menschen starben.

Die Feuerwehrleute aus Garding, Tating und Welt, die sich auch um die Bahnreisenenden kümmerten und sie über eine Wiese zur weiteren Betreuung in ein Gardinger Seniorenwohnheim brachten, müssen mit ihren tragischen Eindrücken nicht allein bleiben. Nicht nur am Unfalltag selbst waren Notfallseelsorger und psychosoziale Betreuer vor Ort. Sie können sich jederzeit an eine Service-Hotline des Kreisfeuerwehrverbandes wenden und dort über das Erlebte sprechen.

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