Auswirkungen in Husum : Bahn-Streik wird mit Fassung getragen

Wann kommt der Bus? Statt auf dem Bahnsteig warten die Fahrgäste jetzt auf dem Vorplatz des Bahnhofs.
Wann kommt der Bus? Statt auf dem Bahnsteig warten die Fahrgäste jetzt auf dem Vorplatz des Bahnhofs.

Die Reisenden nach Kiel und St. Peter-Ording nehmen den Ersatzverkehr hin, aber die Wut auf den Chef der Lokführergewerkschaft wächst. Busfahrer bezeichnen die Stimmung dennoch als entspannt.

shz.de von
06. Mai 2015, 06:30 Uhr

Der Streik bei der Deutschen Bahn ist in die nächste Runde gegangen – und dieses Mal sollen die Züge nach Willen des GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky knapp eine Woche lang in den Depots stehen bleiben. Dass die Gewerkschaft der Lokomotivführer ihre Mitglieder zum achten Mal in diesem Jahr zur Arbeitsniederlegung aufgerufen hat, trifft auch Husum – allerdings nicht so stark wie andere Bahnknotenpunkte, denn die Nord-Ostsee-Bahn (NOB), die den Löwenanteil auf der Marschbahnstrecke zwischen Hamburg und Westerland fährt, wird nicht bestreikt. Betroffen sind nur die Verbindungen nach St. Peter-Ording und Kiel.

Konnte die GDL bei den ersten Streiks noch größtenteils auf einer Welle der Sympathie in der Bevölkerung schwimmen, so ist die Stimmung bei den Bahnkunden jetzt ins Gegenteil umgeschlagen. So richtig verstehen kann Merle Jarasinski aus Tönning den wiederholten Streik nicht. „Ich weiß nicht, was die Lokführergewerkschaft überhaupt noch will“, sagt die Schülerin etwas ratlos, während sie am Husumer Bahnhof wartet. Ihr Zug ist gestrichen worden. „Ich habe mich allerdings frühzeitig im Internet über den Ersatzverkehr informiert.“ Dabei hofft sie, dass die Abfahrtszeiten der kurzfristig eingesetzten Busse stimmen. „Beim letzten Streik konnte man sich darauf leider absolut nicht verlassen.“ Einen Unterschied gegenüber dem Streik von vor wenigen Wochen ist ihr dennoch aufgefallen: „Die Informationspolitik der Bahn ist jetzt deutlich besser geworden.“

Kritik gibt es auch von Dr. Armin Teschner aus Schleswig. „Eine Schlichtung wäre schon lange möglich und fällig gewesen“, so die Einschätzung des Vorsitzenden Richters am Oberlandesgericht. Über die meisten Forderungen hätten sich Bahn und GDL bereits geeinigt. Die Weigerung von Gewerkschaftsführer Weselsky sei nicht mehr nachvollziehbar, so der Jurist. „Ich habe öfters mit Schlichtungen zu tun und weiß daher, dass sie eine gute Möglichkeit zur Einigung sind.“ Auf dem Weg in den Kurzurlaub nach Pellworm musste er eine ganze Stunde früher losfahren, um mit dem Ersatzbusverkehr die Fähre rechtzeitig zu erreichen.

Kein Verständnis für den wiederholten Streik zeigt auch das Ehepaar Margarete und Helmut Bach aus Waldeck/Frankenberg. „Zum Glück sind wir bisher mit dem Auto gefahren.“ Eigentlich wollten sie sich über die Abfahrtszeiten nach Sylt erkundigen. „Da jedoch nur jeder zweite Zug fährt, kommt für uns eine Bahnfahrt nicht in Frage“, so Margarete Bach. Sie hält die Auseinandersetzung für ein unsägliches Machtspiel. „Weselsky besteht auf seinem Recht und hat nicht verstanden, dass er den Bezug zur Wirklichkeit längst verloren hat“, merkt ihr Ehemann an.

Bis Husum ging noch alles gut. Doch hier endete für die Kegelgruppe aus Warendorf bei Münster erst einmal die Urlaubsreise nach St. Peter-Ording. Auch Gruppenleiterin Renate Osthoff schimpft über den Gewerkschaftsführer. „Er soll endlich mal die Scheuklappen abnehmen und die Wahrheit erkennen.“ Längst habe er das Ziel der Gewerkschaft aus den Augen verloren. „Sein Verhalten ist egozentrisch“, so ein weiteres Mitglied der Gruppe. „Für ihn zählt nur noch der Wunsch, als Gewinner gegenüber der Bahn in die Geschichtsbücher einzugehen.“

Verwunderlich ist, dass die Bahnreisenden den erneuten Streik zum großen Teil einigermaßen mit Fassung tragen. Diese Einschätzung jedenfalls ist von verschiedenen Busfahrern zu hören. „Wir haben einen zusätzlichen Stress-Faktor erwartet“, so einer der Fahrer. Doch zum Glück seien die Fahrgäste meist ruhig und zum Teil sogar fröhlich. Auch von der Pressestelle der Deutschen Bahn in Hamburg kommen entspannte Signale. „Der Ersatzfahrplan ist stabil angelaufen“, heißt es dort. Die Strecke Husum-Kiel würde zu 50 Prozent bedient. Aus dem Einstundentakt sei ein Zweistundentakt geworden. „Dafür fahren die Züge aber pünktlich ab“, stellt die Pressesprecherin klar. Für die Strecke Husum-St. Peter-Ording sei ein Ersatzbusverkehr eingerichtet worden. „Hierfür setzen wir zum großen Teil unternehmenseigene Busse ein.“ Es gehe darum, den Kunden einen so zuverlässigen Dienst wie möglich anzubieten.

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