Husums neues Hallenbad : Bad: Schmitz räumt Versäumnisse ein

Künftig können Husumer und Gäste bei Obi abtauchen. Die dortigen Flächen hat die Stadt für 680  000 Euro gekauft.
Künftig können Husumer und Gäste bei Obi abtauchen. Die dortigen Flächen hat die Stadt für 680 000 Euro gekauft.

Die Stadtvertretung in Husum entscheidet sich endültig für den Standort im Gewerbegebiet.

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30. Juni 2018, 09:00 Uhr

Es wurde viel gesagt in der Debatte um den Standort des neuen Hallenbads – und das meiste mehrfach: Auf der Sitzung der Stadtvertreter am Donnerstag fand sich das Thema zum letzten Mal auf der Tagesordnung – die endgültige Entscheidung stand an. Erwartungsgemäß fiel das Votum gegen die drei Stimmen der WGH-Politiker für die Fläche im Gewerbegebiet. Zuvor erklärten sich alle an der Debatte beteiligten Parteien noch einmal.

Eingeleitet wurde die Diskussion von einer kleinen Grundsatzrede des Bürgermeisters: Uwe Schmitz räumte Versäumnisse der Verwaltung in der Kommunikation zwischen den verschiedenen Gremien ein. „Und auch die Information der Öffentlichkeit hätte besser laufen können.“ Dies bedaure er.

Gleichzeitig aber forderte er die selbst ernannten „Hallenbad-Experten“, deren Anzahl sich in Husum nun „ins schier Unermessliche erhöht“ habe, dazu auf, sich und ihre Haltung auch einmal kritisch zu hinterfragen. In Anspielung auf das Interview unserer Zeitung mit dem Vorstand des Commerziums erklärte Schmitz, dass er aus der Öffentlichkeit durchaus Verständnis für die Entscheidung für den Obi-Standort erhalte – „damit meine ich nicht die Öffentlichkeit, die von der Zeitung viel Papier für Interviews erhalten“.

Der Vorsitzende des Commerziums, Peter Cohrs, hatte sich zuvor selbst zu Wort gemeldet: „Warum will die Politik die Tradition der schwierigen Standortentscheidungen für Bäder fortsetzen?“, fragte der Geschäftsmann. Er verstünde nicht, warum man „bei der größten Einzelinvestition in der Stadtgeschichte“ nicht abwarten könne, bis der neue Strategieberater für die touristische Entwicklung im Herbst im Amt sei.

Auch WGH-Politiker Helmut Stemke plädierte dafür, dass die Entscheidung um den Standort verschoben werde („Auch wenn ich weiß, dass meine Argumente hier verhallen werden“): Die Beratung sei bisher „unzureichend und unprofessionell“ gewesen: „Wir können das auch besser. Zu wichtigen Themen gab es immer mehrere Sitzungen. Für uns gilt weiterhin: Gründlichkeit vor Schnelligkeit.“ Die WGH wolle den Standort Porrenkoog nicht um jeden Preis durchsetzen. „Wir hätten aber erwartet, dass beide Standorte sauber gegeneinander abgewägt werden.“

Ulf von Hielmcrone (SPD) entschuldigte sich in seinem Wortbeitrag zunächst bei Isabell Thomas (WGH) für sein rüdes Verhalten während der letzten Diskussion (wir berichteten). Anschließend folgte ein praktischer und ein literarischer Abschnitt seiner Argumentation: In ersterem zählte er die Gründe auf, warum es teuer und schwer sei, ein Hallenbad auf dem Porrenkoog-Parkplatz zu errichten. Im zweiten erläuterte er, dass der Blick vom Porrenkoog seit Storms Zeiten unverändert sei – man könne die Beschreibung dieses Blickes wunderbar im Gedicht „Ostern“ nachlesen (Zwischenruf: „Der Blick auf die Silos?“). Für den Standort im Gewerbegebiet sprach sich anschließend auch Peter Knöfler (SSW) aus. Er betonte, seine Partei wolle ein Bad, bei dem sich alle Husumer die Eintrittspreise leisten können. Außerdem habe die Politik bewusst entschieden, kein großes touristisches Bad zu bauen: „Einige wohlhabende Bürger wollen Husum zum touristischen Hotspot machen. Wir bekennen uns zum sanften Tourismus.“

Und Christian Czock (CDU) erinnerte daran, dass das alte Bad derart „gammelig“ sei, dass es von einem auf den anderen Tag dicht gemacht werden könne. Als Zusammenfassung könnte man den Satz von Frank Hofeditz (Grüne) werten: „Gewerbegebiet klingt nicht cool, ist aber vernünftig.“

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