Südtondern : B5-Fiasko: Kreis will lückenlos aufklären

Anhörung zu schleppenden Bauarbeiten zwischen Niebüll und Klixbüll

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16. März 2013, 08:40 Uhr

nordfriesland | Tausende Verkehrsteilnehmer und Anwohner in Südtondern sind genervt, Betriebe fürchten um ihre Existenz: Statt wie vorgesehen für drei Monate ist die Bundesstraße 5 zwischen Niebüll und Klixbüll nun schon seit neun Monaten komplett gesperrt. Immer wieder mussten die Bauarbeiten an dem maroden Straßenabschnitt unterbrochen werden. Und während sich Autokolonnen über unzureichende Umleitungsstrecken wälzen, rückte die Fertigstellung immer weiter in die Ferne. Jetzt haben auch die Abgeordneten des nordfriesischen Kreistages die Nase voll: Einstimmig beschlossen die sechs Fraktionen des Gremiums gestern, die Umstände dieses Fiaskos in einer öffentlichen Anhörung aufzuarbeiten. Dabei soll es um die Verantwortlichkeiten in punkto Sperrung und Abriss der B5 zwischen Niebüll und Klixbüll ebenso gehen, wie um Entschädigungen für betroffene Unternehmen und das in Mitleidenschaft gezogene gemeindliche Straßennetz.

Dafür, dass sich der Kreis jetzt intensiv mit dem "schlimmsten, weil größten und längsten Schlagloch Deutschlands" beschäftigen wird, hatte die FDP mit einem Antrag gesorgt, dem sich die anderen Fraktionen anschlossen. "Es ist unvorstellbar, dass so mit einer Region im Kieler Umland umgegangen würde", hielt der Liberale Hermann Schaefer dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr einen "inkompetenten und verantwortungslosen Umgang" mit Südtonderns Lebensader für den Verkehr und die Wirtschaft vor. Die Folgen seien in ganz Nordfriesland bis hinauf nach Dänemark spürbar.

Ein Ärgernis ist aus Sicht der Kreispolitik auch die Tatsache, dass es bis heute keine verlässliche Prognose für eine vollständige Wiederherstellung des 2,6 Kilometern zurückgebauten Abschnitts gibt. "Eine Wiedereröffnung zu einem späteren Termin als dem Frühsommer 2013 ist nicht hinnehmbar", heißt es unisono. Die durch Schwierigkeiten beim Bau und das "katastrophale Baustellen-Management" entstandene Situation sei für die Region vollkommen inakzeptabel.

"Der Zustand des Baugrunds ist seit Jahrzehnten bekannt", so Brigitte Mollenhauer (SPD), "scheinbar nur der ausschreibenden Stelle nicht". Und: Wenn man einen Preis für Inkompetenz und Unfähigkeit vergeben sollte, ginge dieser an den Landesbetrieb und die ausführende Baufirma.

Dem Anliegen der Region, dass endlich mit offenen Karten gespielt wird, soll die geplante Anhörung in Regie des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr und Tourismus Rechnung tragen. Dazu sollen im April auch Vertreter von Landes- und Bundesministerien, des Landesbetriebs und des Bauunternehmens eingeladen werden. So sollen Betroffene mit Verantwortlichen ins Gespräch kommen.

Der Ausschuss will sich direkt vor der Anhörung vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr zudem über den Sachstand anderer Projekte informieren lassen: die Planungen des dreispurigen B5-Ausbaus zwischen Tönning und Husum, den Bau der Ortsumgehungen zwischen Hattstedt und Bredstedt, die Anmeldung nordfriesischer Vorhaben zum Bundesverkehrswegeplan sowie das Baustellen-Management für Nordfriesland.

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