Beginn des Ausbildungsjahrs : Azubis: „Lieber einen mehr einstellen“

Beliebt sind unter anderem Berufe im Kfz-Gewerbe. Flemming Jensen (16), aus Immenstedt wird KFZ-Mechatroniker beim Autovertrieb Kielsburg.
Beliebt sind unter anderem Berufe im Kfz-Gewerbe. Flemming Jensen (16), aus Immenstedt wird KFZ-Mechatroniker beim Autovertrieb Kielsburg.

Berufsausbildung: Qualifizierter Nachwuchs ist auch in Husum schwer zu finden. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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05. August 2018, 12:00 Uhr

Anfang August fangen in vielen Unternehmen die neuen Azubis an. Dass es heutzutage gerade in bestimmten Branchen schwierig ist, qualifizierten Nachwuchs zu finden, ist landesweit bekannt. Und auch in Nordfriesland sind laut Lehrstellenbörse der IHK noch 125 Lehrstellen unbesetzt, 27 davon in Husum.

Der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste malt zu Beginn des Ausbildungsjahres ein eher düsteres Bild der aktuellen Lage auf dem Ausbildungsmarkt: Zwar können die meisten Ausbildungsstellen im Westen Schleswig-Holsteins besetzt werden. „Aber die Unternehmen spüren eine deutliche Abnahme an Quantität und auch Qualität der Bewerbungen.“ So gebe es eine „erhebliche Diskrepanz“ zwischen der Anforderung der Unternehmen und den Erwartungen der Auszubildenden. Die schulische Leistungsfähigkeit der Auszubildenden sei zudem schlechter geworden. Und grundsätzlich gelte: „Ca. 30 Prozent der eingehenden Bewerbungen können aufgrund der völlig ungenügenden Qualifikation der Bewerber eigentlich gar nicht berücksichtigt werden.“

Immerhin: Bei kaufmännischen Berufen sei die Bewerbersituation aus Arbeitgebersicht gut aus, erklärt Ken Blöcker, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes. Sehr angespannt sei der Wettbewerb dagegen bei den gewerblich-technischen Ausbildungsberufen. Die Lust auf handwerkliche Berufe nehme bei den jungen Leuten spürbar ab: „Bei handwerklichen Ausbildungsberufen besteht der Eindruck, dass körperlich schwere Arbeit verstärkt gemieden wird.“

Außerdem müsse sehr viel Zeit für den Ausgleich sozialer Schwächen wie Kommunikation, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit aufgewendet werden. Eine Einschätzung, die Ole Singelmann, Leiter des Husumer Hagebau-Marktes und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Ost, so unterschreiben kann. Auch wenn er sich in diesem Jahr über seine drei neue Azubis freut, sieht er grundsätzlich schon einige Problemfelder: „Die Qualität und Quantität der Bewerber hat deutlich abgenommen.“ In seinem Unternehmen sei er in den vergangenen Jahren deshalb auch dazu übergegangen, „lieber einen mehr einzustellen, weil man nicht weiß, ob die Azubis wirklich dabei bleiben oder ob die Ausbildungsreife wirklich da ist.“

Die Gründe, die Singelmann für die schwierigen Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt sieht, sind vielfältig: Eltern, die ihre Kinder überbehüten und sie so nicht zur Selbstständigkeit erziehen, die große Zahl der Jugendlichen, die Abitur machen wollen oder die speziellen Vorstellungen, die die jungen Leute mit der Ausbildung verbinden: „Überspitzt formuliert wollen sie am liebsten ohne Kundenkontakt im Büro vor einem Bildschirm sitzen.“

Peter Cohrs, Sprecher der Husumer Werbegemeinschaft und Geschäftsführer des Modehauses C. J. Schmidt, kann bestätigen, dass die Zahl der Bewerber zurückgegangen ist: „Heute müssen die Unternehmen gezielt um gute Azubis werben.“ Trotzdem ist er, genau wie Singelmann, bei den acht jungen Leuten, die dieses Jahr bei ihm anfangen, sehr zuversichtlich. Er glaubt, dass einigen Unternehmern nicht immer klar ist, womit sie beim Nachwuchs punkten können: „Die jungen Leuten gucken neben dem Gehalt viel mehr darauf, was die Firma sonst bietet – wie ist der Spirit, wie sieht es mit dem Spaß bei der Arbeit aus. Das sind oft viel wichtigere Faktoren bei der Entscheidung für den Ausbildungsplatz als wir uns vorstellen können.“ Als Arbeitgeber müsse man auf diese Bedürfnisse eingehen. Zudem versuche sein Unternehmen, alle künftigen Azubis vorab im Rahmen eines Praktikums kennenzulernen.

Ein gutes Beispiel für zeitgemäßes Werben um Azubis ist für Cohrs die jährliche Lehrstellenrallye. In diesem Jahr findet sie am 7. September statt.

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