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Vor Fahrplanwechsel : Autozug: Zwei stellen die Weichen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach ihrem Bieter-Streit bereiten sich DB-Syltshuttle und die US-amerikanische Firma RDC auf den Fahrplanwechsel im Dezember vor. Die Stadt Niebüll hadert unterdessen mit einem Schrankenproblem.

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erstellt am 01.Okt.2015 | 15:00 Uhr

Konkurrenz belebt das Geschäft. So viel scheint sicher nach dem Kampf um die Trassen-Vergabe für Autozüge nach Sylt. Auch wenn die eigentliche Nagelprobe erst noch mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember bevorsteht. Tausende Insulaner, Pendler und Sylt-Gäste werden dann selbst einschätzen können, ob sich der Wettbewerb auf der Schiene über den Hindenburgdamm für sie auszahlt oder nicht.

Im Streit um den Autozug zwischen Sylt und dem Festland hatte die US-amerikanische Firma Railroad Development Corporation (RDC) gegenüber der Deutschen Bahn (DB) mit ihrem Syltshuttle den Kürzeren gezogen und wird künftig deutlich weniger Fahrten anbieten können als erhofft (wir berichteten). Den Stand ihrer Planungen erläuterten Vertreter beider Unternehmen jetzt vor dem Wirtschaftsausschuss des Kreistages.

Die Deutsche Bahn will in zweieinhalb Monaten mit einem erweiterten Angebot im Sylt-Verkehr starten. Dazu werde die Zahl der Arbeitsplätze von zurzeit rund 160 auf 230 erhöht. Künftig soll die Zahl der Zugabfahrten von rund 14.000 auf 20.000 – im Halbstundentakt wie heute schon am Wochenende – gesteigert werden, erklärte Alfred Onken, seit neun Jahren Leiter des DB-Syltshuttles. Auch mit Blick auf den Personenverkehr soll es zusätzliche Angebote geben. Richtung Süden soll es zwar in den späten Abendstunden und frühmorgens zusätzliche Verbindungen geben. Ansonsten aber gilt: „Es werden nicht alle Züge nach Hamburg durchfahren können“, so Onken. Er sprach von einem Zug, „der in Niebüll gestärkt oder geschwächt wird“.

Der Hintergrund: Die DB hatte den Zuschlag für den Löwenanteil der Fahrten dank eines Kunstgriffs erhalten. Mit einem angekoppelten Triebwagen lässt sie den Syltshuttle nicht nur bis zum Verladeterminal in Niebüll, sondern teilweise weiter bis nach Hamburg-Altona. Während sich RDC allein auf den Abschnitt zwischen Niebüll und Westerland fokussiert hatte, gab die längere DB-Strecke am Ende den Ausschlag.

Dennoch zeigte sich Hinrich Krey vom Mitbewerber RDC bei der Runde im Husumer Kreishaus zuversichtlich: „Der Spuk mit dem leer fahrenden Triebwagen wird nach einem Jahr vorbei sein“, prophezeite der Geschäftsführer. Und zum Ringen um die Vergabe von Trassen: „Das Schauspiel wird sich jährlich wiederholen.“ Krey gab sich bescheiden und kämpferisch zugleich: „Wir fangen ganz klein an“, räumte er mit Blick auf zunächst jeweils sechs Trassen werktags und acht am Wochenende in beide Richtungen ein. Aber vorausschauend auf Ende 2016: „Wir wollen dann zum nächsten Fahrplanwechsel massiv ausbauen.“ Personal und Wagenmaterial („Interimszüge“) für die Startphase seien ausreichend vorhanden. Allerdings wird diese mit Blick auf die Infrastruktur und Abläufe an den Verladestationen für RDC möglicherweise erst einige Tage nach dem aktuell anstehenden Fahrplanwechsel beginnen. „Wir sind am 20. Dezember da“, so Krey, der von einem langfristigen Engagement im Norden ausgeht. Neue Autozug-Prototypen würden in zwei Jahren zum ersten Einsatz kommen. Und RDC verlege seinen Firmensitz mir rund 20 weiteren Mitarbeitern von Köln nach Niebüll.

Was die gegenseitige Anerkennung von Tickets angeht, zeigten sich beide Unternehmens-Vertreter eher zurückhaltend. Konkrete Absprachen gibt es demnach nicht. Und Onken erklärte zudem: „Das sehe ich noch nicht.“

Das größere Angebot auf der Schiene beschert Niebüll aller Voraussicht nach ein riesiges Problem: Denn schon heute ist der Bahnübergang in der Gather Landstraße nach Aussagen von Bürgermeister Wilfried Bockholt zwischen 6 und 21 Uhr neun von 15 Stunden lang geschlossen – mithin rund ein Drittel der Stadt betroffen. Krey frotzelte gar: „Über den Bahnübergang braucht sich niemand zu ärgern, der ist künftig nämlich immer zu.“

„Das treibt uns sehr stark um“, sorgt sich Bockholt. Ein Tunnel oder eine Brücke sind Millionen-Projekte und kurzfristig nicht zu haben. In der Stadt Nortorf hatte es laut Bockholt 25 Jahre gedauert, bis eine Untertunnelung realisiert war.

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