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Aus dem Husumer Schöffengericht : Auto-Betrüger verurteilt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Husumer Schöffengericht hat einen 77-Jährigen, der mehrere Autohäuser geprellt hat, zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt – doch der will Berufung einlegen.

Der Name des prominenten FDP-Politikers und Rechtsanwaltes Wolfgang Kubicki wird in einem skurrilen Betrugsprozess aller Voraussicht nach nun auch vor dem Landgericht Flensburg fallen: Ein 77-Jähriger, der anscheinend glaubt, Mandant von Kubicki zu sein und deshalb mit seinem tatsächlichen Verteidiger so gut wie nicht spricht, kündigte unmittelbar nach seiner Verurteilung vor dem Schöffengericht Husum an, „selbstverständlich“ werde er in Berufung gehen. Unmittelbar zuvor hatte das Gericht in seiner Urteilsbegründung festgestellt, „ein Unrechtsbewusstsein fehlt völlig“ bei dem seriös und sehr gepflegt auftretenden Senior.

Der 77-Jährige hatte nach Überzeugung des Gerichts vor Jahren gemeinsam mit seiner dafür bereits verurteilten Ehefrau in München ein Nobelauto im Wert von rund 55.000 Euro „ertrogen“, indem lediglich 5500 Euro anbezahlt worden waren. Statt wie vereinbart die Hauptkaufsumme bei Abholung des Wagens bar zu bezahlen, wurden dem Autohaus angebliche Bankunterlagen vorgelegt, die belegen sollten, dass das Geld bereits überwiesen worden sei. Da das Ganze an einem Freitagnachmittag geschah, die deutlich jüngere Frau des 77-Jährigen vorgab, schwanger zu sein und laut Autoverkäufer „die Herrschaften einen vernünftigen Eindruck gemacht hatten“, waren diese angeblichen Bankdokumente nicht genau genug überprüft worden. Das Paar erhielt den Wagen und sogar den Fahrzeugbrief; was einen der Verfahrensbeteiligten zu der scherzhaften Bemerkung veranlasste: „Dann kauf’ ich mein Auto demnächst auch in München…“.

Bereits am Montag darauf flog der Schwindel auf, der teure Wagen wurde von einem Filial-Mitarbeiter von Nordfriesland aus nach München zurück gefahren und das Autohaus behielt die 5500 Euro Anzahlung als „übliche Stornogebühr“. Insoweit war dem betrogenen Autohaus zwar kein nennenswerter Schaden entstanden, laut Gericht war aber allein schon strafbar, dass eine „Vermögensgefährdung“ in Höhe von 50.000 Euro bestanden hätte; falls der Wagen weiterverkauft oder beschädigt worden wäre.

Kurz nach dem Vorfall in München war bei einem Autohändler in Nordfriesland ein anderer teurer Wagen auf ähnliche Weise „gekauft“ worden. Hierbei konnte dem Angeklagten jedoch keine Tatbeteiligung eindeutig nachgewiesen werden; wohl aber bei einem dritten Fall, als das Paar im Kreis Schleswig-Flensburg für einen Wagen eines Stuttgarter Autokonzerns einen Kaufvertrag abgeschlossen hatte. Auch hier war allerdings kein finanzieller Schaden entstanden, weil in diesem Fall das Autohaus den Wagen ohne komplette Bezahlung nicht herausgegeben hatte.

Da Staatsanwaltschaft und Gericht einem Gutachten folgten, wonach bei dem Angeklagten verminderte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen sei, weil sich der Mann seit den damaligen „Autokäufen“ nichts mehr hatte zuschulden kommen lassen und der tatsächliche Schaden vergleichsweise gering war, wurde der 77-Jährige wegen vollendeten Betruges in einem und versuchten Betruges in einem zweiten Fall zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt; zumal er bereits rund drei Monate lang in Untersuchungshaft gesessen hatte – allerdings nicht wegen der Taten, sondern weil er damals nicht zur Gerichtsverhandlung erschienen war.
 

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