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Welt-Aids-Tag : Ausgrenzung ist keine Option

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Aufklärungs-Kampagne zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember: Der Beratungsbedarf ist unverändert groß. Die Zahl der HIV-Infizierten bleibt konstant.

Aids ist in den vergangenen Jahren immer mehr aus der öffentlichen Bewusstsein verdrängt worden. Doch dazu gibt es weder einen Anlass, noch hat das Thema an Brisanz verloren. Tatsächlich ist die Zahl der HIV-Infizierten in Deutschland konstant geblieben.

Hierzulande gibt es pro Jahr rund 3200 Menschen, die sich mit der Immunschwäche-Krankheit infizieren. Insgesamt leben im Bundesgebiet rund 80.000 Menschen mit HIV. „Und die Dunkelziffer der nicht diagnostizierten Infektionen liegt geschätzt bei 14.000 Fällen“, rechnet Katrin Samulowitz von der Aids-Hilfe Sylt vor. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Dank moderner Medikamente haben HIV-positive Menschen nahezu dieselbe Lebenserwartung und Lebensqualität wie gesunde. Sie können in jedem Beruf arbeiten, ihre Freizeit gestalten, Partnerschaft und Sexualität erleben. Doch obwohl es im Alltag kein Übertragungsrisiko gibt, erleben sie immer wieder Diskriminierung.

Aus diesem Grund ist Prävention durch Aufklärung weiterhin enorm wichtig. Darauf soll der Welt-Aids-Tag aufmerksam machen. Er wurde erstmals 1988 von der Weltgesundheitsorganisation ausgerufen – bis heute wird rund um den Globus am 1. Dezember an den Kampf gegen die weltumspannende Krankheit erinnert. Mit dem Welt-Aids-Tag soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass es noch nicht gelungen ist, das HIV-Virus zu besiegen. Das Motto in diesem Jahr: „Positiv zusammen leben“. Auch wenn die Medizin große Fortschritte macht, schmälert das die Aids-Gefahr nicht. Der Welt-Aids-Tag hat die Aufgabe, die Menschen wachzurütteln, für das wichtige Thema zu sensibilisieren und Vorurteilen entgegenzuwirken. Eines davon ist die Behauptung, dass Flüchtlinge Aids „mit nach Deutschland bringen“. Dem kann Samulowitz einiges entgegensetzen. „Wir haben einmal verglichen, aus welchen Ländern die Neuinfizierten kommen und dabei festgestellt, dass 70 Prozent aus Deutschland stammen und zirka 14 Prozent aus Afrika. Der Rest kommt aus europäischen und asiatischen Ländern. Neuinfizierte aus dem nahen Osten, zum Beispiel aus Syrien, sind bislang nicht nachweisbar“, betont sie.

Die höchste Ansteckungs-Quote gebe es bei der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen. Dabei scheinen Heterosexuelle leichtsinniger zu sein. „Ich habe schon oft bei Schülern erlebt, dass sie sich zurücklehnen und sagen, Aids sei doch nur ein Problem der Homosexuellen“, erklärt Samulowitz. Weit gefehlt, denn gerade bei der Gruppe der Heterosexuellen wächst die Zahl der Neuinfektionen am schnellsten. Der Sozialpädagogin gibt zu denken, dass in Deutschland immer weniger über Sexualität gesprochen werde. Auch die geschlechtsspezifische Rollenverteilung nehme nach ihren Erfahrungen zu – junge Menschen seien deutlich konservativer als ihre Eltern. Woran liegt das? Samulowitz, die lange in der Jugendhilfe arbeitete, hat eine Vermutung: „Dadurch, dass sich Jugendliche sämtliche Informationen komplett ungefiltert aus dem Internet und sozialen Netzwerken besorgen können, wächst auch ihre Unsicherheit. Die Welt, in der sie leben, ist angstbesetzt, die Leistungsanforderungen sind enorm hoch. Doch wenn es feste Regeln gibt, fühlen sie sich sicherer“, sagt sie. Umso wichtiger sei es also, dass mit dem Welt-Aids-Tag ein klares Zeichen für mehr Aufklärung und gegen Diskriminierung gesetzt werde.

„Ausgrenzung gehört nicht in diese Welt – Menschen dürfen auch aus christlicher Sicht nicht stigmatisiert werden“, schlägt Pastor Andreas Raabe von der Friedenskirche Husum in dieselbe Kerbe. In ihm hat die Aids-Hilfe Sylt einen Mitstreiter gefunden. Anlässlich des Welt-Aids-Tages hält er am Donnerstag, 3. Dezember, ab 10 Uhr eine Marktandacht in der Husumer Marienkirche. „Das ist eine wichtige Sache, die auch im Gottesdienst ihren Platz hat“, ist er überzeugt. Darüber hinaus organisiert die Aids-Hilfe Sylt am Sonnabend, 28 November, eine Aids-Gala im Wenningstedter Kurzentrum. Beginn ist um 20 Uhr.


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erstellt am 20.Nov.2015 | 19:46 Uhr

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