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MS seeadler auf Wattentörn : Ausflugsschiffer rüstet für die Saison

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Kapitän und Hallig-Reeder Heinrich von Holdt startet kurz vor Ostern mit dem MS Seeadler wieder zu regelmäßigen Ausflugstouren ins Wattenmeer. Große Sorgen bereiten ihm hohe Investitionen aufgrund neuer Sicherheitsauflagen.

Kurz vor Ostern startet das MS „Seeadler“ mit regelmäßigen Fahrten in die neue Saison. Mit bis zu 200 Gästen und einem Nationalpark-Ranger an Bord geht es von Schlüttsiel aus zur Ausflugstour mit Seetierfang hinaus ins nordfriesische Wattenmeer. Allerdings treibt den Kapitän und Hallig-Reeder, Heinrich von Holdt, die Sorge um, wie es nach dieser Saison weitergeht. Denn die nach EU-Vorgaben neu gefasste Fahrgastschifffahrts-Richtlinie des Bundes legt strengere Sicherheitsstandards fest und verlangt die Umrüstung älterer Schiffe. Besserer Brandschutz, Sicherheitsfenster und wasserdicht verschließbare Türen müssen bis Ende Juni, in begründeten Fällen bis Ende November, eingebaut sein.

„Was am Ende an weiteren Umrüstungen erforderlich sein wird, kann ich noch nicht absehen. Wie es dann weitergeht, ist unklar“, blickt von Holdt nicht gerade optimistisch in die Zukunft. Bis zum Ende der Saison hat er für sein Ausflugsschiff die Fahrerlaubnis der See-Berufsgenossenschaft. Im Trockendock des Husumer Hafens hat der Kapitän die ersten Arbeiten erledigt, wie den Einbau der neuen Sicherheitstür zum Unterdeck. Die lieb gewonnene alte Holztür will der Kapitän aber als Andenken behalten.

Bereits 1988 musste von Holdt bei dem vor 50 Jahren vom Stapel gelaufenen Schiff erste Veränderungen vornehmen. Dass neue Vorschriften jetzt zwangsläufig zu neuen Investitionen führen, ärgert den Reeder gewaltig. „All die Jahre haben wir unser Schiff, das wir 1987 von der Pellwormer Reederei gekauft haben, immer top in Schuss gehalten und sicher im Wattenmeer bewegt“, wettert der Nordfriese gegen die Verordnung.

Besonders ärgert ihn, dass für die Niederlande zwar die gleichen EU-Vorschriften gelten, Deutschlands Nachbarstaat jedoch kurzerhand das Gebiet zwischen Inseln und Festland in Westfriesland zum Binnenmeer erklärt hat. „Dann gelten die Regeln für Binnenschiffe, und die sind längst nicht so streng.“

Allein der Einbau der Sicherheitstür hat laut Heinrich von Holdt rund 10 000 Euro gekostet. Wenn auch noch in den erweiterten Brandschutz investiert werden muss, kommen weitere 50 000 Euro auf den Reeder zu. Wie es dann weitergehen soll, weiß er noch nicht. „Das Schiff ist für mich und meine Familie zum Lebensinhalt geworden“, betont der 50-Jährige.

Seinen „Seeadler“ will er auf keinen Fall verkaufen, zumal vor einem Verkauf in Deutschland weitere Umrüstungen vorgenommen werden müssten. Und: „Die Holländer haben sowieso kein Interesse. Das Schiff wäre viel zu teuer.“ Also bietet der Hallig-Reeder in dieser Saison wie gewohnt seine Ausflugsfahrten im Wattenmeer an. Auch der Versorgungsauftrag mit dem Kreis für die Hallig Gröde steht nicht zur Debatte. Trotz aller Widrigkeiten will von Holdt nicht aufgeben.

Der erste Entwurf der neuen Fahrgastrichtlinie – sie beschert auch anderen Reedereien Investitionen bis zu 100 000 Euro pro Schiff – hatte noch strengere Vorgaben vorgesehen. Deshalb wird die jetzige Variante von den meisten Betroffenen als ein noch akzeptabler Kompromiss empfunden. Das ist auch der Grund, warum die Kreisverwaltung den heute tagenden Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses nahelegt, die Auswirkungen für auf die nordfriesische Ausflugsschifffahrt lediglich zur Kenntnis, aber nicht eigens noch Stellung zu nehmen.

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