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Husum Wind rückt näher : Aus Rotorblättern wird Zementklinker

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Beim Recycling gebrauchter Windenergie-Anlagen bilden intelligente Lösungen einen wichtigen Baustein in der Wertschöpfungskette.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2017 | 15:00 Uhr

Wie alle technischen Anlagen sind auch Windenergieanlagen für eine begrenzte Lebensdauer konstruiert. Diese sogenannte Entwurfs-Lebensdauer beträgt bei einer Windkraftanlage 20 Jahre und definiert den Zeitrahmen für einen sicheren Betrieb. Danach bleibt nur eine gründliche Aufarbeitung oder die Demontage. Aufgrund der rasanten Entwicklung der Technologie sowie gesunkener Stromgestehungskosten, ist es oft rentabel, vor Ende der Lebensdauer ältere, kleine Anlagen durch neue, größere zu ersetzen.

Beim sogenannten Repowering werden Anlagen der ersten Generationen durch moderne Turbinen ersetzt. Dadurch kann deren Anzahl verringert und eine eine enorme Ertragssteigerung erreicht werden. Ein weiterer Nebeneffekt ist die Überplanung alter Standorte, um vorhandene Schwierigkeiten durch die Nähe zu Wohngebieten oder im Zusammenhang mit dem Naturschutz aufzulösen.

Damit hierzulande keine ausgedienten „Spargel“ in der Landschaft stehen bleiben, hat der Gesetzgeber mit der Betriebsgenehmigung die Pflicht zum Rückbau der Anlage verbunden. Ähnlich wie für Gebrauchtfahrzeuge existiert daher für gebrauchte Windräder ein florierender Zweitmarkt. „International im Fokus sind Altanlagen, die nach 15 bis 18 Jahren Laufzeit in einem hervorragenden, da stetig gewarteten Zustand sind. Diese exportieren wir im Ganzen dorthin, wo eine Nachfrage besteht. Das sind derzeit Länder wie Bulgarien, Weißrussland oder Italien. Unser liebstes Geschäft ist es, die Anlage abzubauen, dem Logistiker des Erwerbers zu übergeben und bei dessen Abfahrt zu winken“, erklärt Dirk Nielsen, Inhaber der Wind Nielsen GmbH.

Das in Süderlügum auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände ansässige Unternehmen ist einer der führenden Anbieter von Repowering in Deutschland und bietet seinen Kunden herstellerunabhängig sowohl gebrauchte Windräder als auch Ersatzteile an. Das Trendgeschäft unterliegt Schwankungen und bedarf eines ausgezeichneten Netzwerkes. „Je nach politischer Ausrichtung und Gesetzgebung zieht die Nachfrage in einem Land an oder lässt nach. Man muss schon risikobereit sein. Aktuell haben wir einen Windpark mit 40 Anlagen in Norderwöhrden, der Wiege der deutschen Energiewende, gekauft. Insgesamt haben wir inzwischen über 2.200 Windräder abgebaut“, so der findige Geschäftsmann.

Nielsen, der bereits seit dem Jahr 1994 in der Windbranche tätig ist, übernimmt neben dem Ersatzteilverkauf außerdem die Entsorgung und Verschrottung von Windmühlen. Mindestens 90 Prozent der Materialien werden recycelt. Vom Betonfundament, über den Stahl aus Fundament, Turm und Rotornabe, die Betriebs- und Schmierstoffe bis hin zu den Rotorblättern und Gondeln. Insbesondere Rotorblätter, die bei Altanlagen meist aus mit Glasfaser verstärktem Kunststoff (GFK) bestehen, können heutzutage vollständig verwertet werden. Holcim, Norddeutschlands größter Baustoffhersteller, sorgt zum Beispiel mit seinem Tochterunternehmen Geocycle für eine nachhaltige Nutzung der Flügel: Im Zementwerk Lägerdorf (Steinburg) werden diese zur Herstellung von Zementklinker verwendet.

Bernd Weidmann, Spezialist in Sachen Online-Marketing und Vertrieb im nordrhein-westfälischen Gelnhausen, hat das Reaktorunglück in Fukushima auf die Idee gebracht, unter www.wind-turbine.com einen Internet-Marktplatz für An- und Verkauf von Windmühlen, Dienstleistungen und technischem Zubehör zu etablieren. Dort kann sich jeder leicht einen Überblick über den aktuellen Markt verschaffen.

Der Experten referiert dazu auf der „Husum Wind“ am Donnerstag, 14. September, 16.30 bis 17.30 Uhr und zeigt Potenziale des Online-Verkaufs auf.

 

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