Kriminalstatistik für Nordfriesland : Aus Polizeisicht eine sichere Region

Kosmetika sind häufig Beute von Ladendieben.
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Kosmetika sind häufig Beute von Ladendieben.

Die Kriminalstatistik für Nordfriesland liegt vor und weist für das vergangene Jahr weniger Wohnungseinbrüche, aber deutlich mehr Ladendiebstähle aus.

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11. April 2018, 07:00 Uhr

Nordfrieslands ländliche Struktur und nicht zuletzt Urlauber, die vor allem Ruhe und Erholung suchen, tragen dazu bei, dass der nördlichste Kreis „eher wenig“ mit Kriminalität belastet ist. So lautet die gute Nachricht aus der Polizeidirektion Flensburg, die ihre Statistik 2017 für die Kreise Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und die Stadt Flensburg veröffentlicht hat.

Die sogenannte Häufigkeitszahl, die rechnerisch die Anzahl der bekannt gewordenen Straftaten auf 100 000 Einwohner ausdrückt, betrug für Nordfriesland 5191. Damit lag der nördlichste Kreis hinter Plön, Schleswig-Flensburg und Rensburg-Eckernförde auf dem vierten Platz. Vor einigen Jahren befand sich Nordfriesland noch im Mittelfeld – in 2017 konnte die Grenzregion also „ein paar Plätze“ gutmachen. Somit ist die Wahrscheinlichkeit, im Norden Opfer einer Straftat zu werden, zurückgegangen. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass nur ein Teil der Delikte bekannt wird – die Dunkelziffer stellt sich jedoch bei jedem kriminellen Akt anders dar.

Nah dran an der Realität seien die Zahlen dennoch, heißt es aus der Direktion – so auch die für Nordfriesland, wo sich nach einer Zunahme in 2016 mit 10 547 Straftaten im vergangenen Jahr der rückläufige Trend mit 8561 Fällen fortgesetzt hatte. Mit 55,5 Prozent ergab sich insgesamt eine leicht verbesserte Aufklärungsquote.

Angestiegen waren Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, für die, wie die Polizei registriert, mittlerweile eine erhöhte Sensibilisierung besteht: 89 Fälle in 2016 und 100 in 2017 weist die Statistik aus. Für diesen Bereich merkt die Polizei an, dass der Bundesgesetzgeber das Strafrecht dahingehend geändert hat, dass nunmehr auch sexuelle Belästigung als Straftat geahndet werden darf – früher galt sie „nur“ als Beleidigung. 23 Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und Übergriffe hatte es 2017 gegeben – 2016 waren es 13 gewesen.

Sexuell missbraucht wurden im vergangenen Jahr 23 Kinder. 2016 fanden 26 und 2008 noch 42 dieser Übergriffe statt.

Ein deutlicher Rückgang war beim Delikt Raub mit 37 Fällen zu verzeichnen – nach einem „Ausrutscher“ in 2016 mit 65 Taten. Körperverletzungen (1023 Taten) gab es weniger als 2016 (1109).

Die Zahl der Diebstähle hat seit vielen Jahren insgesamt immer wieder leicht abgenommen und war nach einem Aufwärtstrend mit 4118 Fällen in 2016 im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen: 2017 wurden noch 3239 Taten in diesem Bereich verzeichnet. Eine Ausnahme lieferten die Ladendiebstähle, die 2017 einen deutlichen Anstieg erfuhren. Es dürfe davon ausgegangen werden, dass der Einzelhandel seine Kontrollen verstärkt habe, vermutet die Polizei: „Insgesamt gibt es ein sehr hohes Dunkelfeld. Die hohe Aufklärungsquote von mehr als 90 Prozent belegt, dass überwiegend nur die, zum Beispiel durch Kaufhausdetektive aufgeklärten Delikte zur Anzeige kommen.“ 515 Fälle wurden 2017 in diesem Bereich in Nordfriesland registriert.

„Besonders zufrieden bin ich darüber, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche deutlich gesunken ist“, so Olaf Schulz, der Leiter der Polizeidirektion Flensburg. In Nordfriesland konnte nach deutlichen Anstiegen seit 2013 dieser Trend gestoppt werden: 174 Einbrüche in 2017 gegenüber 392 in 2016 sind der Beweis.

Politisch motivierte Kriminalität von rechts bezieht sich hauptsächlich auf „Hasspostings“: Propaganda, Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen oder volksverhetzende Inhalte werden in das weltweite Netz gestellt. „Das Thema gewann Ende 2015 an Bedeutung, der Höhepunkt war 2016 und in 2017 war ein Rückgang zu verzeichnen“, so die Polizei.

Bei Gewalt von links spielten Auseinandersetzungen der unterschiedlichen politischen Lager im Zusammenhang mit der Landtags- und der Bundestagswahl eine Rolle, ist in dem Papier nachzulesen. In Nordfriesland wurden im vergangenen Jahr 48 Delikte sogenannter linker Täter, 24 von rechts und 20 für den Bereich „Ausländische Ideologie“ registriert. Aber: Nicht alle politisch motivierten Straftaten könnten eindeutig zugeordnet werden.

Auch zwei Tötungsdelikte beschäftigte die Polizeibeamten im vergangenen Jahr: Beide konnten aufgeklärt werden.

Ein Appell ist Polizei-Direktor Olaf Schulz sehr wichtig: „Um Straftaten aufzuklären, sind wir besonders auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Bitte unterstützen Sie uns weiter und helfen Sie uns erfolgreich zu sein.“

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