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Erstklassig und frei von Gift : Aus Nordfriesland kommt Top-Honig

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nordfrieslands Bienenzüchter haben es jetzt schwarz auf weiß: Ihr Honig ist spitze – das haben Pollenanalysen beim Landes-Imkertag in Neumünster ergeben.

Günter Hoffmann und Thorsten Oesterle aus Mildstedt sowie Karl-Heinz Raddatz aus Husum haben es schwarz auf weiß: Der Honig aus Nordfriesland ist erstklassig. Und er enthält keine Spuren des Jakobskreuzkraut-Gifts, das dieses köstliche Naturprodukt gerade ein wenig in Verruf gebracht hat.

Der Vorsitzende des Imkervereins Husum-Eiderstedt und sein „Lehrling“ sind gerade vom Landes-Imkertag in Neumünster zurückgekommen und haben dort die Prüfberichte ihres Honigs erhalten. „Gold und Silber gab es für unseren Verein. Bei 60 teilnehmenden Imkern ist das ein tolles Ergebnis“, freut sich Hoffmann. Bei dieser Pollenanalyse wird unter dem Mikroskop festgestellt, von welchen Pflanzen der Honig stammt. Da über die Zusammensetzung alleine die Bienen mit der Wahl der von ihnen angeflogenen Blüten entscheiden, hat der Mildstedter dieses Mal die Ernte jener Bienen prüfen lassen, die draußen im Husumer Porrenkoog stehen. Dort finden seine fleißigen Pollensammlerinnen vor allem Obstbäume vor.

Dennoch ergab die Analyse, dass ihr Honig zu 30 Prozent (%) Rapspollen aufweist. Stein- und Kernobst waren am Ergebnis nur zu 29 % beteiligt, Vergissmeinnicht zu 26 % und Kastanien zu 8 %. Daran könne er sehen, dass sie tatsächlich den weiten Weg über den Husumer Hafen bis zum Simonsberger Ortsteil Finkhaus „auf sich genommen haben, um sich am dortigen Rapsfeld zu bedienen“, staunt Hoffmann. Bei den Kastanien geht er davon aus, dass die Pollen aus dem Husumer Schlosspark stammen. 1,2 Kilometer Wegstrecke – eine Leistung, die nun mit der Auszeichnung für beste Qualität belohnt wurde. Was den Bienen egal ist, den Imker aber von Herzen freut.

Eine ähnliche Überraschung gab es für Thorsten Oesterle. Er wohnt im Ahornweg, wo es auch etliche Ahornbäume gibt, weshalb der Mildstedter fest davon überzeugt war, dass sich deren Pollen in seinem Honig zeigen würden. Doch von wegen: „Die Analyse ergab, dass mein Honig zu 95 % aus dem 800 Meter entfernten Rapsfeld stammt und nur zu 3 % aus Obstbäumen in der Umgebung. Den Ahorn vor der eigenen Tür haben meine Damen geflissentlich übersehen“, sagt er schmunzelnd. Dem Genuss schadet das nicht, denn Rapshonig ist typisch für Schleswig-Holstein und bei den Konsumenten sehr beliebt. Der hohe Glucose-Anteil macht ihn süß und lecker.

Welche Pollen von den Bienen aktuell favorisiert werden, kann der erfahrene Imker schon an der Farbe erkennen. „Wenn sie rostbraun gepudert zurückkommen, weiß ich, die Mädels waren mal wieder in den Kastanien“, sagt Günter Hoffmann. Er betreibt die Imkerei seit 1983 und hat festgestellt, dass sich die Blütenzeiten im Laufe der Jahre verändert haben: „Früher gab es eine feste Reihenfolge, an die sich Weide, Löwenzahn, Raps, Kastanie und Weißdorn hielten. Heute blühen fast alle gleichzeitig, was zur Folge hat, dass Mitte Juni plötzlich Schluss ist.“

Bis Anfang Juli finden die Bienen dann keine Nahrung mehr und verhungern, sofern der Imker keine Reserve-Waben bereitstellt. Wie wichtig diese Maßnahme ist, zeigte sich zum Ende dieser Saison: „Alle Futterwaben waren leer. Das bedeutet, dass die Tiere ernsthaft in Not gewesen sein müssen und an die eisernen Reserven gegangen sind, was sie sonst nie tun“, sagt er und kennt auch den Grund: „Der Sommer war zu feucht und zu kühl.“

Entsprechend mager fiel auch die Honigernte aus: „So schlecht wie in diesem Jahr war der Ertrag noch nie.“ Die Imker bitten daher alle Gartenbesitzer dringend darum, den Bienen zuliebe nur das zu pflanzen, was ihnen den ganzen Sommer über Nahrung bietet. Diesen Wunsch unterstützen auch andere Imker aus dem Kreis: „Ein bienenfreundlich bepflanzter Streifen am Rand, der auch mal eine Weile ungemäht bleiben darf, stört doch niemanden“, meint Brigitte Gilde Jessen vom Imkerverein Leck und Umgebung.

Thorsten Oesterle bewegte in diesem Jahr noch ein ganz anderes Problem. Berichte über den zum Teil stark belasteten Honig aus der Rendsburger Region hatten ihn verunsichert. „Ich war schon drauf und dran, die Imkerei aufzugeben“, sagt er. Sein Mentor versuchte zu beruhigen: „Das Jakobskreuzkraut mag die Marschböden in den Kögen nicht, deshalb kommt es in unserer Region nicht allzu häufig vor.“ Das bestätigt auch Brigitte Gilde-Jessen aus Leck, die zwar schon große Flächen mit Jakobskreuzkraut entdeckt hat, die befanden sich allerdings rund um den Plöner See. Und Hans Bonn vom Imkerverein Winnert und Umgebung erzählt, dass sich das Zeug eher in der Geltinger Birk finden lässt. „Zudem blüht es erst, wenn wir unseren Frühlingshonig längst geschleudert haben“, sagt Günter Hoffmann. Doch Thorsten Oesterle wollte ganz sicher gehen: Er gab selbst eine Prüfung in Auftrag. Das Ergebnis überrascht und beruhigt zugleich: Im Honig aus Nordfriesland wurden in keinem der insgesamt 30 geprüften Parameter Rückstände der gefährlichen Pyrrolizidinalkaloide festgestellt. Er ist giftfrei.

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