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Gescheitert: : Aus für Waldorfschule in Bordelum

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Nach nur einem halben Jahr schloss die Einrichtung ihre Pforten. 14 Kinder müssen in andere Lehranstalten wechseln, die Lehrer sind arbeitslos.

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erstellt am 02.Feb.2010 | 06:13 Uhr

Bordelum | Vor knapp einem halben Jahr war die Waldorfschule Bordelum an den Start gegangen. 14 Kinder hatten hoffnungsfroh unter der Leitung von vier Lehrkräften das neue Schuljahr begonnen. Nun wurde der Schulbetrieb eingestellt. Ein Rettungsversuch der Flensburger Waldorfschule und einer Elterninitiative scheiterte an den Finanzen. Die Eltern mussten eine andere waldorfpädagogische Einrichtung suchen oder ihr Kind in eine Grundschule geben. Die Pädagogen haben den Gang zur Arbeitsagentur angetreten.

Die ehemalige Schulleiterin Ruth Reichert ist wie ihre Kollegen enttäuscht. Sie fasst zusammen: "Alles hat gepasst: zufriedene Eltern, Kinder, die sich gut entwickelt haben, schon 30 Anmeldungen für dieses Jahr, und es lag sogar die Genehmigung vom Ministerium vor, dass wir Integrationskinder aufnehmen durften, für die wir Fördermittel bekommen hätten." Auch die Ganztagsbetreuung mit der hauseigenen Mensa lief gut. Biologisch vollwertige Kost bereitete täglich frisch ein Koch als Dienstleister zu. In der Gemeinde genoss die Einrichtung Akzeptanz. Die Sporthalle durfte genutzt werden. Alles sei an der Geschäftsführung und den offenbar desolaten Finanzen gescheitert. Das Gehalt für drei Monate stehe auch noch aus.
Ihr Lehrerkollege Torben Nesch (27) hat noch nicht aufgegeben: "Die Hoffnung stirbt zuletzt. Eigentlich bräuchten wir nur einen neuen Geldgeber, der bereit wäre, die Geschäftsführung zu übernehmen." Er führt Gespräche in alle Richtungen.
Positiv auf den Weg gebracht

Henning Kullak-Ublick, Lehrer und Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Verein zur Förderung der Waldorf-Pädagogik Flensburg, bedauert, dass es in Bordelum nicht weitergehen konnte. Nach seinen Informationen sei das Desaster durch Differenzen zwischen den Fachkräften, die getreu der Waldorf-Pädagogik arbeiteten, und dem Geschäftsführer der als Trägerin gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Rolf Bartholomes, ausgelöst worden.

Das bestätigt auch die ehemalige Schulleiterin: "Herr Bartholomes hatte eigene Vorstellungen von Waldorf-Pädagogik. Da hätte der Landesverband nicht mitgemacht, denn das Konzept stand." Trotzdem rechne sie ihm hoch an, dass er die Schule so positiv, wie sie sich zuletzt darstellen konnte, auf den Weg gebracht hat.
Versuche für Erhalt scheiterten

Bartholomes hat sich laut Kullak-Ublick entschlossen, die Trägerschaft aufzugeben, weil er seine Gedanken nicht habe verwirklichen können. Doch es sei einfach nicht Aufgabe einer Trägerin, sich in pädagogische Belange einzumischen. Der Versuch, die Schule als Außenstelle an die Waldorfschule Flensburg anzudocken, scheiterte an der geringen Schülerzahl - das wäre nicht wirtschaftlich gewesen. Ein weiterer Versuch von Eltern, die Einrichtung durch Gründung eines Fördervereins am Leben zu erhalten, musste aufgegeben werden.

Rolf Bartholomes selbst war zu einer Stellungnahme nicht bereit.
"Ein Aus hätte ich nie erwartet"

Einer der Väter der Bordelumer Waldorfschüler ist Thore Böttcher aus Kolkerheide. "Die Schule war eine Bereicherung für die ganze Region", sagt er. Sein Sohn Tjark (8) fand inzwischen einen Platz in der Flensburger Waldorfschule. "Es sah alles so vielversprechend aus. Ein Aus hätte ich nie erwartet", zeigt sich auch Anja Lieseberg-Röder aus Langenhorn bestürzt. Sie habe ihre Tochter Stina (8) wegen der Nähe zu Bordelum aus einer Montessori-Schule in Klixbüll herausgenommen. Zum Glück sei ihre Tochter nun in der Walddorfschule Flensburg untergekommen.

Paja Burgess, Sprecherin der ehemaligen Trägerin, erklärt: "Das Problem lag aus meiner Sicht tief. Die Auffassung von Waldorfschule war bei Herrn Bartholomes zu anders. Geldprobleme kamen dazu." Es sei tragisch und mehr als bedauerlich. Sie hätte sich einen neuen Träger gewünscht. Nach ihren Informationen sind bis auf drei Kinder alle in Waldorfschulen im nördlichen Raum Schleswig-Holsteins untergekommen.
Gemeinde kann nicht helfen

Ein Statement vom Schulamt des Kreises Nordfriesland war nicht zu erhalten. Die Waldorfschule sei eine private Einrichtung, hieß es. Lediglich wenn es Schwierigkeiten gäbe, die Kinder unterzubringen, würde es behilflich sein.

Für Bürgermeister Peter Reinhold Petersen ist die Lage mehr als bedauerlich. Aber: "Die Gemeinde kann da nicht helfen."

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