Aus für Kurheim Köhlbrand

Das Mutter-Kind-Kurheim am Strandweg wird nach der Winterpause nicht mehr geöffnet.  Foto: hn
Das Mutter-Kind-Kurheim am Strandweg wird nach der Winterpause nicht mehr geöffnet. Foto: hn

Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie schließt Einrichtung in St. Peter-Ording aus wirtschaftlichen Gründen

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21. März 2012, 07:40 Uhr

St. Peter-Ording | Nun steht es endgültig fest: Das traditionsreiche Kurheim Köhlbrand am Strandweg wird definitiv geschlossen und nach der Winterpause nicht mehr geöffnet. Das teilt die Betreiberin, die Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie (NGD), mit. Seit 1973 unterhielt sie an diesem Standort ein Mutter-Kind-Kurheim. Bereits Ende Januar hatte sie die Mitarbeiter über ihre Absicht informiert (wir berichteten). Die Mitarbeitervertretung versuchte daraufhin, die Schließung zu verhindern. Betroffen sind 30 Angestellte. So geht eine Ära zu Ende: Haus Köhlbrand war 1911 als erstes Kinderkurheim in St. Peter-Ording eröffnet worden. In den Weltkriegen diente es als Lazarett und von 1946 bis 1951 als Teil des Tönninger Kranken hauses.

Als Ursache für die Schließung nennt Wolfgang Egert, Geschäftsführer Berufliche Förderung und Bildung, Rehabilitation der NGD, den starken Rückgang von Mutter-Kind-Kuren, die von Krankenkassen genehmigt würden. Ferner seien Sanierungs- und Verkaufsbemühungen gescheitert.

Nachdem die Schließungsabsicht bekannt geworden war, versuchte die Mitarbeitervertretung in Begleitung eines Rechtsanwalts, der Gesamtmitarbeitervertretung und der Gewerkschaft Verdi im Rahmen eines sehr intensiven Beratungsverfahrens, den Erhalt der Einrichtung und der Arbeitsplätze zu erreichen, wie es in einer gemeinsamen Presseerklärung von Geschäftsführung und Mitarbeitervertretung heißt. "Wir haben die betriebswirtschaftlichen Zahlen und die Anmeldezahlen für dieses Jahr offengelegt", erklärte Egert auf Anfrage. Daraufhin habe auch die Mitarbeitervertretung erkannt, dass es nicht reiche. Derzeit werde über einen Sozialplan verhandelt, um unter den gegebenen Voraussetzungen eine bestmögliche soziale Abfederung zugunsten der Mitarbeiter zu erreichen. Wie bereits Ende Januar angekündigt, solle die Möglichkeit einer Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter, darunter teilweise langjährig Beschäftigte, bei der NGD individuell geprüft werden. Was aus der Immobilie in Strandnähe werden soll, stehe noch nicht fest, erklärte Egert. Darüber sollen Gespräche mit der Gemeinde geführt werden.

Die Mitarbeitervertretung war gestern wegen der Verhandlungen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

St. Peter-Ordings Bürgermeister Rainer Balsmeier bedauert, dass die Schließung nun tatsächlich realisiert wird. Für den Ort sei das ein großer Verlust - wegen der Arbeitsplätze, aber auch wegen der Geschichtsträchtigkeit des Hauses. "Allerdings kann die Gemeinde die Schließung des Kurheims Köhlbrand zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehen, zumal sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Positiven ändern sollen." Der Wunsch der Gemeinde wäre gewesen, dass die NGD noch einmal intensiver darüber nachgedacht hätte, dass Haus vor dem Hintergrund einer geänderter Zuweisungspraxis noch eine Saison weiterzuführen. Balsmeier führt damit die neue Begutachtungs-Richtlinie der gesetzlichen Krankenkassen für Mutter-Kind-Kuren ins Feld.

Verdi-Fachbereichssekretär Dr. Wilfried Lunow zeigte sich enttäuscht über den Schritt der NGD. "Verdi hatte gebeten, zu prüfen, ob Haus Köhlbrand nicht doch noch in diesem Jahr weitergeführt werden könnte, um das Defizit möglichst klein zu halten." Bereits als die Schließungsabsichten bekannt geworden waren, hatte Lunow erklärt, dass es nur ein Punkt in der Reihe fragwürdiger Entscheidungen und unprofessioneller Geschäftführung durch die verantwort lichen Leitungsebenen der NGD sei. Die NGD habe schlichtweg versäumt, das Haus nachhaltig auf die veränderten Bedingungen des Gesundheitsmarktes einzustellen. Vorschläge der Beschäftigten und der Mitarbeitervertretung zur Verbesserung des Angebotes wurden ignoriert, notwendige Investitionen verabsäumt.

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