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Zerbrechliche Schönheiten : Aus einem Geschenk wurde eine Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Motive der Häschenschule zaubert Bettina Wächter aus Vollerwiek auf allerlei Eier. Aber auch Blumen und Insekten zählen zu ihrem Repertoire. Auch sie stellt am Wochenende beim Internationalen Ostereiermarkt in Tönning aus.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2014 | 15:30 Uhr

„Ich wünsche mir ein von Dir selbst bemaltes Osterei.“ Als Paul Wächter vor vielen Jahren diesen Wunsch an seine Frau Bettina richtete, ahnten beide noch nicht, dass aus einer liebevollen Geste eine wahre Leidenschaft erwachsen würde. Natürlich sollte es ein besonderes Geschenk für ihn werden, und so kam es förmlich zu einer kleinen Lovestory.

Das Motiv für ihr allererstes Osterei war ein Hase aus dem bekannten Kinderbuch „Die Häschenschule“. Es war für sie naheliegend, diese Geschichte zu verwenden, passt sie doch zu Ostern. Schon Generationen von Kindern haben die wundervollen Verse von Albert Sixtus und die liebevoll gemalten Bilder von Fritz Koch-Gotha begeistert. Und der Häschenschule blieb Bettina Wächter treu. Es sollte ihr Thema werden, als sie später ernsthaft mit ihrer neuen Leidenschaft, der Ostereiermalerei begann.

Sie hat ein Lächeln auf ihrem Gesicht, wenn sie im Atelier in ihrem Haus in Vollerwiek die Motive der Häschenschule auf die verschiedenen Ostereier malt. Ihr Talent zur Malerei entwickelte sie schon als Kind, so fiel ihr auch das filigrane Bemalen dieser doch recht kleinen Objekte nicht schwer.

Als sie nun fertig war mit dem erbetenen Osterei, kam eine unerwartete Reaktion. Paul Wächter äußerte, er hätte auf ein selbst bemaltes, nicht auf ein gedrucktes und dann aufgeklebtes Motiv gehofft. Er staunte nicht schlecht, als er dann die vielen Künstler-Aquarellfarben in ihrem Atelier sah, mit denen sie das kleine Kunstwerk für ihn hergestellt hatte.

Fasziniert von ihrem Können animierte er sie zu weiterer Kreativität. Das war 1991, heute bereitet sie gerade die letzten Eier für den anstehenden Ostereier-Markt in Tönning vor. Auch andere Märkte im gesamten Bundesgebiet gehören mittlerweile zu ihrem Programm.

„Jeder hat seine eigene Technik und Handschrift beim Malen“, erzählt sie, während auf dem gerade in der Herstellung befindlichen Straußenei die Silhouette einer Hasenmutter sichtbar wird. Die Pinsel, die sie benutzt, sind so fein, dass man die Spitze kaum noch mit dem bloßen Auge erkennen kann. Einige Eier haben eine so poröse Oberfläche, dass sie vor dem Bemalen grundiert werden müssen. Die Motive sind extrem aufwendig zu fertigen, denn es werden kleinste Details dargestellt. Eine winzige Schublade, die halb geöffnet ist und in der sich verschiedene, bunte Sockenpaare tummeln, sind auf dem Gänseei zu sehen.

Gehen die nicht schnell kaputt? „Ich nehme nur bruchsichere Exemplare. Auf Straußeneier kann man sich draufstellen“, sagt Bettina Wächter lachend. Und was ist, wenn sie sich nach all den Stunden des Bearbeitens kurz vor der Fertigstellung plötzlich vermalt? Sie überlegt so lange, dass schnell klar wird, was sie dann endlich ausspricht: Sie vermalt sich nicht. Ihre Produktionsreihe umfasst nicht nur die reinen Hasenmotive. Auch Blumen und Insekten zaubert sie auf den ovalen Untergrund. Es bleibt aber eine Linie, es passt immer zusammen und damit auch in die Reihe der Häschenschule.

In den letzten Tage vor dem Ostermarkt geht es bei der Künstlerin noch einmal hoch her. Sie arbeitet gern in den Abend- und Nachtstunden, da hat sie absolute Ruhe, wie sie sagt. Es ist schon eine echte Herausforderung, der sie sich gestellt hat. Immerhin gibt es bei ihren kleinen Kunstwerken auch solche, auf denen sich die komplette Geschichte der Langohren wiederfindet. Nicht nur auf Enten-, Gänse-, Straußen-oder Nandueiern. Auch Schachteln, Tafeln oder sogar kleine Schränke bemalt sie kunstvoll, präzise und mit einem enormen Blick für die Details. Noch befinden sich alle fertig gestellten Arbeiten in kleinen bunten Schachteln und Körben in ihrem sorgfältig eingerichteten Atelier unter dem Dach. Doch bald schon schmücken sie den großen Ostermarkt. Bettina Wächter achtet auch darauf, dass jeder sich auf dem Markt ein kleines, von ihr bemaltes Unikat mitnehmen kann.

Dass der Anspruch und das Können auf sehr hohem Niveau angesiedelt sind, zeigen auch verschiedene ihrer Projekte außer der Reihe. Unter anderem hängen von ihr gefertigte Arbeiten in einem Londoner Haus. In diesem Fall hatte sie Porträts und Alltagsszenen, in denen auch der Auftraggeber zu sehen ist, gemalt und damit wieder einen großen Wunsch erfüllt.

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