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Nordfriesland : Aus der Luft ins Gefecht: Bundeswehr übt in SH

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das multinationale Großmanöver „Red Griffin/Colibri 50“ startete mit einem Massenabsprung von Fallschirmjägern in Nordfriesland.

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erstellt am 11.Mai.2017 | 10:00 Uhr

„Es war schon etwas windig in der Luft“, sagt Marcell A. von der Luftlandebrigade 1 im saarländischen Saarlouis. Der Hauptfeldwebel hatte zunächst als Absetzer in einer der vier Transall-Transportmaschinen aus Hohn dafür gesorgt, dass alle Soldaten in 400 Metern Höhe möglichst dicht hintereinander aus der Maschine kommen und dann die Lasten mit der Ausrüstung abgeworfen, bevor er selbst gesprungen war. „Unser Fallschirm ist schwer zu manövrieren, da muss man schon sehr aufpassen, dass man nicht abtreibt.“ 350 Fallschirmjäger waren zwischen Ahrenviölfeld und Behrendorf niedergegangen und sammelten sich nun auf den Koppeln, um auf das Übungsziel vorzurücken: den Flugplatz Schwesing bei Husum.

Am Montag hatte die zweiwöchige Übung „Red Griffin/Colibri 50“ der Division Schnelle Kräfte (DSK) begonnen – das größte Manöver in Schleswig-Holstein seit Ende des Kalten Krieges mit 3500 Soldaten aus Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. Ein Vorauskommando von 40 Mann war in den Abendstunden aus großer Höhe aus einem A400M-Transporter über der Landungszone abgesprungen, um diese simuliert zu erkunden – wie in einem echten Einsatz.

„Nachdem Landes- und Bündnisverteidigung wieder in den Vordergrund gerückt sind, haben wir seit 2014 mit den Holländern zusammen Einsatzverfahren für eine Eingreiftruppe entwickelt“, erläutert Generalmajor Andreas Marlow, der die auf Standorte in sechs Bundesländern und zwei Nationen verteilte Division vom hessischen Stadtallendorf aus führt. „Ob die Verfahren in der Realität funktionieren, erproben wir mit dieser Übung. Das ist sozusagen der Stresstest dafür.“

Zu Grunde liegt daher auch ein typischer Bündnisfall, wobei Schleswig-Holstein ein Land im Nato-Gebiet darstellt. Feindliche Kräfte sind in das Land eingedrungen und haben den Flugplatz Schwesing eingenommen. Die Fallschirmjäger sollen den Platz zurückerobern und von da über Hohn und Eutin Richtung Ostsee vorstoßen, wo sie in der nächsten Woche bei Todendorf einen fiktiven Hafen einnehmen müssen. Nebenbei müssen auch noch Zivilisten mit einem Helikopter aus dem Gebiet evakuiert werden. „Alle Stäbe und Einheiten arbeiten diese zwei Wochen lang im 24-Stunden-Modus, das ist schon extrem fordernd“, sagt Generalmajor Marlow.

Mindestens ebenso gefordert sind auch die Soldaten des Jägerbataillons 1 aus dem hessischen Schwarzenborn, die als Feinddarstellung fungieren und sich den vorrückenden Fallschirmjägern samt derer auf dem Landweg herangeführten motorisierten Verstärkung im Infanterie-Kampf und mit gepanzerten Fahrzeugen immer und immer wieder in den Weg stellen müssen – schon wegen ihrer numerischen Unterlegenheit jedoch ohne große Chancen. „Aber so ist das zugleich auch eine gute Übung für das Jägerbataillon.“

Unterstützt werden die Truppen der Division Schnelle Kräfte von der Luftwaffe, der Marine, der Streitkräftebasis und dem zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr. Und letzterer war auch beim gestrigen Massenabsprung gefordert, bei dem sich vier Fallschimjäger verletzten – glücklicherweise nicht schwer. „Eine Verletzungsquote von fünf bis zehn Prozent ist bei solchen Sprüngen normal“, erläutert ein Offizier. Immerhin käme der Soldat mit einem Schirm vom Typ T-10 mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde auf dem Boden an. „Das entspricht einem Sprung aus zweieinhalb bis drei Metern Höhe.“

Angst komme trotzdem nicht auf. „Selbst wenn man hilflos am Schirm hängt, ist dafür kein Platz. Da steht der Auftrag im Vordergrund“, so Hauptfeldwebel E. und ergänzt: „Aber die Zeit in der Luft ist schön. Es ist alles total still – und man kann sich sogar mit Kameraden unterhalten, die 50 Meter entfernt schweben.“

 

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