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Ein Fall fürs Husumer Amtsgericht : Aus Ärger Bauschutt in den Teich gekippt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wegen einer in Bargum begangenen Umweltstraftat müssen ein Polizeibeamter und ein Abbruchunternehmer insgesamt 9000 Euro Strafe zahlen.

Wer ein Biotop zerstört, macht sich strafbar, selbst wenn sich das Biotop auf dem eigenen Grund und Boden befindet. Diese Erfahrung mussten jetzt zwei Angeklagte aus dem Kreis Nordfriesland machen, die das Amtsgericht Husum zu insgesamt 9000 Euro Geldstrafe verurteilte. Da einer der beiden Angeklagten Polizeibeamter ist, nahm an dem Prozess ein Vertreter aus dem Innenministerium in Kiel als Beobachter teil, weil dem Ordnungshüter auch noch eine Disziplinarmaßnahme droht.

Gemeinsam mit einem anderen Investor hatte der Polizist nach eigenen Angaben 2011 bei einer Zwangsversteigerung für insgesamt 8000 Euro in Bargum ein Grundstück mit einem acht Jahre zuvor abgebrannten Haus gekauft. Geplant war, auf dem Gelände ein neues Haus zu bauen, doch das Grundstück mit einem etwa 200 Quadratmeter großen idyllischen Teich war inzwischen zum Außenbereich erklärt worden – weshalb die beiden Käufer keine Baugenehmigung für ein neues Haus erhielten.

„Aus Wut und Enttäuschung“ darüber bat der Polizeibeamte Ende August 2014 einen befreundeten Abbruchunternehmer, ihm dabei zu helfen, den Bauschutt des abgebrannten Gebäudes mit einem Bagger in den Teich zu kippen. In dem Bauschutt befanden sich neben Steinen und verkohltem Holz auch Isoliermaterial, alte Elektrogeräte und ähnlicher umweltgefährdender Müll. Wie der Polizist später erläuterte, hatte er gehofft, nach dieser „Aufräum- und Verschönerungsaktion“ doch noch eine Baugenehmigung zu erhalten. Den mit Schilf umwachsenen Teich mit Fischen und Kröten, an dem es laut Zeugenaussagen auch Wildenten gab, hatte der Angeklagte, wie er aussagte, nicht für ein Biotop, sondern lediglich für eine „Kuhle“ gehalten; und dass unter dem Bauschutt auch umweltgefährdende Stoffe waren, hatten beide Angeklagte laut eigenen Aussagen damals nicht gewusst.

Als ein Grundstücksnachbar nachmittags die Polizei alarmierte, war der Teich bereits zu 90 Prozent verfüllt und das Biotop samt Tieren und Pflanzen zerstört. Für rund 2000 Euro musste der Polizist den Müll wieder aus dem Teich herausholen und umweltgerecht entsorgen lassen; inzwischen – so zeigten von der Polizei vorgelegte Fotos von Anfang dieses Jahres – beginnt das Biotop sich langsam wieder zu erholen.

Polizeibeamter (49) und Abbruchunternehmer (26) räumten vor Gericht ihr Handeln ohne Umschweife ein und zeigten Reue. Das Gericht folgte dem Strafmaß, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte, und verurteilte den Polizisten zu 90 Tagessätzen Geldstrafe á 70 Euro und den weniger verdienenden Abbruchunternehmer zu ebenfalls 90 Tagessätzen á 30 Euro wegen vorsätzlicher Gewässerverunreinigung und unerlaubtem Umgang mit gefährlichen Abfällen. Ein Polizist habe eine Vorbildfunktion und hätte wissen müssen, dass man umweltgefährdende Stoffe nicht in ein Biotop kippen darf; und auch wer seinen Lebensunterhalt mit Abbrucharbeiten verdiene, müsse wissen, was er tut, hieß es in der Urteilsbegründung.

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